Schwarzer Sonntag für den Schweizer Fußball

„Unsportlich und menschlich fragwürdig“ - Ultras provozieren Spielabbruch und besiegeln Zürich-Abstieg

+
Spieler der Grasshoppers Zürich verlassen enttäuscht den Platz. Nach dem durch die eigenen Anhänger provozierten Spielabbruch ist der Klub abgestiegen.

Die Grasshoppers Zürich sind in die zweite Schweizer Liga abgestiegen. Nach einem durch die eigenen Ultras provozierten Spielabbruch steht der Klub vor schwierigen Zeiten.

Zürich - Die Grasshoppers Zürich sind aus der Super League, der höchsten Schweizer Fußballliga, abgestiegen. Um die Chance auf den Klassenerhalt am Leben zu erhalten, hätte der Traditionsverein am Sonntag beim FC Luzern zwingend gewinnen müssen, zur Halbzeit lag das Team von Uli Forte aber bereits mit 2:0 zurück. Den Abstieg besiegelte schlussendlich allerdings nicht nur die erschreckend schwache sportliche Leistung, sondern insbesondere das skandalöse Fehlverhalten der eigenen Anhänger. Beim Stand von 4:0 für die Heimmannschaft war selbst den größten Optimisten klar, dass die Grasshoppers erstmals seit 70 Jahren den Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen. Im frustrierten Gästeblock folgten tumultartige Szenen, die ein Weiterspielen unmöglich machten. 

Zürich: Ultras provozieren Spielabbruch und besiegeln Grasshoppers-Abstieg

Kurz nach dem 4:0 in der 66. Minute verließen die Anhänger teils vermummt den Gästeblock, um sich am Spielfeldrand zu positionieren. Daraufhin musste Schiedsrichter Alessandro Dudic die Partie für rund 20 Minuten unterbrechen. Die Polizei kesselte den Gästeblock ein, Grasshoppers-Kapitän Heinz Linder versuchte die Situation zu schlichten. Vergeblich, kurze Zeit später musste das Spiel abgebrochen werden - das traurige Erstligaende für den Traditionsverein.

Grasshoppers Zürich: Ultras demütigen eigene Spieler 

Die Enttäuschung der Anhänger gipfelte in einer Demütigung der eigenen Spieler. Als Zeichen der Erniedrigung forderten die Ultras die Mannschaft auf, ihr Trikot abzugeben. Getreu dem Motto „Ihr seid es nicht wert, für Grasshoppers zu spielen.“ Tatsächlich gaben einige Spieler ihr Jersey ab. Die Züricher haben neben dem sportlichen Desaster nun auch mit Problemen mit den eigenen Fans zu kämpfen. 

Hinsichtlich der erniedrigenden Trikotaktion teilte der Verein mit: „Weil die Situation zu eskalieren drohte, haben wir in Absprache mit den Sicherheitskräften entschieden, der Kurve die Trikots zu übergeben.“ Und weiter: „Die Sicherheit der Spieler und jene der friedlichen Fans im Stadion ist das für uns wichtigste Gut. Die Entscheidung bedeutet nicht, dass wir damit das unsportliche und menschlich fragwürdige Verhalten gutheißen."

Grasshoppers-Präsident Rietiker: „Es war klare Erpressung“

Vereinspräsident Stephan Rietiker sprach sogar von Erpressung: „Es sind klare Drohungen von Fans ausgesprochen worden. Es ist klare Erpressung. Aber ich musste abwägen. Es gab dort nicht viel Polizei. Ich entschied, diese Trikot-Geste zu erfüllen. Es ist mir klar, dass dies nicht der richtige Weg für die Zukunft ist. Für diese fordert er: „Wir werden definieren müssen, was sind Fans und was sind Chaoten." Seit Sonntag steht fest, dass der Klub, bei dem zu Saisonbeginn noch der mittlerweile entlassene Ex-Bayer Thorsten Fink das Sagen hatte, nach einer katastrophalen Saison mit nur fünf Siegen aus 33 Spielen nun definitiv für die zweite Liga planen muss. 

as

Mehr zum Thema

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Kehrt die Champions League zurück ins Free-TV? Zwei Sender sind bereits interessiert
Kehrt die Champions League zurück ins Free-TV? Zwei Sender sind bereits interessiert
Deutschlands EM-Trikot veröffentlicht - Fans schimpfen: „Schlafanzug“ oder „Nivea-Packungsbeilage“
Deutschlands EM-Trikot veröffentlicht - Fans schimpfen: „Schlafanzug“ oder „Nivea-Packungsbeilage“
FC Bayern gegen Piräus: Durchwachsener Auftritt - individuelle Klasse rettet Flick
FC Bayern gegen Piräus: Durchwachsener Auftritt - individuelle Klasse rettet Flick
2:1 - Eintracht verliert Sekunden vor Schluss
2:1 - Eintracht verliert Sekunden vor Schluss

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren