Zahlen des Statistischen Bundesamts

Drastischer Preissprung in vielen Bereichen: Inflation in Deutschland so hoch wie seit 30 Jahren nicht

Laut dem Statistischen Bundesamt befindet sich die Inflationsrate in Deutschland auf dem höchsten Stand seit fast 30 Jahren. Verantwortlich ist ein bestimmter Effekt, so das Amt.

Berlin - Schlechte Nachrichten für deutsche Verbraucher: Die Inflationsrate ist im Juli auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren gesprungen. Die Verbraucherpreise lagen um 3,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag anhand einer vorläufigen Berechnung mitteilte. Das Leben in Deutschland verteuerte sich somit kräftig - und die Teuerung dürfte in den nächsten Monaten weiter anziehen.

Verantwortlich für den hohen Anstieg im Juli ist laut Bundesamt insbesondere ein Basiseffekt, der auf die coronabedingte* Senkung der Mehrwertsteuersätze im Juli 2020 zurückzuführen ist. Seit Januar 2021 befinden sich die Mehrwertsteuersätze für fast alle Waren und Dienstleistungen wieder auf dem vorherigen Niveau.

Inflation steigt drastisch: Preissprünge in vielen Bereichen

Die genaue Höhe des Basiseffekts sei aber nur schwer zu benennen, da gleichzeitig auch andere Preiseffekte wirkten, wie zum Beispiel die CO2-Bepreisung und übliche Marktentwicklungen, erläuterten die Statistiker. Bei der Senkung der Mehrwertsteuersätze im Juli 2020 hatte der rein rechnerische Effekt bei minus 1,6 Prozentpunkten gelegen. Energie verteuerte sich im Juli im Jahresvergleich um 11,6 Prozent. Nahrungsmittel wurden laut Statistik um 4,3 Prozent teuer. Der Preis für Dienstleistungen, darunter die Wohnungsmiete, erhöhte sich um 1,3 Prozent.

Die Preise seien in den Bereichen deutlich gestiegen, die besonders stark von den Öffnungen profitieren, erläuterte die Chefvolkswirtin der staatlichen Förderbank KfW, Fritzi Köhler-Geib. Hinzu komme, dass die Erzeugerpreise im Juni so stark stiegen wie zuletzt während der zweiten Ölkrise 1982. Das mache sich "auf kurz oder lang im Portemonnaie der Verbraucher bemerkbar".

Inflation in Deutschland bei 3,8 Prozent: Hohe Preise der wirtschaftlichen Erholung geschuldet

Köhler-Geib betonte, die höheren Erzeugerpreise seien vor allem gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen im Zuge der wirtschaftlichen Erholung geschuldet. Zusätzlich wirke ab diesem Monat der Sondereffekt der Rückkehr zu den ursprünglichen Mehrwertsteuersätzen, erklärte auch sie. "Bis Jahresende dürfte dieser Effekt der Haupttreiber der Inflationsentwicklung sein." Bereits ab 2022 dürfte die Inflation ihren Worten zufolge aber wieder etwas unter dem von der Europäischen Zentralbank angestrebten Inflationsziel von 2,0 Prozent liegen.

Der Leiter des Forschungsbereichs Öffentliche Finanzwirtschaft am Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Friedrich Heinemann, dagegen warnte vor dem "stärksten Inflationsschub seit drei Jahrzehnten" in den kommenden Monaten. "Auch wenn etliche dieser Effekte nur vorübergehender Natur sind, darf man die Folgen und Risiken des starken Inflationsanstiegs nicht verharmlosen." In den kommenden Monaten halten Ökonomen Inflationsraten von an die fünf Prozent in Deutschland für möglich. (AFP/dpa/fmü) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa/dpa-tmn

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