Was ist zu tun, damit Milch nicht billiger wird?

Bauern wollen Molkereien und Handel in die Pflicht nehmen

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Milchkühe auf einer Weide. Ein "Milchgipfel" bei Bundesagrarminister Christian Schmidt soll bei der Stabilisierung der Preise helfen.

Berlin - Was ist zu tun, damit Milch nicht immer billiger wird und Landwirte in den Ruin treibt? Bei einem "Gipfel" in Berlin will der Minister mit Marktbeteiligten beraten - nicht nur über akute Krisen-Linderung.

Für eine Stabilisierung der drastisch gesunkenen Milchpreise sieht der Bauernverband Molkereien und Handel stärker in der Pflicht.

"Wir müssen mit beiden Partnern zu neuen Formen der Zusammenarbeit kommen", sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken der Deutschen Presse-Agentur vor dem "Milchgipfel" im Bundesagrarministerium in Berlin. "Wir brauchen bei den Molkereien mehr Verantwortung für Mengensteuerung."

Sie müssten den Erzeugern bessere Rückmeldungen geben, welche Mengen zu welchen Preisen zu vermarkten seien. Vom Lebensmittelhandel erwarte der Bauernverband das klare Signal: "Das Verramschen von Milch muss aufhören."

Bei dem Krisentreffen will Minister Christian Schmidt (CSU) mit Vertretern von Bauern, Molkereien und Handel beraten. In Aussicht gestellt hat er schon Millionenhilfe, mit der Betriebe finanzielle Engpässe überbrücken können. "Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die deutschen Bauern zu retten", bekräftigte Schmidt in der "Passauer Neuen Presse" (Montag). Vom Handel gebe es positive Signale, die nun in konkrete Zusagen umgemünzt werden müssten. Grundsätzlich gelte: "Wir brauchen weniger Milch für bessere Preise." Dies sei Aufgabe der Marktbeteiligten, der Staat unterstütze dies aber mit Rahmenbedingungen, die etwa Absprachen zur Produktionsmenge zulassen.

Die Milchpreise für die Bauern sind zuletzt teils unter 20 Cent je Liter gefallen. Zum Decken der Kosten gelten mindestens 35 Cent als nötig. Ursache des schon seit Monaten andauernden Preisverfalls sind große Milchmengen auf den Märkten.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer kritisierte, die vorgesehenen Subventionen verlängerten die Krise nur. "Unsere Milchbauern brauchen keine Almosen oder Liquiditätshilfen in der geplanten Form - schon gar nicht nach dem Gießkannenprinzip", sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. "Viel sinnvoller sind wirksame Marktmechanismen mithilfe einer flexiblen Mengensteuerung." Es sei unverständlich, dass die Agrarminister der Länder nicht zum Gipfel eingeladen worden seien.

Der Bundesverband der Milchviehhalter warf der Bundesregierung zu spätes Handeln vor und plant am Montag (10.00) eine Protestaktion am Brandenburger Tor. Notwendig seien Möglichkeiten, die Milchmenge eigenverantwortlich zu senken. Dies sollte mit staatlichen Bonuszahlungen unterstützt werden.

Teilnehmer des "Milchgipfels" sind laut Regierungskreisen neben dem Bauernverband der Raiffeisenverband, der Milchindustrie-Verband, die größte deutsche Molkerei "Deutsches Milchkontor", der Handelsverband Deutschland, der Bundesverband des Lebensmitteleinzelhandels, die Landwirtschaftliche Rentenbank und der Verband der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft.

dpa

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