Herrliche Knetfiguren-Abenteuer

An „Shaun das Schaf“ reicht keine Animation heran

„Shaun das Schaf“ ist der erste abendfüllende Spielfilm mit den wunderbaren Knetfiguren, an die keine Computeranimation heranreicht.

„Gut, wieder daheim zu sein“: Mit diesem Gefühl – dem Rückzug in die beschaulich-nostalgische Landidylle – endet manches Abenteuer aus den Aardman-Studios. Dass die große Bastion der Knetfiguren-Animation nun Shaun, das Schaf, zum Star ihres neuesten abendfüllenden Films macht, ist auch eine Heimkehr: Nachdem der Ausflug in ungewohnte Gewässer mit „Pirates!“ (zu Unrecht) ein kommerzieller Bauchplatscher war, setzt man aufs Bewährte – auf die derzeit größte Marke des Studios.

Doch so kalkuliert das sein mag: Ausschlaggebend fürs Resultat ist das Handwerk. Und das beherrscht Aardman einfach. Noch immer kann keine Computeranimation das wunderbar taktile Gefühl der Knet- und Wollpuppen, der unendlich liebevollen Miniatur-Sets ersetzen. Noch immer weiß man bei Aardman, wie man Gags aufbaut, beiläufig streut und paukenschlagartig platziert. Und wie man Slapstick, Nonsense, Film-Anspielungen gut verankert in stimmiger Charakter-Komik.

Wo der putzige Paarhufer in den kurzen Fernseh-Folgen nie ganz die Qualität der besten „Wallace & Gromit“-Filme erreicht hat, hat man hier nachgebessert an der emotionalen Tragfähigkeit, der Feinzeichnung der Figuren. Aber der Versuchung widerstanden, ihnen Sprechstimmen oder einen Erzähler zu verpassen: „Shaun“ stellt sich (selbst-)bewusst in die glorreiche Tradition der Stummfilmkomödien – spätestens, wenn in einer Restaurant-Slapsticknummer der Barpianist entsprechend zu begleiten beginnt.

Vielleicht steckt ja bei Aardman doch auch Persönliches in der Geschichte von den Schafen, die den Trott der täglichen Produktion satt haben. Die mal zumindest für einen Tag ausbrechen wollen. Mit ungeahnten Folgen: Plötzlich müssen sie ihren Bauern aus der Großstadt retten, wohin sie ihn ungewollt (mit Gedächtnisverlust) befördert haben. Schön, dass die Stadt dabei nicht naiv zum bösen Zerrbild wird: Dass sie ein lebendiger, durchaus liebenswerter Ort ist mit unaufgeregt heutiger Bevölkerung. Und letztlich geht’s auch um keine plumpe „Schuster bleib bei Deinem Leisten“-Moral: Sondern darum, die Liebe zum Gewohntgewordenen wiederzufinden. Den Grund, warum man es einst mit Leidenschaft gemacht hat.

von Thomas Willmann

„Shaun das Schaf“

Regie: Richard Starzak

und Mark Burton

Laufzeit: 85 Minuten

Rubriklistenbild: © StudioCanal/dpa

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