Fachkräfte auf der Flucht

Exodus im Kreml-Reich: Experte warnt vor „schrecklichstem Schlag für russische Wirtschaft“

Russlands Teilmobilmachung hat zu einer Flucht an Fachkräften geführt. Das könnte in Zukunft schwere Folgen für die Wirtschaft haben, warnen Experten.

Moskau – Wladimir Putins Teilmobilmachung hat eine regelrechte Massenflucht in Russland ausgelöst. Der Präsident möchte 300.000 Reservisten für den Ukraine-Krieg einberufen und kündigte an, alle „verfügbaren Mittel“ einzusetzen, um sein Territorium zu schützen. Doch ebendiese „Mittel“ ergreifen nun die Flucht – und damit auch eine große Menge an wichtigen Arbeitskräften und schlauen Leuten.

Russlands Teilmobilmachung zieht Fachkräfte-Flucht nach sich

„In den sieben Tagen, seit Präsident Putin die Teilmobilmachung angekündigt hat, hat ein beträchtlicher Exodus von Russen begonnen, die der Einberufung entgehen wollen“, erklärte das britische Verteidigungsministerium unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse. Zwar seien genaue Zahlen unklar. Aber vermutlich übertreffe die Zahl der Ausgereisten die Stärke der Invasionsarmee, mit der Russland im Februar die Ukraine angegriffen hatte. Schätzungen zufolge hatte Moskau etwa 150.000 Soldaten an der Grenze zum Nachbarland aufmarschieren lassen.

Das habe für das Land einen „Brain-Drain“, also einen Verlust von Fachkräften, zur Folge, erklärte das Ministerium. „Unter denjenigen, die versuchen, Russland zu verlassen, sind die Bessergestellten und gut Ausgebildeten überrepräsentiert“, hieß es, darunter viele IT-Experten. Gerhard Mangott, Osteuropa-Experte und Professor für internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck äußerte sich ähnlich. Bei den Fliehenden würde es sich besonders um Leute handeln, „die dem Regime eher kritisch gegenüberstehen“, sagte er Focus.de.

Ukraine-Krieg: Russland zieht Wehrpflichtige direkt an der Grenze ein

Russland hat mittlerweile begonnen, gegen die Flucht vorzugehen. An einem Grenzübergang nach Kasachstan sollte demnach ein sogenanntes Mobilisierungszentrum eingerichtet werden. Dort sollten dann die Pässe der Ausreisenden mit der Einberufungsliste abgeglichen werden. Wer dann unter die Mobilmachungskriterien falle und keinen offiziellen Aufschub oder eine Ausreisegenehmigung habe, dürfe laut Angaben der Gebietsverwaltung nicht ausreisen.

Auch an der Grenze zu Georgien wird nun härter vorgegangen. Russischen Angaben zufolge seien bereits mehr als 180 wehrpflichtige Männer bei der versuchten Flucht vor der Einberufung zum Militär gestoppt worden. Ihnen sei direkt am Grenzübergang Werchni Lars ein Einberufungsbescheid übergeben worden, meldete die Agentur Interfax

Bilder der Flucht: Luftaufnahme eines Staus an der russisch-georgischen Grenze. Viele Reservisten verlassen Russland, um nicht in den Ukraine-Krieg ziehen zu müssen.

Experte: Russlands Wirtschaft droht „schrecklichster Schlag“

Doch die 180 gestoppten Männer dürften nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Der große Fachkräfte-Exodus könnte für die russische Wirtschaft schwere Folgen haben. Denn die Arbeitskräfte, die nicht die Flucht ergreifen, werden teils in den Krieg geschickt. Ein direkter Zusammenbruch der russischen Wirtschaft droht deshalb nicht. Schließlich sind die Rohstoffverkäufe immer noch ein stabiler Pfeiler.

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Aber die Abwanderung so vieler Fachkräfte dürfte langfristige Folgen haben. Der russische Wirtschaftsexperte Oleg Buklemischew von der staatlichen Universität Moskau warnt vor dem „schrecklichsten Schlag für die russische Wirtschaft.“ Denn das Experten-Wissen, das mit den Menschen über die Grenze wandert, fehlt damit im Land. (ph/dpa)

Rubriklistenbild: © Valery Sharifulin/Imago

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