Neues Projekt Artemis

Audi nimmt sich NASA zum Vorbild - Chef lässt kein gutes Haar an Ex-VW-Konzernchef

Audi treibt den Umbruch in der Automobilbranche voran - und ruft das Projekt Artemis ins Leben (Symbolbild)
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Audi treibt den Umbruch in der Automobilbranche voran - und ruft das Projekt Artemis ins Leben (Symbolbild).

Revolutioniert Audi mit einer „Rakete“ die Autoindustrie? In einem Interview verrät Markus Duesmann, was dahintersteckt. Außerdem spricht er über den Führungsstil von Martin Winterkorn.

Ingolstadt/München - Bei Audi weht ein frischer Wind: Im Frühjahr 2020 übernahm Markus Duesmann die Leitung der Premiummarke und steuert den Autohersteller aus Ingolstadt mit den Vorstandskollegen durch die stürmische Corona-Krise. Wie bei anderen großen Arbeitgebern nimmt das Instrument Kurzarbeit* hierbei eine bedeutsame Rolle ein.

Während Audi einerseits mit den Auswirkungen der Pandemie kämpft, spielt währenddessen auch die Planung der künftigen Ausrichtung eine große Rolle: Im Mittelpunkt steht der Automarkt der Zukunft und der nötige technologische Wandel. Schließlich geht es darum, im Hinblick auf Antriebstechnik und digitales Innenleben von Mitstreitern wie Tesla nicht abgehängt* zu werden.

Audi-Chef Duesmann verrät Details zu „Rakete“ Artemis

Bei der Elektromobilität steht die Marke mit den vier Ringen jedoch gut da, lässt Duesmann in einem Interview durchblicken. Das rührt nicht von ungefähr: Audi profitiert auch von der Neuausrichtung der Konzernmutter VW, die Ende des vergangenen Jahres bereits mehr Elektroautos verkaufen konnte, als der vermeintliche Primus, der bald auch von Deutschland aus* produziert.

Im Gespräch mit dem Businessinsider spricht der 51-Jährige über ein ambitioniertes Projekt, mit dem Audi in den nächsten Jahren offenbar die Autoindustrie neu erfinden möchte. Mit dem „Tempo einer Rakete“ soll die neu gegründete GmbH Artemis Fahrzeuge entwickeln. Der Name geht auf die NASA zurück: „Es gibt ein Projekt der NASA, die wollen 2024 auf dem Mond landen. Das heißt auch ‚Artemis‘. Weil die Timeline im Prinzip die gleiche ist und weil wir diese Mission damals im Workshop als Rakete dargestellt haben. Und Rakete, NASA, 2024, Moonshot passt alles sehr gut zusammen“, schwärmt Duesmann, der im Sommer 2021 jedoch mit schweren Folgen einer Covid-19-Erkrankung zu kämpfen hat.

Audi: Auto der Zukunft - „Leuchtturmprojekt“ und „Lebensraum“

Auch wenn es um die konkrete Umsetzung geht, spart Audis Verantwortlicher nicht mit Superlativen: „Worum es bei Artemis geht, ist, diese Entwicklungsmaschine zu perfektionieren. Das erste Modell, dessen Namen wir noch nicht nennen, ist so schon entstanden.“ Es gehe bei dem „Leuchtturmprojekt“ nicht nur darum, „ein Produkt zu machen, sondern das ganze Auto neu zu denken zu entwickeln.“

Im Bereich der Digitalisierung spielt beim Audi der Zukunft auch das autonome Fahren eine prägende Rolle. Dazu führt der Audi-Chef aus: „Wir haben das Konzept so abgeändert, dass wir beim hochautomatisierten Fahren weit springen werden. Man wird eines Tages auf der Autobahn Level 4 autonom fahren können. Das heißt, auf der Autobahn muss der Fahrer nicht mehr das Fahrzeug überwachen, sondern das hochautomatisierte System ist aufgrund redundanter Auslegung selbst für sich verantwortlich.“ Das Auto der Zukunft - so die Vorstellung bei Audi - wird „mehr ein Lebensraum und nicht mehr in erster Linie ein Fortbewegungsmittel.“ 

Erst im Februar präsentierte Audi* mit der futuristischen Elektro-Sportlimousine e-Tron GT einen Vorboten. Laut Duesmann war das Fahrzeug vor dessen Amtsübernahme „auf Eis gelegt“, wurde dann jedoch innerhalb des letzten Jahres nochmal verbessert. Die Audi-Neuheit soll noch im Sommer 2021 auf den Markt kommen und besitzt Technologie des Konzernbruders Porsche Taycan:

Audi: Duesmann über Ex-VW-Chef Winterkorn - „Wie im vorigen Jahrhundert“

Darüber hinaus äußerte sich Audi-Chef Duesmann auch zu einer neuen Konzernstruktur bei Volkswagen: Die habe sich seit dem Ausscheiden von Martin Winterkorn (Ende 2015) zum Positiven verändert. Der wegen des Abgasskandals angeklagte Ex-Vorstandsboss von VW* war für seinen autoritären Führungsstil gefürchtet. Mittlerweile leitet Herbert Diess* Europas größten Autobauer und treibt konzernweit den technologischen Wandel voran.

Duesmann selbst legt Wert auf eine konstruktive Führungskultur mit der Erlaubnis, Fehler zu machen und daraus zu lernen: „Ich hätte mir ein Arbeiten in der früheren Kultur nicht vorstellen können. Das hört sich für mich an wie im vorigen Jahrhundert oder noch früher. Ich glaube, die Zeit von stark hierarchischen Strukturen ist einfach vorbei. Junge Leute wollen das nicht mehr.“

Gegen seinen direkten Vorgänger bei Audi, Rupert Stadler, richtet Markus Duesmann keine kritischen Worte: „Ich kenne ihn nur aus der Ferne, habe ihn nie gesprochen. Ich beneide ihn nicht um das, was er erlebt, das ist sicher sehr bitter.“  Der Ex-Audi-Chef steht derzeit wie Winterkorn wegen der Abgasaffäre vor Gericht. (PF) *Merkur.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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