Nach verpasster WBC-WM: Verbeulter Huck sucht seinen Weg

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Boxen: Marco Huck vs. Mairis Briedis.

Dortmund - Marco Huck hat durch die Niederlage im WM-Fight gegen Mairis Briedis nicht nur die Chance auf den WBC-Gürtel verpasst. Er muss sich nun auch ernsthafte Gedanken um seine Zukunft machen.

Marco Huck hatte die Frisur noch hastig zurechtgegelt, die böse Schwellung rund um sein linkes Auge hätten aber auch intensivere kosmetische Maßnahmen nicht verbergen können. Huck hatte ordentlich Prügel bezogen, und die schmerzhafte Niederlage im WM-Kampf gegen den Letten Mairis Briedis markierte eine möglicherweise entscheidende Zäsur in der Karriere des Cruisergewichtlers - und eine weitere für den deutschen Box-Sport.

"Vielleicht war der Druck zu groß. Der Gegner war sehr stark und hat gut geboxt, da kann man wirklich nur gratulieren", sagte Huck nach dem Kampf in Dortmund um den WM-Titel des Weltverbandes WBC. Ein Lob, das nach Resignation klingt. "Ich habe von Anfang an gemerkt, dass ich körperlich robuster bin als er, aber ich kam irgendwie nicht zum Zuge", sagte er.

Briedis konnte seinen Erfolg derweil nicht lange feiern. Nach dem Kampf fuhr er zur vorsorglichen Untersuchung ins Krankenhaus, nachdem er sich nach Einschätzung des Ringarztes Dr. Stefan Bock in der zwölften Runde die zehnte Rippe auf der linken Seite verdreht hatte.

Durch die klare Pleite rückten Hucks Chancen auf einen Titel der vier großen Verbände (WBA, WBO, WBC und IBF) erneut in weite Ferne. Im August 2015 hatte der im heutigen Serbien geborene Huck seinen WBO-Titel verloren, den WBC-Gürtel schnallt sich nun wieder ein anderer um die Hüften.

Der nächste Nackenschlag

Ein frühzeitiges Karriereende schließt Huck nach seiner vierten Niederlage als Profi jedoch aus: "Ich bin noch jung fürs Boxen. Es macht mir immer noch Spaß. Ich liebe diese Sportart. Ich mache auf jeden Fall weiter." Trotzdem muss sich der 32-Jährige Fragen zur Zukunft gefallen lassen. Denn leichter wird es für ihn im Cruisergewicht nicht.

Auch deshalb kommen Huck Gedanken an einen zweiten Ausflug ins Schwergewicht. "Wenn man sich die Gewichtsklassen anschaut, ist das Cruisergewicht momentan die dominierende. Da ist es im Schwergewicht schon ein bisschen einfacher", sagte er. Seinen einzigen Kampf in der Königsklasse hatte Huck im Jahre 2012 gegen den damaligen WBA-Champion und überführten Doping-Sünder Alexander Powetkin aus Russland nach Punkten verloren.

Für das deutsche Boxen ist Hucks Niederlage gegen Briedis der nächste Nackenschlag. Da Huck zunächst einmal seinen WM-Gürtel des kleinen Verbandes IBO an den Letten abgeben muss, ist nunmehr Tyron Zeuge aus Berlin mit seinem WBA-Titel im Supermittelgewicht der einzige deutsche Box-Weltmeister. Zuvor hatte bereits der Darmstädter Jack Culcay im März seinen WBA-Gürtel im Halbmittelgewicht verloren.

Die in den Neunzigerjahren so erfolgreiche Generation um Henry Maske, Sven Ottke und Graciano Rocchigiani sucht nach den jüngsten Niederlagen händeringend nach ihren Erben. "Das Boxen braucht dringend gute Kämpfe. Dann steigt auch das Interesse wieder", hatte Ex-Weltmeister Maske im März gesagt. Jene werden jedoch immer rarer.

Ein Hoffnungsschimmer im Fall Huck bleibt ein Versäumnis seines Bezwingers Briedis. Der Lette hatte laut Hucks Bruder und Manager Kenan Hukic im Vorfeld nicht die übliche "Sanction Fee" gezahlt, weshalb Huck unter Umständen den Gürtel des unwichtigeren Verbandes IBO behalten darf. Lindern kann dieser Titel Hucks Schmerzen aber nicht wirklich.

sid

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