Maybritt Illner, ZDF

Iran-Talk bei Illner: Hardliner wollen vom Bild des Schurken nicht lassen

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Die Gäste bei Illner diskutierten diesmal über Iran und die Bombe.

Maybrit Illner ließ noch einmal über die aktuelle Krise diskutieren: „Iran und die Bombe – war Europa zu naiv?“

  • Illner-Talk über die Iran-Krise
  • Heiko Maas weicht Frage aus
  • Lamento über das schwache Europa

Auf der Bühne des großen Welttheaters ist die Rolle des Schurken gerade mal wieder gut besetzt. Nach dem Abgang solch profilierter Darsteller wie Milosevic, Saddam Hussein oder Gaddafi und dem in einer Schaffenspause befindlichen Kim Jong Un darf derzeit der Iran den Bösewicht geben. Er macht das aber nicht besonders geschickt, auch wenn sich die anderen Akteure alle Mühe geben, ihn zu unterstützen. Aber es braucht eben immer einen Bösewicht, um die Bedeutung der Guten hervorzuheben und das Publikum bei Laune zu halten. Aber dem Kritiker, ein ewig nörgelnder Beobachter, fällt doch auf, dass das Stück etwas eindimensional auf die Schurkenrolle hin inszeniert ist und die Guten so gut gar nicht sind – eher im Gegenteil.

Was hat Donald Trumps Politik der Härte gegen den Iran erreicht, fragte der Einspieler zu Beginn von Maybrit Illners Talkshow, und Arye Sharuz Shalicar, Politikwissenschaftler und Autor, stellte fest: gar nichts. Auch Constanze Stelzenmüller, Politikwissenschaftlerin an der Denkfabrik „Brookings“, fand, die Strategie des maximales Drucks, wie sie durch die „Ermordung“ (das Wort gebrauchte Illner) des Generals Soleimani zum Ausdruck kam, bringe eher die Gefahr mit sich, dass das Völkerrecht erodiere.

Maybrit Illner: Maas weicht Frage aus, ob Trump das Völkerrecht gebrochen habe

Illners Frage, ob Trump mit der Tat das Völkerrecht gebrochen habe, wich Außenminister Heiko Maas aus. Die Amerikaner müssten erst mal klären, ob die entsprechenden Voraussetzungen für die Tötung des Iraners – auch ein Iraker fiel der Drohnenbombe zum Opfer – gegeben waren, äußerte er so diplomatisch wie vorsichtig, fügte aber wenigstens hinzu, dass bislang Beweise dafür fehlten.

„Iran und die Bombe – war Europa zu naiv?“, lautete Illners Thema, und einig waren sich die Gäste darin, dass der Staat diese Waffe nicht bekommen dürfe. Andernfalls, so Maas, würde die Sicherheitslage im Nahen Osten „auf den Kopf gestellt“. Arye Sharuz Shalicar befürchtet für diesen Fall einen Rüstungswettlauf in der gesamten Region: „Man muss Gas geben und den Iran aufhalten.“

Maybrit Illner: Der Iran muss sich in die Völkerfamilie integrieren

Aber wie? Heiko Maas als amtierender Politiker agierte, wie es amtierende Politiker immer tun: Er verwies darauf, was man alles schon tue (am Anti-Atom-Abkommen festhalten), getan habe (einen Streitschlichtungsmechanismus in Kraft gesetzt) und tun wolle, vor allem: miteinander reden. „Maximaler Druck aus dem Westen bringt uns keinen Schritt weiter.“ Er sei nicht einverstanden mit der Rolle, die Iran in der Region spiele, und die Europäer seien nicht vertrauensselig, während Sharzad Osterer, in Teheran geborene und in Deutschland lebende Journalistin, die Auffassung vertrat, die Europäer seien naiv gewesen in ihrer Hoffnung auf Irans Präsidenten Rohani.

Aber eben um Vertrauen müsste es gehen, argumentierte Florence Gaub, Politikwissenschaftlerin und Militärsoziologin: dass die am Prozess Beteiligten einander vertrauten. Der „Deal“, ob alt oder neu, sei nicht so zentral, es müsse ein Kontext hergestellt werden. Es gehe nicht nur um „Bombe oder nicht Bombe“, sondern darum, dass sich der Iran in die Völkerfamilie integriere.

Maybrit Illner: Den „Störenfried Iran“ bändigen

Maybrit Illner, ZDF, von Donnerstag, 16. Januar, 22.15 Uhr. Im Netz: ZDF-Mediathek

Doch die Hardliner in der Runde, Osterer und Arye Sharuz Shalicar (persischer Herkunft, und früher Sprecher der israelischen Armee), wollten vom Bild des Schurken nicht lassen. Man müsse den „Störenfried Iran“ bändigen, so Shalicar (worauf Illner immerhin Saudi-Arabien erwähnte), und die Deutschen ertrügen doch auch sonst nicht, wenn „unschuldige Menschen“ getötet würden; von China, dem Jemen oder Syrien sagte er in diesem Zusammenhang nichts.

In die gleiche Kerbe hieb Sharzad Osterer. Man spreche über Völkerrecht, vergesse darüber aber die Menschenrechte. Das System sei nicht reformierbar; es gebe eine große, seit 40 Jahren aufgestaute Wut. Sie forderte gar den Minister auf, er solle doch von den Mullahs ein „öffentliches Referendum“ verlangen – ein Tiefpunkt der Debatte.

Florence Gaub hob das Niveau wieder an: Das Regime habe bei der Bevölkerung keinen Spielraum mehr; diese Position der Schwäche aber lasse sich von den Europäern gut nutzen bei den Verhandlungen.

Maybrit Illner: Die Mullahs sind in der Defensive

Auch Constanze Stelzenmüller sah die Mullahs in der Defensive, warnte aber vor ganz anderen Akteuren: Wenn die Amerikaner abzögen aus der Region, würde das Vakuum gefüllt: von Russland und China, die sich dann weitere Macht-Positionen sicherten. Und dann dürfte das Lamento über das schwache Europa seine schier endlose Fortsetzung finden.

Von Daland Segler

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