„Die Sprache des Herzens“ erzählt eine wahre Geschichte

Wie ist es, in totaler Finsternis zu leben, blind und gehörlos geboren zu werden? Kein Augenlicht, kein Gehör. Absolute Stille. Der Film „Die Sprache des Herzens“ lässt es erahnen.

Wir sehen die menschenfreundliche Nonne Marguerite (Isabelle Carré), die sich Korken in die Ohren steckt, ein Tuch um ihre Augen legt, um zu wissen, wie es ist. Isabelle Carré ist die perfekte Besetzung für diese – obwohl sterbenskranke – lebensfrohe, gläubige Frau, die vor ihrem Tod noch einen göttlichen Auftrag erfüllen möchte: ein taubblindes Mädchen sprechen zu lehren.

Es ist eine unglaubliche Geschichte, doch sie ist wahr. Da ist eine 14-Jährige, taub und blind geboren, störrisch noch dazu; bei den Eltern wie ein wildes Tier aufgewachsen. Sie sind überfordert, möchten, dass das Mädchen Bildung erhält. Doch wie spricht man mit jemandem, der weder hört noch sieht? Man wählt die Sprache des Herzens.

Was folgt, ist ein von Regisseur Jean-Pierre Améris feinfühlig inszeniertes Annäherungsspiel der beiden Frauen. Amüsant, wenn die taubblinde Marie alle ihr frisch vorgestellten Menschen ohne Scheu beschnuppert und berührt, um sie kennenzulernen; nervenzerrend, wenn sich diese wilde Amazone mit Händen und Füßen gegen ein Bad, Kämmen oder frische Kleidung wehrt; unglaublich, wenn dieses Mädchen am Ende Gebärdensprache und Blindenschrift beherrscht.

Die im wirklichen Leben ebenfalls gehörlose Ariana Rivoire spielt Marie mit einer Intensität, dass es scheint, sie sei tatsächlich auch blind. Sie führt die Zuschauer in diesem reduzierten, bilderreichen Film in ihre eigene Welt, in der alles „Lebendige unter den Fingern bebt“. Das ist faszinierend und berührend schön.

Katja Kraft

Rubriklistenbild: © Concorde Filmverleih

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