Unsicherheitsfaktor USA

Volkswirte: Konjunktur in Deutschland auf Erholungskurs

Ein Schiff am Container Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen. Der deutsche Export ist wieder angezogen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
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Ein Schiff am Container Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen. Der deutsche Export ist wieder angezogen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Die deutsche Wirtschaft könnte sich schneller vom Corona-Schock erholen, als viele dachten. Aufgrund vielversprechender Frühindikatoren sind Volkswirte optimistisch. Sie warnen aber vor vorschnellem Jubel.

Nürnberg (dpa) - Die Konjunktur in Deutschland ist nach Auffassung von Volkswirten führender Finanzinstitute nach dem Corona-Einbruch auf Erholungskurs.

"Die Frühindikatoren stimmen optimistisch", sagte Marc Schattenberg von der Deutschen Bank in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Das zweite Quartal, in das der Höhepunkt der Corona-Krise fiel, sei überraschend robust verlaufen.

Katharina Utermöhl von der Allianz-Gruppe sagte mit Blick auf jüngste Indikatoren: "Die Rezession ist vorbei." Die deutsche Wirtschaft liege nicht mehr auf der Intensivstation. Die Lage bleibe aber kritisch, Rückschläge seien nicht auszuschließen.

Auch der Export habe wieder angezogen, die Ausfälle etwa im China-Geschäft seien nicht so groß wie befürchtet, sagte Schattenberg. Dennoch warnte er: "Im zweiten Halbjahr werden auch handelspolitische Risiken wieder in den Fokus rücken." Die Nachricht, dass ein ungeordneter Brexit nach Ende der Übergangsfrist Ende des Jahres wahrscheinlich sei, sei nicht gut, betonte er. Mit großer Unsicherheit werde die Entwicklung in den USA beobachtet, wo die Corona-Krise mit besonderer Wucht Schaden anrichtet.

Utermöhl rechnet im Juli mit einem Zuwachs von 119 000 Arbeitslosen im Vergleich zum Juni. Mit einer Gesamtzahl von 2,972 Millionen Arbeitslosen würde damit die Drei-Millionen-Grenze nahe heran rücken. Deutsche-Bank-Volkswirt Schattenberg sieht saisonbereinigt sogar eine Zahl knapp über der Drei-Millionen-Grenze.

Den Konjunkturerwartungen scheint das keinen Abbruch zu tun. "Seit Juni geht es aufwärts, seit Juli scheint sogar schon mehr Dynamik erkennbar zu sein", sagt auch Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. "Nach dem tiefen Fall im März und April wird es aller Voraussicht nach noch eine ganze Zeit dauern, bis das Vorkrisenniveau in Produktion und Umsatz wieder erreicht wird", warnte er allerdings.

Der Arbeitsmarkt zeige sich überraschend stabil, sagte Niklasch. "Vermutlich wird der Anstieg der Zahl der Arbeitslosen saisonal bereinigt im Juli nur geringfügig ausfallen in einer Größenordnung von um 50 000." Zwar habe es auch im Juli wieder Ankündigungen von Stellenabbau in der Industrie gegeben. "Aber die herumgereichten Zahlen erstrecken sich zumeist über längere Zeiträume."

Er befürchtet allerdings, dass es im Herbst zu einer Welle von Insolvenzen infolge der Corona-Pandemie kommen könnte, mit Konsequenzen für Konjunktur und Arbeitsmarkt. Im September setzt die wegen Corona ausgesetzt Anzeigepflicht für Insolvenzen wieder ein.

Auch Fritzi Köhler-Geib, Chef-Volkswirtin der staatlichen KfW-Gruppe, drückt etwas auf die Euphorie-Bremse. "Die Zahl der Arbeitslosen dürfte in den nächsten Monaten weiter steigen, denn es wird weitere Entlassungen geben und die Unternehmen stellen weniger ein", sagte sie. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen im Mai habe mit 570 000 um mehr als 200 000 unter der des Vorjahresmonats gelegen. Die Arbeitslosigkeit habe vor allem unter Erwerbstätigen ohne Berufsabschluss sowie Jugendlichen zugenommen.

"Es kommt in den kommenden Monaten darauf an, dafür zu sorgen, dass sich die Arbeitslosigkeit nicht verfestigt und zu bleibenden Nachteilen führt", sagte Köhler-Geib. Hierfür müssten Lehrstellen und Qualifizierungsangebote in größerer Zahl geschaffen werden.

© dpa-infocom, dpa:200725-99-919169/2

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