Wut über Sparpläne

Air-France-Personalchef "fast gelyncht"

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Xavier Broseta nahm vor der wütenden Menge Reißaus über einen Zaun.

Paris - Neue Kürzungspläne bei Air France erzürnen die Gewerkschaften. Bei einer Protestaktion schlägt die Stimmung in Gewalt um: Der Personalchef ergreift vor Schlägern die Flucht.

Der Streit um einen neuen Sparplan bei der französischen Fluggesellschaft Air France ist in Gewalt umgeschlagen. Aufgebrachte Air-France-Mitarbeiter stürmten am Montag in Paris ein Treffen von Konzernführung und Betriebsrat und attackierten mehrere Unternehmensverantwortliche, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Der Personalchef der Fluggesellschaft sei dabei beinahe "gelyncht" worden, sagte ein Gewerkschaftsvertreter.

Demonstranten rissen in dem Tumult Air-France-Personalchef Xavier Broseta das Hemd ab, sie riefen dabei "ausziehen" und "Rücktritt". Der Spitzenmanager musste von Sicherheitsleuten in Sicherheit gebracht werden. Attackiert wurde auch der Manager Pierre Plissonnier, der bei Air France für Langstreckenflüge zuständig ist. Sein Hemd wurde vollkommen zerrissen. Bei seiner Flucht musste der Manager über einen Zaun klettern.

Nach Angaben eines Sprechers wurden sieben Menschen verletzt, darunter Broseta und mehrere weitere Manager. Ein Sicherheitsmann sei mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gekommen. Nach dem Eindringen der Demonstranten wurde die Sitzung unterbrochen.

„Das Management von Air France verurteilt die körperlichen Gewalttaten entschieden“, teilte das Unternehmen mit und kündigte eine Klage an. „Diese Gewalt ging von einigen besonders aggressiven Einzelpersonen aus, während die Demonstration streikender Mitarbeiter bis dahin ruhig verlaufen war“, hieß es vonseiten des Unternehmens. Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron nannte die Täter unverantwortlich. Auch Gewerkschafter kritisierten den Vorfall.

2900 Stellen sollen wegfallen

„Das ist nicht das wahre Gesicht von Air France“, sagte Fluglinien-Chef Frédéric Gagey. Während der Sitzung im Air-France-Gebäude am Flughafen Charles-de-Gaulle bei Paris hatte er den Arbeitnehmervertretern am Vormittag seine Sparpläne vorgestellt. 2900 Stellen sollen wegfallen, bestätigte der Mutterkonzern Air France-KLM später. 

Die Fluggesellschaft will mit den Sparplänen ihre seit 2011 anhaltende Verlustserie beenden. Vergangene Woche waren Verhandlungen mit Pilotenvertretern über längere Arbeitszeiten bei gleichem Gehalt gescheitert, daraufhin kündigte das Unternehmen den Plan B mit Stellenkürzungen an.

Betroffen sind 300 Piloten, 900 Mitglieder des Kabinenpersonals und 1700 Jobs am Boden, wie Air-France-Chef Gagey bestätigte. Das Langstreckenangebot soll bis 2017 um zehn Prozent zusammengestrichen werden. 35 Flüge pro Woche sollen wegfallen, vor allem auf unprofitablen Strecken nach Asien und in den Nahen Osten.

Der für Montag von mehreren Gewerkschaften ausgerufene Streik hatte auf den Flugverkehr nur geringe Auswirkungen: Alle geplanten Flüge konnten nach Angaben des Unternehmens beibehalten werden. Allerdings sei es zu Verspätungen gekommen, sagte Gagey.

dpa/afp

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