Sorgen über US-Konjunktur stürzen Dax tief ins Minus

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Ein Börsenhändler spiegelt sich im Logo des Deutschen Aktienindexes (DAX). Foto: Fredrik von Erichsen

Die Erleichterung am deutschen Aktienmarkt war von kurzer Dauer: Nach dem starken Wochenauftakt legte der Dax auch am Dienstag zunächst zu. Doch dann stürzten ihn Sorgen über die US-Konjunktur und die Index-Schwergewichte BASF und Allianz tief in die Verlustzone.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Dax-Erholung hat sich am Dienstag als Strohfeuer erwiesen. Der deutsche Leitindex knüpfte zunächst an seine deutlichen Gewinne vom Montag an, nachdem er in der feiertagsbedingt verkürzten Vorwoche rund 3 Prozent eingebüßt hatte.

Doch dann zogen ihn die Kursverluste der Schwergewichte BASF und Allianz mit nach unten. Am Nachmittag stürzten ihn Sorgen über die US-Konjunktur nach schwachen Handelsbilanzdaten endgültig tief ins Minus.

Zum Börsenschluss notierte der Dax saftige 2,51 Prozent im Minus bei 11 327,68 Punkten. Überzeugende Geschäftszahlen von Infineon und Adidas halfen dem Börsenbarometer ebenso wenig wie eine überraschend aufgehellte Stimmung im US-Dienstleistungssektor. Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es um 2,00 Prozent nach unten auf 20 129,40 Punkte, während der Technologiewerte-Index TecDax 2,50 Prozent auf 1596,17 Punkte einbüßte.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging mit Verlusten von 2,38 Prozent bei 3546,56 Punkten aus dem Handel. Auch die nationalen Indizes in Paris und London gaben nach. In New York stand der US-Leitindex Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss gut ein halbes Prozent in der Verlustzone.

Das Defizit in der US-Handelsbilanz hat sich im März stark ausgeweitet: Der Fehlbetrag erhöhte sich um 15,5 Milliarden US-Dollar auf 51,4 Milliarden Dollar, wie das Handelsministerium mitteilte. Das ist der höchste Stand seit Oktober 2008 - Bankvolkswirte hatten ein viel geringeres Defizit von 41,7 Milliarden Dollar erwartet.

Diese Entwicklung lasse vermuten, "dass eine rasche US-Zinsanhebung durch die (Notenbank) Federal Reserve alles andere als eine ausgemachte Sache ist", schrieb Marktanalyst Andreas Paciorek vom Wertpapierhändler CMC Markets. "Da kann auch der etwas besser als erwartet ausgefallene Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungsgewerbes nicht viel entgegensetzen."

Im Fokus der Anleger standen ansonsten die Bilanzen der Konzerne. Noch am besten hielten sich unter den Dax-Berichtsunternehmen die Aktien der Lufthansa mit minus 2,21 Prozent. Zwar überstand die Fluggesellschaft ihr Schreckensquartal zum Jahresstart, das ganz im Schatten des Flugzeugabsturzes bei der Tochter Germanwings stand, mit deutlich verbesserten Geschäftsergebnissen. Analysten waren davon aber kaum angetan. Stattdessen monierten sie die erheblich gestiegenen Pensionsverpflichtungen.

Für die Infineon-Titel ging es trotz positiv aufgenommener Zahlen um 2,40 Prozent bergab. Der Halbleiterhersteller war im zweiten Geschäftsquartal dank einer Übernahme, eines starken Geschäfts mit Sicherheitschips und des schwachen Euro stark gewachsen. Sowohl beim Umsatz als auch beim operativem Ergebnis schnitten die Münchner besser ab als erwartet. Auch der Ausblick kam bei Analysten gut an.

Bei Adidas kurbelten Zuwächse bei der Stammmarke und der US-Tochter Reebok das Geschäft an. Dennoch büßten die Titel des Sportartikelherstellers nach einem zwischenzeitlichen Hoch im sehr schwachen Markt 2,25 Prozent ein. Im MDax und TecDax gehörten der Aromenhersteller Symrise und der Pumpenhersteller Pfeiffer Vacuum nach Zahlen zu den Favoriten der Anleger: Sie verteuerten sich um 1,18 beziehungsweise 3,58 Prozent.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,33 auf 0,34 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,15 Prozent auf 139,45 Punkte. Für den Bund-Future ging es um 0,41 Prozent nach unten auf 154,89 Punkte. Der Euro berappelte sich nach den US-Handelsdaten und kostete zuletzt 1,1174 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,1117 (Montag: 1,1152) Dollar festgesetzt, der Dollar kostete damit 0,8995 (0,8967) Euro.

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