Folge der E-Auto-Produktion

VW streicht bis zu 7000 Stellen in Emden und Hannover

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Im Werk Emden werden Teile eines VW-Passat zusammengefügt. Foto: Jörg Sarbach

Elektromobilität und Digitalisierung - diese Trends machen die Autobauer fast schon zu Getriebenen. Auch die Beschäftigten bekommen das zu spüren, allein bei VW kostet die Umstellung zweier Werke Tausende von Stellen. Und es könnte noch schlimmer werden.

Wolfsburg/Hannover (dpa) - Volkswagen steuert mit seiner E-Auto-Offensive in die Zukunft - aber das kostet Tausende Jobs. Beim Hochfahren der Stromer-Produktion könnten an den Standorten Emden und Hannover insgesamt bis zu 7000 Stellen wegfallen.

Dies sei jedoch nur möglich, wenn Altersteilzeit-Regelungen voll ausgeschöpft würden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen.

Betriebsbedingte Kündigungen hatte Vorstandschef Herbert Diess zuvor ausgeschlossen. Allerdings kündigte er wegen der verschärften CO2-Grenzwerte für Neuwagen in der EU ein noch härteres Umbauprogramm für den größten Autobauer der Welt an.

Nach dpa-Informationen könnten über Vorruhestandsregelungen bis zu 4000 Stellen in Hannover und bis zu 3000 in Emden gestrichen werden. Dies sei aber nur auf freiwilliger Basis machbar. In Hannover blieben dann gut 10.000 Beschäftigte, in Emden etwa 6000. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darüber berichtet. Der Konzern wollte dies nicht kommentieren.

In der Branche gilt die Einschätzung, dass für den Bau der weniger komplexen Elektroautos weniger Mitarbeiter gebraucht werden. Um die Umstellung an den beiden VW-Standorten abzufedern, wurde eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2028 vereinbart. Volkswagen hatte kürzlich bekanntgegeben, dass in Emden und Hannover künftig auch E-Autos gefertigt werden.

Mit dem Wandel zur Elektromobilität hat die ganze Industrie mit bundesweit mehr als 800.000 Beschäftigten zu kämpfen. Branchenexperte Stefan Bratzel geht von einem Rückgang der Beschäftigung um 15 Prozent bis 2030 aus: Je weniger Verbrenner gebaut würden, umso stärker müsse das nötige Arbeitsvolumen sinken. Bratzel erwartet "einige Wehen" auf dem Weg - zumal die Chance der gut bezahlten Beschäftigten, einen gleichwertigen Job zu finden, nicht groß sei.

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird der Übergang zur E-Mobilität langfristig rund 114.000 Jobs kosten. Die Prognose geht von einem Marktanteil der E-Autos von 23 Prozent bis zum Jahr 2035 aus. Allein Volkswagen muss nach Einschätzung von Diess angesichts verschärfter EU-Klimaschutzvorgaben bis 2030 den Anteil der Stromer am Gesamtabsatz auf über 40 Prozent hieven. BMW und Daimler wollen 2025 früheren Angaben zufolge 15 bis 25 Prozent ihres Absatzes mit Elektroautos bestreiten. VW will in dem Jahr eine Million E-Fahrzeuge verkaufen.

Zwar könne Volkswagen die neuen Grenzwerte einhalten, sagte Diess unlängst der "Bild"-Zeitung. "Natürlich werden wir das Ziel, bis 2030 die CO2-Emissionen nochmals um 37,5 Prozent zu reduzieren, erreichen können. Mit unserer E-Plattform und der starken Präsenz in China schaffen wir das." Das bedeute aber enormen Wandel. Er kritisierte, Batterien und CO2-Strafzahlungen für konventionelle Autos ließen Einstiegsmobilität für viele Kunden unerschwinglich werden. "Und es würde Arbeitsplätze kosten, in einer Größenordnung, die wir in diesem Zeitraum nicht mehr über Vorruhestandsregelungen abbauen könnten."

Auch Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht sorgt sich wegen der verschärften CO2-Vorgaben. "Ich befürchte, dass die Unternehmen ihre Lieferketten auf den Prüfstand stellen und weitere Umfänge nach Osteuropa verlagern, um die höheren Kosten für die Elektromobilität auszugleichen", sagte er der "Automobilwoche". "Unter diesen Bedingungen wird es immer schwerer, die Beschäftigung hier in Deutschland zu halten."

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh kritisierte die vereinbarten Ziele beim CO2-Ausstoß ebenfalls scharf: "Ich frage mich, ob die Entscheidungsträger in Brüssel und Berlin sich darüber im Klaren sind, was sie damit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern der Autoindustrie antun", schrieb er in einem Weihnachtsbrief an die Belegschaft. Dieser Brief liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Darin warnte Osterloh vor "unkontrollierbaren Arbeitsplatzverlusten".

Er betonte, betriebsbedingte Kündigungen seien mit dem Betriebsrat nicht zu machen - verwies aber auch darauf, dass trotz des Gegenwinds in diesem Jahr mehr als 2000 befristet Beschäftigte übernommen worden seien. Volkswagen hatte Anfang Dezember angekündigt, seinen Sparkurs zu verschärfen. Selten gefragte Modellvarianten sollten wegfallen, auch sehe das Unternehmen beim Personal noch Sparpotenzial.

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) kritisierte, dass über Zukunftsarbeitsplätze "fabuliert" werde: "Die wird es sicher auch geben; aber die Zahl der Arbeitsplätze, die verloren gehen, wird um ein Vielfaches höher sein." Angesichts der CO2-Ziele der EU seien weitere Umstrukturierungen zu erwarten. Die IG Metall befürchte, dass 200 000 Arbeitsplätze verloren gehen könnten.

VW zu Investitionen in den nächsten fünf Jahren

IAB-Studie

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