Wilder weiblicher Individualismus

"Lou Andreas-Salomé" - Ein Film über das Wunderwesen

Was sie sich herausnahm, traut sich nicht einmal heute eine: die junge Lou Andreas-Salomé (Katharina Lorenz).

München - Der ganze Film ist eine Hommage an die viel zu unbekannte Autorin Lou Andreas-Salomé. Zurecht schaltet die Regisseurin bei der Umsetzung einen Gang zurück und lässt die Geschichte wirken.

Manchmal muss es klassisch sein. Wenn eine Geschichte an sich schon vor Spannung und Schönheit strotzt, dürfen Medium und Gestalter ruhig einen Gang zurückschalten. Insofern hat Regisseurin Cordula Kablitz-Post alles richtig gemacht. Ihre Hommage an Lou Andreas-Salomé springt allenfalls zwischen den Zeiten. Ansonsten hat sie die Biografie dieser großartigen Frau so besonnen inszeniert wie ein alternder Regisseur seinen Lieblings-Shakespeare.

Das Leben der viel zu unbekannten Autorin und Psychoanalytikerin ist an sich einzigartig. Und das liegt nicht nur daran, dass sie mit Sigmund Freud (Harald Schrott) diskutierte, Friedrich Nietzsche (Alexander Scheer) in sie verschossen war und Rainer Maria Rilke (Julius Feldmeier) ihr Liebhaber wurde. Lou Andreas-Salomé war die seltene Vertreterin eines wilden weiblichen Individualismus. Was sie sich herausnahm, traute sich damals fast keine – und heute erst recht niemand. Insofern ist es nur stimmig, dass das Leben dieses Wunderwesens leider teilweise wie ein Märchen daherkommen muss.

Realfilm und Illustration verschmelzen immer mal wieder miteinander. Menschen bewegen sich durch starre Fotografien und Grafiken. Das sieht putzig aus und verleiht der Geschichte ein träumerisches Moment. Katharina Lorenz und Nicole Heesters teilen sich die Rolle der Protagonistin, verleihen dieser eine grundverschiedene, stets eindrucksvolle Würde. Mit viel Liebe und einem Augenzwinkern widmet sich die Regisseurin auch den Männern. Aus den Giganten werden Menschen. Das ist gut so. Ganz anders ist das bis heute bei Lou Andreas-Salomé: Sie muss in den Augen der Gesellschaft erst noch zur Gigantin werden. Verdient hätte sie das, für sich und für alle Frauen. katrin hildebrand

„Lou Andreas-Salomé“

mit Katharina Lorenz, Nicole Heesters

Regie: Cordula Kablitz-Post

Laufzeit: 113 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie sich für Frauen wie Fanny zu Reventlow interessieren.

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