Bleiben Kunden auf ihrem Geld sitzen?

Thomas-Cook-Pleite: Kunden werden entschädigt - Versicherung nennt Summe

Die Pleite des britischen Traditionsunternehmens Thomas Cook hatte auch weitreichende Folgen für deutsche Urlauber. Viele fürchteten, auf einem Teil ihrer Kosten sitzen zu bleiben.

  • Im September stellte der Reiseveranstalter Thomas Cook sein Geschäft ein.
  • Ca. 600.000 Personen waren zu dem Zeitpunkt über den Veranstalter verreist.
  • Jetzt will die Bundesregierung den Betroffenen finanziell helfen.

Update vom 11. Dezember 2019, 16.49 Uhr: Die Pleite der deutschen Thomas Cook kommt den Fiskus teuer zu stehen. Die Schadenssumme liegt nach vorläufigen Berechnungen mit 287,4 Millionen Euro deutlich über der versicherten Summe von 110 Millionen Euro, wie der Versicherer Zurich am Mittwoch mitteilte.
Von der Haftungssumme von 110 Millionen Euro hätten bereits 59,6 Millionen Euro für die Heimholung von Urlaubern aufgewendet werden müssen, hieß es weiter. Somit blieben 50,4 Millionen Euro übrig. Für Kunden bedeutet das, dass weniger als ein Fünftel der Schäden noch gedeckt ist. „Daraus ergibt sich eine Quote in Höhe von 17,5 Prozent für die Regulierung der Ansprüche der Thomas-Cook-Kunden.“

„Wir werden in den nächsten Tagen mit der Regulierung entsprechend der Quote beginnen“, erklärte Horst Nussbaumer, Vorstand bei der Zurich Gruppe. Dieser Prozess werde einige Wochen dauern.

Die Bundesregierung hatte angekündigt, Pauschalurlaubern helfen zu wollen: „Schäden, die nicht von anderer Seite ausgeglichen werden, wird der Bund ersetzen.“ Den Thomas-Cook-Kunden solle angeboten werden, die Differenz zu der Summe, die sie vom Versicherer Zurich „oder von anderer Seite zurückerhalten haben, auszugleichen“.

Lesen Sie auch: Thomas Cook: Expertin sah Insolvenz vorher - doch niemand glaubte ihr

Thomas-Cook-Pleite: Bleiben Kunden auf ihrem Geld sitzen? - Bundesregierung äußert sich

Update vom 11. Dezember 2019, 12.34 Uhr: Der Bund hat Finanzhilfen für Kunden des insolventen Reiseunternehmens Thomas Cook zugesagt - doch wie die Verbraucher an ihr Geld kommen sollen, ist noch unklar. Über das genaue Vorgehen werde noch mit dem Insolvenzverwalter und der Versicherung gesprochen, sagte Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) am Mittwoch in Berlin. „Wichtig ist, dass sie wissen: Die Differenz zwischen dem, was von der Kundenversicherung erstattet wird und dem, was offen bleibt, übernimmt der Staat.“

Auch eine Summe konnte Lambrecht zunächst nicht nennen - das hänge von vielen offenen Rechtsfragen ab. Die Schadenssumme wird deutlich über der versicherten Summe von 110 Millionen Euro liegen.

Thomas-Cook-Pleite: Bleiben Kunden auf ihrem Geld sitzen? - Bundesregierung äußert sich

Erstmeldung vom 11. Dezember 2019:

Berlin - Die Bundesregierung will Pauschalurlaubern des insolventen Reiseunternehmens Thomas Cook finanziell helfen. „Schäden, die nicht von anderer Seite ausgeglichen werden, wird der Bund ersetzen“, teilte die Bundesregierung am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung in Berlin mit. Den Thomas-Cook-Kunden solle angeboten werden, die Differenz zu der Summe, die sie vom Versicherer Zurich „oder von anderer Seite zurückerhalten haben, auszugleichen“.

Bund über fehlende Entschädigung: „Nicht zumutbar“

„Es ist denKundinnen und Kunden nicht zumutbar, dass sie jeweils auf sich gestellt für die Klärung der komplexen offenen Rechtsfragen sorgen müssen“, so der Bund weiter. Dadurch sollen Tausende Klageverfahren und langjährige Rechtsstreitigkeiten vermieden werden.

Die Versicherungssumme, mit der die Kunden abgesichert waren, reicht nach Angaben der Zurich nicht aus. Denn die Schadenssumme wird deutlich über der versicherten Summe von 110 Millionen Euro liegen. Bisher liegen noch keine endgültigen Zahlen des Versicherers vor. Diese werden im Laufe der nächsten Tage erwartet.

Verbraucherzentrale lobt Bundesregierung

Im November hatte der Versicherer mitgeteilt, dass nach der Pleite des deutschen Reisekonzerns Thomas Cook Betroffene bisher einen Schaden von 250 Millionen Euro gemeldet hätten. Die Absage aller Thomas-Cook-Reisen nach dem Jahreswechsel werde die Forderungen aber weiter erhöhen, hieß es seinerzeit. Die deutsche Thomas Cook hatte am 25. September 2019 nach der Pleite des britischen Mutterkonzerns einen Insolvenzantrag gestellt.

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, lobte den Schritt. Es sei gut, dass die Bundesregierung geschädigte Verbraucher der Thomas-Cook-Pleite nicht im Regen stehen lassen wolle, schrieb Müller bei Twitter. Wichtig seien nun unbürokratische Auszahlungen und eine bessere zukünftige Absicherung von Pauschalreisen. Die Bundesregierung kündigte ein „möglichst einfaches und kostenfreies Verfahren“ an. „Die Kunden müssen aktuell nicht selbst aktiv werden, um ihre Rechte zu wahren“, hieß es. Sie werde Anfang 2020 „über die weiteren Schritte zur Abwicklung informieren“.

Thomas-Cook-Pleite: Anwälte bringen sich in Stellung

Anders als I ndividualtouristen sind Pauschalurlauber versichert, wenn ihr Reiseveranstalter pleite geht und die gebuchten Ferien ausfallen. Doch im Fall des Branchenriesen Thomas Cook zeigten sich die Grenzen der gesetzlichen Sicherung. Denn in Deutschland ist die Haftungsgrenze bisher auf 110 Millionen Euro gedeckelt. Auf Twitter sorgte das Vorhaben der Regierung nicht nur für Begeisterung. Ein User schreibt: „Jetzt soll mit Steuergeldern den Leuten geholfen werden, die beim ,Billich, billich, billich`-Buchen bei Thomas Cook auf die Fresse geflogen sind. Lächerlich!“

Erste Anwälte haben sich bereits in Stellung gebracht. Sie werfen dem Gesetzgeber vor, geltendes EU-Recht nicht korrekt umgesetzt zu haben. Die EU-Richtlinie verpflichte Mitgliedstaaten dazu, Pauschalreisenden im Falle einer Insolvenz des Veranstalters „vollumfänglichen Schutz“ zu bieten. Das habe der deutsche Staat versäumt. Auch die Justizminister der Bundesländer hatten den Bund jüngst aufgefordert zu prüfen, die Deckelung zu erhöhen.

dpa

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