Kritische Worte zu Flicks Auswechslungen

„Kann ich nicht nachvollziehen“: Lahms deutliche Kritik an Flick

Vor dem entscheidenden Spiel gegen Spanien kritisierte Weltmeister Philipp Lahm die DFB-Defensive, der 39-Jährige würde zudem Wechsel in der Startelf vornehmen.

München – Die deutsche Nationalmannschaft steht vor einem frühen WM-Aus. Nach dem verlorenen ersten Gruppenspiel gegen Japan muss das Team von Hansi Flick nun gegen Spanien gewinnen, um die Chance auf das Achtelfinale zu wahren. Die Niederlage zum Auftakt rief enorme Kritik aus der Heimat hervor, viele ehemalige Nationalspieler gaben ihre Meinung zum Besten. Auch Philipp Lahm, Kapitän der Weltmeistermannschaft von 2014, kritisierte das DFB-Team. Der ehemalige Bayern-Spielführer würde gegen Spanien einige personelle Veränderungen vornehmen.

Philipp Lahm
Geboren: 11. November 1983 in München
Karriereende seit: Juli 2017
Länderspiele: 113 (5 Tore)
Pflichtspiele für den FC Bayern: 517 (16 Tore)

WM 2022: Philipp Lahm kritisiert Hansi Flick für Auswechslungen

Die Situation vor dem Spanien-Duell sei nicht einfach, meinte Lahm in seinen Kolumnen für das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Mannschaft stehe nach der Niederlage gegen Japan „brutal unter Druck“, meinte der 39-Jährige. Darum seien „jetzt die Jungs gefordert, die solche oder ähnliche Situationen in ihren Clubs schon zigfach erlebt haben“, so Lahm.

Deutliche Kritik äußerte der heutige Privatier für die Personalentscheidungen und Auswechslungen des Bundestrainers, der den Torschützen Ilkay Gündogan, Thomas Müller sowie den gut aufgelegten Jamal Musiala aus dem Spiel nahm. „Das habe ich nicht verstanden“, meinte der Münchner und führte aus: „Über eine Stunde hatten wir das Spiel eigentlich gut im Griff, dann kam der Bruch, auch durch die Auswechslungen, die ich ehrlicherweise nicht ganz nachvollziehen konnte“.

WM 2022: Weltmeister Lahm kritisiert „fehlende Gier“ der DFB-Defensive

Nach der Pleite gegen Japan bemängelte der ehemalige Verteidiger auch die fehlende Gier der deutschen Defensive. „Das war eine Aneinanderreihung von Fehlern, da fehlte die Abstimmung“, sagte Lahm über die Gegentore, bei denen Nico Schlotterbeck und Niklas Süle keine gute Figur machten.

„Wenn ich an Jérôme Boateng oder Benedikt Höwedes 2014 denke – die hatten die Gier, jeden Zweikampf zu gewinnen. Genau das habe ich in den entscheidenden Situationen vermisst.“ Vor acht Jahren hatte der heutige Teammanager Höwedes als gelernter Innenverteidiger das gesamte Turnier auf der linken Seite gespielt, heute sind die Außenverteidigerpositionen wieder ein zentrales Problem der DFB-Elf.

Das machen die DFB-Stars vom Sommermärchen 2006 heute

Timo Hildebrand, damals VfB Stuttgart: Der Ex-DFB-Keeper engagiert sich seit seinem Karrieende für soziale Themen und arbeitete zuletzt mit der Firma Gillette, um auf mentale Gesundheit bei Männern aufmerksam zu machen.
Timo Hildebrand, damals VfB Stuttgart: Der Ex-DFB-Keeper engagiert sich seit seinem Karrieende für soziale Themen und arbeitete zuletzt mit der Firma Gillette, um auf mentale Gesundheit bei Männern aufmerksam zu machen.  © imago sportfotodienst
Oliver Kahn, damals FC Bayern München: Der Titan bestritt bei der Heim-WM als Nummer zwei sein letztes Länderspiel und ist heute Vorstandsvorsitzender beim deutschen Rekordmeister.
Oliver Kahn, damals FC Bayern München: Der Titan bestritt bei der Heim-WM als Nummer zwei sein letztes Länderspiel und ist heute Vorstandsvorsitzender beim deutschen Rekordmeister. © imago sportfoto
Jens Lehmann, damals Arsenal FC: Die deutsche Nummer eins von 2006 arbeitete nach seinem Karriereende im Trainerteam von Arsène Wenger, als TV-Experte und war kurzzeitig im Aufsichtsrat von Hertha BSC.
Jens Lehmann, damals Arsenal FC: Die deutsche Nummer eins von 2006 arbeitete nach seinem Karriereende im Trainerteam von Arsène Wenger, als TV-Experte und war kurzzeitig im Aufsichtsrat von Hertha BSC. © Imago images
Arne Friedrich, damals Hertha BSC: Der Verteidiger absolvierte nach seiner Karriere einen Trainerlehrgang und war von 2019 bis 2021 als Performance Manager und Sportdirektor bei der Hertha aktiv.
Arne Friedrich, damals Hertha BSC: Der Verteidiger absolvierte nach seiner Karriere einen Trainerlehrgang und war von 2019 bis 2021 als Performance Manager und Sportdirektor bei der Hertha aktiv. © imago sportfotodienst
Robert Huth, damals Chelsea FC: „The Berlin Wall“ absolvierte nach seiner Karriere den Masterstudiengang „Sporting Directorship“ und machte einen Pilotenschein.
Robert Huth, damals Chelsea FC: „The Berlin Wall“ absolvierte nach seiner Karriere den Masterstudiengang „Sporting Directorship“ und machte einen Pilotenschein. © Imago images
Marcell Jansen, damals Borussia Mönchengladbach: Der Außenverteidiger beendet mit 29 Jahren seine Karriere und ist heute Präsident des Hamburger SV, während er als Amateurkicker weiter aktiv ist.
Marcell Jansen, damals Borussia Mönchengladbach: Der Außenverteidiger beendet mit 29 Jahren seine Karriere und ist heute Präsident des Hamburger SV, während er als Amateurkicker weiter aktiv ist. © imago sportfotodienst
Philipp Lahm, damals FC Bayern München: Der Weltmeister von 2014 ist Chef des Organisationskomitees für die EM 2024 in Deutschland und sportlicher Berater beim VfB Stuttgart.
Philipp Lahm, damals FC Bayern München: Der Weltmeister von 2014 ist Chef des Organisationskomitees für die EM 2024 in Deutschland und sportlicher Berater beim VfB Stuttgart. © Imago images
Per Mertesacker, damals Hannover 96: Der Innenverteidiger ist seit 2018 Leiter der Arsenal Academy und zudem als Experte beim ZDF im Einsatz.
Per Mertesacker, damals Hannover 96: Der Innenverteidiger ist seit 2018 Leiter der Arsenal Academy und zudem als Experte beim ZDF im Einsatz. © imago sportfotodienst
Jens Nowotny, damals Dinamo Zagreb: Der heute 48-Jährige ist Co-Trainer der deutschen U19-Nationalmannschaft.
Jens Nowotny, damals Dinamo Zagreb: Der heute 48-Jährige ist Co-Trainer der deutschen U18-Nationalmannschaft. © imago sportfoto
Michael Ballack, damals Chelsea FC: Der „Capitano“ war schon bei zahlreichen TV-Sendern als Experte aktiv. Seit 2022 gehört er dem DAZN-Team an.
Michael Ballack, damals Chelsea FC: Der „Capitano“ war schon bei zahlreichen TV-Sendern als Experte aktiv. Seit 2022 gehört er dem DAZN-Team an. © IMAGO/Mark Leech
Tim Borowski, damals Werder Bremen: Borowski ist Teil des Expertenteams von DAZN.
Tim Borowski, damals Werder Bremen: Borowski ist Teil des Expertenteams von DAZN. © Imago images
Torsten Frings, damals Werder Bremen: Der Mittelfeldabräumer startete nach seiner Karriere die Trainerlaufbahn und war zuletzt 2021 Cheftrainer beim SV Meppen in der 3. Liga.
Torsten Frings, damals Werder Bremen: Der Mittelfeldabräumer startete nach seiner Karriere die Trainerlaufbahn und war zuletzt 2021 Cheftrainer beim SV Meppen in der 3. Liga. © imago sportfotodienst
Thomas Hitzlsperger, damals VfB Stuttgart: „Hitz the Hammer“ arbeitete nach seiner Profilaufbahn als Experte und war bis 2021 Sportvorstand beim VfB Stuttgart.
Thomas Hitzlsperger, damals VfB Stuttgart: „Hitz the Hammer“ arbeitete nach seiner Profilaufbahn als Experte und war bis 2021 Sportvorstand beim VfB Stuttgart. © Imago images
Sebastian Kehl, damals Borussia Dortmund: Der langjährige BVB-Spieler ist seit dieser Saison Sportdirektor der Borussen.
Sebastian Kehl, damals Borussia Dortmund: Der langjährige BVB-Spieler ist seit dieser Saison Sportdirektor der Borussen. © imago sportfotodienst
Bernd Schneider, damals Bayer 04 Leverkusen: „Schnix“ ist heute Hauptberuflich als Spielerberater tätig.
Bernd Schneider, damals Bayer 04 Leverkusen: „Schnix“ ist heute hauptberuflich als Spielerberater tätig. © Imago images
Bastian Schweinsteiger, damals FC Bayern München: Der Rio-Weltmeister ist heute als ARD-Experte tätig und wird auch die DFB-Elf bei der WM in Katar begleiten.
Bastian Schweinsteiger, damals FC Bayern München: Der Rio-Weltmeister ist heute als ARD-Experte tätig und wird auch die DFB-Elf bei der WM in Katar begleiten. © imago sportfotodienst
Gerald Asamoah, damals Schalke 04: Seit 2019 ist Asamoah Teammanager der Lizenzspielermannschaft des FC Schalke 04.
Gerald Asamoah, damals Schalke 04: Seit 2019 ist Asamoah Teammanager der Lizenzspielermannschaft des FC Schalke 04. © Imago images
Mike Hanke, damals VfL Wolfsburg: Der Ex-Stürmer ist Investor und Gesellschafter von tivela.com – einem Fußball-Lifestyleportal für Profifußballspieler, Fans und Marken.
Mike Hanke, damals VfL Wolfsburg: Der Ex-Stürmer ist Investor und Gesellschafter von tivela.com – einem Fußball-Lifestyleportal für Profifußballspieler, Fans und Marken. © imago sportfotodienst
Miroslav Klose, damals Werder Bremen: Der WM-Rekordtorjäger schlug nach seiner Karriere die Trainerlaufbahn ein und ist aktuell Trainer des österreichischen Bundesligisten SCR Altach.
Miroslav Klose, damals Werder Bremen: Der WM-Rekordtorjäger schlug nach seiner Karriere die Trainerlaufbahn ein und ist aktuell Trainer des österreichischen Bundesligisten SCR Altach. © imago sportfotodienst
Oliver Neuville, damals Borussia Mönchengladbach: Der Stürmer ist als Co-Trainer bei seinem Ex-Klub tätig und kümmert sich dort hauptsächlich um die spanisch-, französisch- und italienischsprechenden Spieler.
Oliver Neuville, damals Borussia Mönchengladbach: Der Stürmer ist als Co-Trainer bei seinem Ex-Klub tätig und kümmert sich dort hauptsächlich um die spanisch-, französisch- und italienischsprechenden Spieler. © Imago images
David Odonkor, damals Borussia Dortmund: Der pfeilschnelle Außenstürmer tritt heute immer wieder in zahlreichen TV-Shows auf.
David Odonkor, damals Borussia Dortmund: Der pfeilschnelle Außenstürmer tritt heute immer wieder in zahlreichen TV-Shows auf. © imago sportfotodienst
Lukas Podolski, damals 1. FC Köln: Der Prinz ist der einzige WM-Teilnehmer von 2006, der heute noch als Profi aktiv ist. Podolski steht in seiner Heimat beim polnischen Erstligisten Górnik Zabrze unter Vertrag.
Lukas Podolski, damals 1. FC Köln: Der Prinz ist der einzige WM-Teilnehmer von 2006, der heute noch aktiv ist. Podolski steht in seiner Heimat beim polnischen Erstligisten Górnik Zabrze unter Vertrag. © imago sportfotodienst
Christoph Metzelder, damals Borussia Dortmund: Der Innenverteidiger war auch Teil des WM-Kaders machte zuletzt mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam.
Christoph Metzelder, damals Borussia Dortmund: Der Innenverteidiger war auch Teil des WM-Kaders machte zuletzt mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam. © imago sportfotodienst

WM 2022: Philipp Lahm würde mit Freiburger Abwehr-Duo gegen Spanien starten

Auch aufgrund der fehlenden Klasse auf den defensiven Flügeln würde Lahm gegen Spanien auf eine „kompakte Defensive“ bauen und den beiden Freiburgern Christian Günter und Matthias Ginter vertrauen. Ginter wäre, wie damals Höwedes, zwar ein Innenverteidiger, weshalb Lahm nicht erwarten würde, dass dieser „die Außenbahn raus und runter marschiert“.

Für den 113-fachen Nationalspieler stellt sich im Übrigen nicht die Frage nach der idealen Position für Joshua Kimmich. Das defensive Mittelfeld sei „einfach seine beste Position, da kann er der Mannschaft am meisten geben“, so Lahm, der sich ein „kompaktes Mittelfeld mit Gündogan, Kimmich und Goretzka“ wünscht.

Philipp Lahm holte mit der Nationalmannschaft 2014 den Weltmeistertitel.

WM in Katar: 2014-Weltmeister Philipp Lahm will Kai Havertz in der Offensive sehen

In der Offensive sprach sich Lahm für den viel kritisierten Kai Havertz aus, er würde dem Chelsea-Star „weiter vertrauen“. Der 23-Jährige sei ein „guter Kopfballspieler“ und habe bereits bei Chelsea bewiesen, „dass er mit Drucksituationen umgehen kann – unter anderem mit seinem entscheidenden Treffer im Champions-League-Finale“.

Auch wenn die entscheidende Begegnung gegen Spanien wohl alles andere als einfach wird, versprüht Lahm etwas Optimismus, „Eine Mannschaft braucht schwierige Situationen, die man gemeinsam löst. 2014 war das Vertrauen untereinander auch deshalb so groß, weil wir eine eigene Geschichte hatten“, erinnert er sich. „Vielleicht fängt diese Geschichte für die aktuelle Mannschaft ja am Sonntag an“. (ajr)

Rubriklistenbild: © Peter Back/imago

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