Deutschland keine Turniermannschaft mehr?

„Das ist ein wenig traurig“: WM-Experte Schweinsteiger vermisst deutsche Tugenden

Bastian Schweinsteiger bemängelt die Mentalität in der deutschen Nationalmannschaft. Diese Entwicklung wirke sich auch außerhalb des Platzes negativ aus.

Doha – Bastian Schweinsteiger weiß, wie man Weltmeister wird. Der Mittelfeldspieler führte die deutsche Nationalmannschaft 2014 mit Kampf und Leidenschaft zum WM-Titel. Unvergessen sein Einsatz im Finale gegen Argentinien, als ihn auch eine blutige Wunde unter dem Auge nicht aufhalten konnte.

Acht Jahre später beobachtet Schweinsteiger seine Nachfolger im DFB-Team bei der WM 2022 als ARD-Experte. Der frühere Bayern-Star hat jedoch nicht das Gefühl, dass die „neue Generation“, wie sich Joshua Kimmich & Co. selbst nennen, in seine Fußstapfen treten kann. Schweini vermisst die traditionellen deutschen Tugenden, die ihn früher selbst ausgezeichnet haben.

Bastian Schweinsteiger
Geboren: 1. August 1984 (Alter 38 Jahre), Kolbermoor
Ehepartnerin: Ana Ivanović (verh. 2016)
WM-Experte bei der ARD
Länderspiele: 121 (24 Tore)

WM-Experte Bastian Schweinsteiger bemängelt fehlende Leidenschaft in DFB-Elf

„Ich glaube, sie versuchen sich mehr auf ihre fußballerischen Fähigkeiten zu fokussieren, als vielleicht auf ihre Leidenschaft und darauf, zu rennen und zu kämpfen und 120 Prozent zu geben“, sagte Schweinsteiger über die jüngeren Spieler im DFB-Team in einem Interview von Rio Ferdinand für das Youtube-Format „Rio Ferdinand Presents Five“. Die beiden ehemaligen Spieler von Manchester United führten das Gespräch direkt am Strand in Katar.

Das Interview wurde am Montag veröffentlicht, also einen Tag nach dem überzeugenden Auftritt der deutschen Mannschaft gegen Spanien. Ob es vor oder nach dem deutschen 1:1 geführt wurde, geht aus dem Video nicht hervor. Bereits am Samstag veröffentlichte Ferdinand ein Selfie von sich und Schweinsteiger, auf dem der WM-Experte nicht gut wegkommt. Allerdings trägt die Bayern-Legende darauf ein anderes Oberteil.

WM-Experte Bastian Schweinsteiger vermisst die deutschen Tugenden.

WM 2022: Vernichtendes Schweinsteiger-Urteil – Deutschland keine Turniermannschaft mehr

Deutschland sei von seinem Status als Turniermannschaft abgekommen, kritisierte Schweinsteiger. „Ich denke, dass die Spieler heutzutage anders als die Spieler vor fünf, sechs, sieben Jahren sind. Das ist ein wenig traurig, weil andere Länder immer zu Deutschland aufgeschaut haben, wie es 95 Minuten kämpfen und in der letzten Minute treffen konnte.“ Diese Entwicklung wirkt sich nach Ansicht von Schweinsteiger auch auf die Zuschauer aus. „Ich habe mit einigen deutschen Fans gesprochen und sie sagen immer, dass die Energie nicht wirklich zu ihnen überspringt.“

Zur Leistung von Mittelfeldspieler Joshua Kimmich sagte Schweinsteiger, der Bayern-Star sei ein „großartiger Spieler, aber manchmal verlässt er seine Position und dann entsteht eine Lücke.“ Sein Favorit auf den WM-Titel ist Brasilien.

Zwei Schweinis, Ballack, Javi Martinez: Das sind die WM-Experten in Katar

Bastian Schweinsteiger am ARD-Mikrofon - ein gewohntes Bild. Auch bei der WM in Katar ist der Weltmeister von 2014 wieder dabei.
ARD: Bastian Schweinsteiger am ARD-Mikrofon - ein gewohntes Bild. Auch bei der WM in Katar ist der Weltmeister von 2014 wieder dabei. Sein Duett mit Jessy Wellmer sorgte bei der EM 2021 für Kritik - gibt er dieses Mal eine bessere Figur ab? © IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch
Almuth Schult fasst sich an den Kopf.
ARD: Almuth Schult ist noch ein relativ neues Gesicht in der Fußball-Expertenlandschaft. Für ihre Analysen bei der EM 2021 bekam die Ex-Nationaltorhüterin viel Lob. Deshalb setzt die ARD auch bei der WM auf sie. © IMAGO/Michael Taeger
Thomas Hitzlsperger am ARD-Mikrofon.
ARD: Seinen ersten Einsatz als Experte hatte Thomas Hitzlsperger bei der WM 2014. Seitdem ist „The Hammer“ regelmäßig am Expertenmikrofon zu sehen. Auch 2022. © Michael Weber/imago
Thomas Broich am ARD-Mikrofon.
ARD: Auch Thomas Broich ist kein neues Gesicht im Ersten. Der Ex-Profi ist bekannt für seinen fachmännischen Blick und geht bei Taktik-Analysen gerne mal in die Tiefe.  © Werner Schmitt/imago
Sami Khedira diskutiert angeregt mit DAZN-Moderatorin Laura Wontorra.
ARD: Neben Schweinsteiger komplettiert mit Sami Khedira ein weiterer 2014-Weltmeister das Expertenteam der ARD. Für DAZN sammelte er bereits Erfahrungen am Mikrofon. Sein Credo: Mehr Tiefe. „Ich habe es selbst nie gut gefunden, wenn in Expertenrunden nur Sprüche geklopft und Spieler fertig gemacht werden“, sagte er in einem Interview mit „t-online“. © IMAGO/Anke Waelischmiller
Per Mertesacker am ZDF-Mikro.
ZDF: Und der nächste Weltmeister: Per Mertesacker ist inzwischen eine feste Größe beim ZDF. Er löste 2020 Oliver Kahn ab, der ins Management des FC Bayern wechselte. Er ist kein Dampfplauderer, hält sich auch gerne mal kurz. Norddeutsch eben. © IMAGO/Nico Herbertz
Christoph Kramer am ZDF-Mikrofon.
ZDF: Der Gladbach-Profi hoffte noch auf einen Anruf von Hansi Flick, beendete die Spekulationen dann aber selbst: „Wir können das jetzt abhaken, ich bin nur als TV-Experte dabei.“ Er lieferte schon bei der WM 2018 und der EM 2021 Analysen. © IMAGO/Gladys Chai von der Laage
Michael Ballack am DAZN-Mikrofon.
Magenta: Für den Streamingdienst läuft Michael Ballack als Star-Experte auf. Schon 2021 kommentierte er die EM bei Magenta, zwischenzeitlich hatte sich auch DAZN die Dienste des „Capitano“ gesichert. © IMAGO/Gladys Chai von der Laage
Manuel Baum.
Magenta: Manuel Baum kommt bei der WM 2022 als Taktik-Experte zum Einsatz. Gemeinsam mit Jan Henkel soll der Ex-Schalke-Coach Spiele analysieren. © IMAGO/Eibner-Pressefoto
Tobias Schweinsteiger am Magenta-Mikrofon.
Magenta: Auch der Bruder des Rio-Helden darf bei der WM 2022 fachsimpeln. Tobias Schweinsteiger wurde von Magenta als Analyst ins Boot geholt. Er trainiert aktuell den VfL Osnabrück. © IMAGO/Kirchner/Marco Steinbrenner
Tabea Kemme lacht.
Magenta: Tabea Kemme behauptet sich bei ihren Champions-League-Einsätzen für Amazon Prime regelmäßig in einer wortstarken Männerrunde. Die Ex-Nationalspielerin ist, wenn man so will, das Top-Talent unter den Experten und Expertinnen. © Markus Fischer/imago
Fredi Bobic am DAZN-Mikrofon.
Magenta: Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic gehört wie Ballack seit 2021 zum Team des Streamingdienstes der Telekom. Durch seine 37 Länderspiele für Deutschland und seine Erfahrung im Fußball-Business qualifiziert er sich als WM-Experte. © IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch
Javi Martinez im Trikot des Qatar SC.
Magenta: Er ist der wohl überraschendste WM-Experte: Ex-Bayern-Star Javi Martinez spielt seit 2021 für den Qatar SC und kann dadurch fundierte Einschätzungen über die Lage im Emirat geben. Sein Deutsch dürfte er auch noch nicht ganz verlernt haben. © Simon Holmes/imago
Lars Stindl im Aufwärm-Dress von Borussia Mönchengladbach.
Magenta: Lars Stindl macht es seinem Gladbacher Teamkollegen Christoph Kramer nach und gibt als Bundesliga-Profi seine Einschätzungen zur WM ab. Als TV-Experte ist er bisher noch nicht in Erscheinung getreten. © IMAGO/Norbert Jansen
Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich im Einsatz.
Magenta: Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich vertritt den Stand der Unparteiischen bei Magenta und soll bei der WM strittige Szenen aufklären. Von denen es auch mit Video-Assistent viele geben wird, wie die Erfahrung gezeigt hat. © IMAGO/Gerrit van Keulen
Martin Demichelis als Trainer der Bayern-Amateure.
Magenta: Martin Demichelis soll laut „Sky" ein Job-Angebot des argentinischen Erstligisten River Plate angenommen haben. Seinen Job beim FC Bayern als Trainer der zweiten Mannschaft wird aller Voraussicht nach Holger Seitz übernehmen. Bei der WM in Katar kommt der 41-Jährige als Südamerika-Experte zum Einsatz. © IMAGO/Sven Leifer

WM 2022: Schweinsteiger rudert nach Spanien-Spiel zurück – Deutschland überzeugt mit Glaube und Kampf

Nach Deutschlands 1:1 gegen Spanien klingt Schweinsteiger aber schon deutlich zuversichtlicher und geht zumindest vom Einzug ins Achtelfinale aus. „Es war ein guter Auftritt, der uns Hoffnung gibt fürs nächste Spiel und den weiteren Turnierverlauf. Ich bin guter Dinge, dass wir uns qualifizieren“, sagte der 38-Jährige der ARD am Montag.

Man müsse die DFB-Elf dafür „loben“, wie sie sich ins Spiel zurückgekämpft und „nach dem 0:1 weiter dran geglaubt“ habe. Schweinsteiger hob Leon Goretzka, Antonio Rüdiger und Jamal Musiala heraus, denen er ein „sehr gutes Spiel“ bescheinigte. „Das Element mit Goretzka im zentralen Mittelfeld ging auf jeden Fall auf“, sagte der frühere DFB-Kapitän.

Schweinsteiger lobt Flick-Aufstellung und WM-Joker Füllkrug

Überhaupt habe Bundestrainer Hansi Flick „die richtige Mannschaft aufs Feld gestellt, auch mit der richtigen Taktik“. Das gelte ebenfalls für die Jokerrolle von Torschütze Niclas Füllkrug. „Ihn auf der Bank zu haben als anderes Element ist von Vorteil“, meinte Schweinsteiger. Der Jubel im deutschen Team war nach dem 1:1-Ausgleich natürlich riesig, sein erster WM-Treffer lässt Füllkrug aber gänzlich kalt.

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/Imago

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