Wissenslücken

Lernverluste wegen Corona: ifo Institut warnt vor langfristigen Folgen

Leere Klassenzimmer: Wegen der Corona-Pandemie und der Schulschließungen müssen Kinder und Jugendliche jetzt via Bildschirm unterrichtet werden. Die Folgen sind fatal.
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Leere Klassenzimmer: Wegen der Corona-Pandemie und der Schulschließungen müssen Kinder und Jugendliche jetzt via Bildschirm unterrichtet werden. Die Folgen sind dramatisch.

Wegen Corona und der Schul-Schließungen werden die Wissenslücken vieler Schüler immer größer. Das ifo Institut fordert eine Kraftanstrengung, um verpassten Stoff wieder aufzuholen.

  • Die Corona*-Pandemie stellt Lehrer, Eltern und Schüler vor ungeahnte Herausforderungen.
  • Laut Ergebnissen des Münchner ifo Instituts hat sich die Lernzeit vieler Schüler während des Homeschooling mehr als halbiert.
  • Um die Lernverluste zu verringern, bedürfe es einer großen Kraftanstrengung, fordert ifo-Bildungsökonom Prof. Ludger Wößmann.
  • Neben Zusatzangeboten wie Förderunterricht müsse man auch über andere, weitreichende Maßnahmen nachdenken.

München – Das Münchner ifo Institut hat angesichts der Corona-Pandemie umfassende Anstrengungen zur Verringerung der aufgelaufenen Lernlücken gefordert. „Wir brauchen zusätzliche Fördermaßnahmen, in denen fehlender Lernstoff nachgeholt wird – gerade für die Kinder und Jugendlichen mit großen Lern- und Leistungsrückständen“, sagte der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, Professor Ludger Wößmann, gegenüber Merkur.de*. Gefragt seien kreative Lösungen, „vom klassischen Förderunterricht am Nachmittag über Zusatzangebote wie Nachhilfeunterricht, studentische Mentoren oder Ferienprogramme“.

Um die Lernverluste so gut wie möglich auszugleichen, könne man zudem „darüber nachdenken, die längeren Ferien etwas zu verkürzen“, erklärte Wößmann. Auch die vorübergehende Wiedereinführung des Samstagsunterrichts sei „bedenkenswert“, sagte der Bildungsökonom.

ifo Institut meldet in der Corona-Krise einen drastischen Rückgang der Lernzeit

Laut einer Umfrage des ifo Instituts unter Eltern vom vergangenen Juni habe sich die Lernzeit der Kinder wegen der Corona-Pandemie auf 3,6 Stunden täglich nahezu halbiert. Bei leistungsschwächeren Kindern sei die tägliche Lernzeit noch deutlich stärker gesunken. Statt sich um die Schule zu kümmern, hätten viele Kinder während der Homeschooling-Zeit lieber mit dem Computer gespielt oder TV geschaut. D

Der fehlende Lernstoff habe langfristig weitreichende Folgen, warnte Wößmann. Im Schnitt bedeute der Verlust von einem Drittel des Schuljahres ein um drei Prozent geringeres Lebenseinkommen. Hinzu kämen die gesamtwirtschaftlichen Folgen. Laut früheren Berechnungen des ifo summierten sich die Wachstumsverluste im Falle des Unterrichtsausfalls von einem Drittel des Schuljahres bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,5 Billionen Euro. Zudem befürchten Experten weitreichende psychische Folgen in der Entwicklung der Kinder.

Prof. Ludger Wößmann: Der Leiter des Münchner ifo Zentrums für Bildungsökonomik fordert eine vereinte Kraftanstrengung, damit die Schüler den verpassten Lernstoff wieder aufholen können.

Wößmann warnte eindringlich davor, die bundesweiten Vera-Lernstandserhebungen in den 3. und 8. Klassen erneut zu streichen. Zur Bekämpfung der aufgelaufenen Lernrückstände und zur punktgenauen Förderung der Schüler sei es „extrem wichtig, dass die Lernstandserhebungen stattfinden“. Wegen der Corona-Pandemie hatten die Bundesländer die üblichen Vera-Tests im vergangenen Jahr gestrichen. Laut Handelsblatt erwägen einige Bundesländer inzwischen, Vera erneut zu streichen, andere wollten den Schulen eine Teilnahme freistellen.

ifo Institut: „Anreizeffekte“ - Keine Versetzungsgarantie in die nächste Jahrgangsstufe

Auch von einer möglichen Versetzungsgarantie riet Wößmann ab. Für die Motivation der Kinder und Jugendlichen sei es wichtig, dass die üblichen Test- und Prüfungsverfahren auch im Distanzunterricht weitergeführt würden. Es habe „große Anreizeffekte“, ob der Unterrichtsstoff prüfungsrelevant sei oder nicht. Wenn der Stoff im Rahmen von Klassenarbeiten oder mündlichen Prüfungen abgefragt werde, lohne es sich für die Schüler zu lernen.

Im vergangenen Schuljahr hatten nahezu alle Bundesländer ihren Schülern eine Art Persilschein zur Versetzung in die nächste Jahrgangsstufe ausgestellt. Angesichts der jüngsten Schulschließungen hat die Diskussion um eine automatische Versetzung in die nächste Klasse bundesweit zuletzt erneut Fahrt aufgenommen. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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