Kaffee-Start-up Unicaps

Die Lösung für den Kaffee-Kapsel-Irrsinn

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Tillmann will ein nachhaltiges Lifestyle-Produkt anbieten. Unicaps

Jeder Kaffee eine Umweltsünde – muss das sein? Nein, sagt Dirk Tillmann. Der preisgekrönte Gründer hat eine eigene Kapsel entwickelt. Sie ist kompostierbar und komplett CO2-neutral

Ein Kaffee zum Frühstück, einen im Meeting oder in der Mittagspause: Die Deutschen sind passionierte Kaffeetrinker. 162 Liter konsumiert jeder Bundesbürger nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbands im Schnitt pro Jahr. Das entspricht ungefähr eineinhalb Tassen pro Tag. Jeder Vierte greift dabei regelmäßig zum Kapselkaffee, liegen die Vorteile doch auf der Hand: schnell, bequem, einfach. Nur: Ökologisch ist das Ganze nicht; sowohl die Produktion als auch die Entsorgung der Kapseln führen zu Umweltproblemen: Tonnenweise freigesetztes CO2 und bergeweise Alu-Müll.

Unicaps-Gründer Tillman: „Wir sind keine Ökos“

Dirk Tillmann will das ändern. Sein Start-up Unicaps hat Kapseln entwickelt, die vollständig biologisch abbaubar sind. Die sogenannten My-Cups enthalten kein Aluminium und kein Plastik. Und sie sind mit den Nespresso-Maschinen, dem größten Player im Kapselmarkt, sowie den Nescafé-Dolce-Gusto-Geräten kompatibel. Doch nicht nur das Material der My-Cups ist „grün“: Alles, was in die Kapsel komme, sei bio, sagt Tillmann, ob Kaffee oder Tee. Mit diesem Konzept hat der Diplom-Kaufmann jüngst in Brandenburg den diesjährigen „KFW Award Gründen“ gewonnen. Die Förderbank KFW honoriert damit Start-ups mit innovativen, nachhaltigen oder ökologischen Geschäftsideen.

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Die Ökobilanz herkömmlicher Alukapseln wird oft kritisiert: Laut der Deutschen Umwelthilfe wurden in Deutschland 2016 mehr als drei Milliarden Kaffeekapseln verbraucht. Das entspricht 8 000 Tonnen Kapselmüll aus Aluminium und Kunststoff. Noch problematischer als die große Menge Abfall ist die energie- und CO2-intensive Gewinnung von Aluminium aus dem Erz Bauxit: Bei der Herstellung der 3,1 Milliarden Kaffeekapseln, die die Bundesbürger 2016 verbraucht haben, entstanden rund 25 000 Tonnen CO2. Zusätzlich fällt beim Abbau von Bauxit giftiger Rotschlamm an, der die umliegenden Gewässer in den Abbaugebieten verseucht.

Start-up-Team kennt das Kaffee-Geschäft gut

Unicaps will hier eine grüne Alternative anbieten: „Unsere Kapseln sind von der Ernte bis ins Regal CO2-neutral“, sagt Tillmann. Einige Prozesse wie etwa die Herstellung der Kapselhüllen erfolgten allein mit Strom aus Wasserkraft. Für Produktionsschritte wie die Ernte oder den Transport des Kaffees, bei denen sich der CO2-Ausstoß nicht vermeiden lasse, kaufe das Unternehmen Klimazertifikate zur Kompensation. Und nach Gebrauch seien die Kapseln zu 100 Prozent kompostierbar, weil sie vorrangig aus dem Material Lignin bestünden, einem Abfallstoff aus der Holzverarbeitung.

Tillmann, der das Start-up mit dem befreundeten Ingenieur Max Sandherr gegründet hat, kennt das Kapselgeschäft gut. Bevor er Unternehmer wurde, war er Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens Tpresso, das ein Kapselsystem für Tee entwickelt hat. Das Know-how, das Tillmann dort gesammelt hat, kombiniert mit der Ingenieurs- und Entwicklerkompetenz von Mitgründer Sandherr, hat dann zur Unicaps-Idee geführt: „Die Bequemlichkeit und die Modernität der Kapselmaschine mit einer nachhaltigen Lösung für die Kapseln zu verbinden.“

Kaffee-Kapseln sollen in allen Systemen funktionieren

Wichtig war Tillmann, kein eigenes System zu entwickeln, sondern kompatible Kapseln für bestehende Maschinen zu entwerfen – so sei es leichter, sich auf dem Markt zu etablieren. Bemerkenswert ist das Selbstverständnis von Unicaps: „Wir sind keine Ökos“, sagt Tillmann. Er sieht Unicaps eher als Lifestyle-Marke für Kunden, die den Geschmack und die Effizienz von Nespresso wollen, aber trotzdem Interesse an einem nachhaltigen Produkt haben.

Bis jetzt geht die Rechnung auf, das Start-up vervierfacht gerade die Produktionskapazität in Frankfurt (Oder). Die Zukunftspläne von Dirk Tillmann wirken wenig zögerlich: Der Unicaps-Chef will in die europäischen Nachbarländer expandieren, auf längere Sicht auch in die USA. Außerdem plant er, Kapseln für Marktgrößen wie Keurig zu entwickeln. „Wir möchten für alle gängigen Kapselformate nachhaltige Alternativen anbieten“, so Tillmann.

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