Filmtrailer und Kinokritik

„Unser letzter Sommer“: Wenn jede Hoffnung stirbt

In „Unser letzter Sommer“ erzählt Michal Rogalski unvergleichlich über das Erwachsenwerden in Zeiten des Krieges

Jeder weiß, warum ständig Güterzüge vorbeifahren. Mal vollgepfercht mit Menschen, dann wieder leer, mit geöffneten Türen. Da mag sich das Korn noch so malerisch golden im Wind wiegen, da mögen die Wiesen noch so saftig grün leuchten. Der Tod lauert überall, im Sommer 1943 in Ostpolen, irgendwo zwischen Warschau und Treblinka.

Hier kreuzen sich die Lebenswege des jungen deutschen Soldaten Guido (Jonas Nay) und des polnischen Eisenbahnheizers Romek (Filip Piotrowicz). Beide haben sich in ihrem Leben anderes erträumt. Beide werden in diesem im selben Kaff verbrachten Sommer ihre Unschuld verlieren, im doppelten Sinne. Denn beide werden jemanden verraten, um selbst weiterzuleben. Und keiner wird diese Schuld jemals wieder abstreifen können.

Der polnische Regisseur Michal Rogalski erzählt intensiv und doch zurückhaltend, ohne lange Dialoge, mit kraftvollen Bildern. Die Figurenzeichnung ist angenehm differenziert, Bösewichte wie gute Menschen finden sich auf polnischer wie auf deutscher Seite. Die Charaktere sind stimmig, ihr Verhalten immer nachvollziehbar. Nay und Piotrowicz gelingt es hervorragend, den lebensgefährlichen Balanceakt der Männer zwischen Mut und Todesangst, Naivität und Grausamkeit fühlbar zu machen. Das Erwachsenwerden in Zeiten des Krieges hat man schon oft im Kino gesehen. Wie eng es mit dem Absterben jeder Hoffnung verbunden ist, das hat bisher kein anderer Filmemacher einfangen können.

„Unser letzter Sommer“

mit Jonas Nay, Gerdy Zint, Filip Piotrowicz

Regie: Michal Rogalski

Laufzeit: 100 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Zug des Lebens“ mochten.

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