"Mobbing und Angst"

Vor 6. Tarifrunde: Post-Chef attackiert Verdi

+
Mitarbeiter der Deutschen Post bei einer Streikversammlung in Berlin.

Berlin/Bonn - Vor dem Start der 6. Gesprächsrunde im Tarifstreit bei der Post am Montag in Berlin hat Konzernchef Frank Appel die Gewerkschaft Verdi scharf attackiert.

Diese setze die Mitarbeiter unter Druck, damit sie sich weiter an den laufenden Warnstreiks beteiligen. "Die Beschäftigten werden gemobbt, es wird Angst geschürt, damit sie sich hinter der Gewerkschaft versammeln", sagte der Post-Vorstandschef der "Welt am Sonntag".

Hintergrund des Tarifkonflikts ist neben dem Streit um Arbeitszeiten und Gehälter für die etwa 140 000 Post-Angestellten vor allem der Aufbau von 49 regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung. Dort arbeiten nach Angaben der Post schon mehr als 6000 Menschen. Bezahlt werden sie nicht nach dem Haustarif des Konzerns, sondern nach dem in der Regel niedrigeren Tarif des Speditions- und Logistikgewerbes.

Die Stimmung wird dabei immer gereizter. Anfang Mai hatte Verdi der Post vorgeworfen, Vorgesetzte würden Streikteilnehmer einschüchtern. Appel entgegnete nun umgekehrt mit Blick auf die Gewerkschaft: "Es wird mit Rufschädigung und Diffamierung gearbeitet." Der Post-Chef verteidigte die Ausgliederung: Wettbewerber des Bonner Unternehmens zahlten viel geringere Stundenlöhne. "Wir können die Einkommen der Vergangenheit nicht länger für die Zukunft versprechen", sagte Appel.

Derweil gingen die Warnstreiks vor der Fortsetzung der Tarifgespräche weiter. Nachdem am Freitag bundesweit mehrere tausend Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt hatten und laut Post Hunderttausende Pakete sowie Millionen Briefe ihre Empfänger erst später erreichen sollten, traten Verdi zufolge am Samstag rund 5000 Kollegen in den Ausstand.

Nur in Berlin, Brandenburg und Bayern habe es eine Pause gegeben. Die Gewerkschaft verlangt 5,5 Prozent mehr Geld und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um 2,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich.

dpa

Kommentare

Meistgelesen

Air Berlin ist insolvent - Das passiert mit gültigen Flugtickets
Air Berlin ist insolvent - Das passiert mit gültigen Flugtickets
Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen
Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen
Nach Pleite: Air Berlin verrammscht Inventar bei Ebay 
Nach Pleite: Air Berlin verrammscht Inventar bei Ebay 
Eier-Skandal: Weiterer Giftstoff entdeckt
Eier-Skandal: Weiterer Giftstoff entdeckt
Gaspreise sinken auf tiefsten Stand seit zwölf Jahren
Gaspreise sinken auf tiefsten Stand seit zwölf Jahren