Wirtschaft

Krise beeinflusst die Zahlungsmoral bislang nicht

Andreas Koch ist Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Crefo Factoring Rhein-Wupper GmbH, die ihren Sitz in Solingen hat. Foto: Christian Beier
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Andreas Koch ist Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Crefo Factoring Rhein-Wupper GmbH, die ihren Sitz in Solingen hat.

Crefo Factoring Rhein-Wupper GmbH legt Untersuchung vor.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben bislang keinen Einfluss auf die Zahlungsmoral der Unternehmen der Region. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Crefo Factoring Rhein-Wupper GmbH. Das Unternehmen der Creditreform-Gruppe hat im Gebiet der drei Großstädte Remscheid, Solingen und Leverkusen Betriebe gefragt, wie es um das Zahlungsverhalten ihrer Kunden bestellt ist. Das Ergebnis: Die überwiegende Mehrheit zeigt sich zufrieden.

„Die Beteiligung hat unter der Krise gelitten“, schränkt Kurt Ludwigs etwas ein. Er ist einer der Ersteller der Analyse. Demnach haben 140 Unternehmen an der Untersuchung teilgenommen – in normalen Jahren liegt die Zahl etwa doppelt so hoch. „Es machen vor allem die mit, denen es einigermaßen gut geht. Wer von der Krise stark betroffen ist, hat im Moment anderes zu tun“, erklärt Ludwigs. Dies dürfe man bei der Interpretation der Ergebnisse nicht außer Acht lassen.

Zahlungsmoral: 97,8 Prozent der befragten Betriebe in der Region bewerten die Zahlungsmoral ihrer Kunden als befriedigend oder besser. 17,8 Prozent vergaben ein „sehr gut“. Eine „ausreichende“ Zahlungsmoral bescheinigten nur 2,2 Prozent ihren Kunden – schlechtere Ergebnisse gab es nicht. Der Durchschnitt liegt in Schulnoten bei 2,2. „Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr unverändert“, erklärt Andreas Koch, Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Crefo Factoring Rhein-Wupper GmbH. Besonders glücklich zeigten sich die Bauunternehmer (Durchschnittsnote 2,0), verhältnismäßig unzufrieden sind die Händler (2,6).

Zahlungsziele: 81,4 Prozent der befragten Mittelständler können ihre Rechnungen innerhalb von 30 Tagen als bezahlt abhaken. Im deutschlandweiten Vergleich liegt der Prozentsatz bei 94,4. Während im Bundesschnitt nur 3,9 Prozent der Betriebe bis zu 60 Tage auf den Zahlungseingang warten müssen, sind es in der Region 9,3. Bei genauso vielen sind es sogar mehr als zwei Monate. Wie kommen die Unterschiede zustande? „Bei der Bewertung dieser Zahlen ist sicherlich der spezifische Branchenmix der Region zu berücksichtigen, bei dem die exportorientierte, metallverarbeitende Industrie eine wichtige Rolle spielt“, wagen die Ersteller der Analyse einen Erklärungsversuch für die Diskrepanzen.

Mehr als die Hälfte der lokalen Mittelständler arbeitet mit öffentlichen Auftraggebern zusammen. Deren Zahlungsweise hat sich im Vergleich zum Vorjahr etwas verschlechtert. „Vermutlich gibt es dort in der Corona-Pandemie andere Herausforderungen. Länger als zwei Monate muss jedoch niemand auf Geld warten“, betont Kurt Ludwigs.

Forderungsausfälle: Keine besonders große Rolle spielten Forderungsverluste bei den bergischen Unternehmen im vergangenen Jahr. 75,6 Prozent der Betriebe mussten Ausfälle in Höhe von bis zu 0,1 Prozent des Umsatzes verkraften, beim Rest lag der Verlust höchstens bei einem Prozent. Lediglich jeder zehnte Mittelständler erklärte, im laufenden Jahr Nachteile wegen Kundeninsolvenzen gehabt zu haben. Andreas Koch befürchtet, dass dieser Wert als Folge der Corona-Pandemie steigen könnte: „Wir erwarten mehr Insolvenzen.“

Finanzierung: Fast die Hälfte der Firmen arbeitet laut der Untersuchung von Crefo Factoring lediglich mit einer Hausbank zusammen. Dies wird Koch zufolge dann ein Problem, wenn die Kreditaufnahme Schwierigkeiten bereitet. Dies sei momentan bei den meisten Unternehmen jedoch nicht der Fall: Lediglich für 9,7 Prozent der Befragten sei es momentan „eher schwierig“, einen Kredit bei der Hausbank zu erhalten.

Eigenkapitalquote: Der bergische Mittelstand zeichnete sich bereits in den vergangenen Jahren durch eine vergleichsweise hohe Eigenkapitalquote aus. Daran hat sich in den vergangenen Monaten nichts geändert. „Die Schere geht allerdings weiter auseinander“, sagt Andreas Koch. Bedeutet: Der Anteil der Unternehmen mit einer Eigenkapitalausstattung von mehr als 30 Prozent steigt von 45,6 auf 56,1 Prozent. Bei 29,3 Prozent liegt der Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme bei unter zehn Prozent (2020: 22,8).

Untersuchung

Die Crefo Factoring Rhein-Wupper GmbH ist für Solingen, Remscheid, Leverkusen, Burscheid, Haan, Hückeswagen, Langenfeld, Leichlingen, Monheim, Radevormwald und Wermelskirchen zuständig. 140 Unternehmen mit 10 bis 500 Mitarbeitern aus der Region wurden für die aktuelle Untersuchung befragt.

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