„Vorher schützend, später fordernd“

Ex-Nationalspieler zur Integrations-Debatte: „Özil und der DFB haben Fehler gemacht“

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Sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft hatte eine Rassismus-Debatte ausgelöst- Ex-Nationalspieler Cacau sieht dabei die Schuld nicht nur bei Mesut Özil selbst. 

Die WM 2018 verlief aus deutscher Sicht katastrophal. Neben dem peinlichen Aus in der Vorrunde war das Turnier in Russland vor allem von der Debatte um Mesut Özil geprägt. 

Update vom 22. März, 10.03 Uhr: Nach Ansicht von Ex-Profi Cacau, dem Integrationsbeauftragten des Deutschen Fußball-Bundes, haben in der Causa um die Rassismusvorwürfe von Mesut Özil sowohl der frühere Nationalspieler als auch der DFB Fehler gemacht. „Für mich ist es im Nachhinein nur bedauerlich, wie mit dem Thema umgegangen wurde. Ich finde, Mesut hat aus meiner Sicht einige Fehler gemacht, wurde aber zum Teil unsachlich kritisiert. Und auch der DFB hat einige Fehler im Umgang mit dem Thema gemacht“, sagte der 23-malige deutsche Nationalspieler in einem Interview des „Donaukurier“ (Freitag).

Nach der WM 2018 hatte der Rücktritt Özils aus der Nationalmannschaft in Deutschland eine Integrations-Debatte ausgelöst. „Ich finde, dass sich der DFB nicht klar positioniert hat. Es gab keine klare Linie zu dem Thema und dem Spieler. Vorher schützend, später fordernd“, präzisierte der im brasilianischen Santo André geborene Cacau.

Aus seiner Sicht war es hingegen von Özil „sehr naiv zu meinen, dass das Bild (mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan) gar kein Problem ist und sich dann nicht zu äußern.“ Auch der Rassismus-Vorwurf gegenüber dem DFB und seinem Präsidenten Reinhard Grindel sei für ihn nicht nachvollziehbar gewesen.

„Ich sehe beim DFB kein Rassismus-Problem, auch nicht flächendeckend in Deutschland“, unterstrich der 38 Jahre alte Cacau, der in der Bundesliga für den VfB Stuttgart und den 1. FC Nürnberg aktiv war und seit 2016 die Funktion des Integrationsbeauftragten im DFB ausübt. Aber Cacau räumte auch ein: „Der Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. So wie es in der Gesellschaft vereinzelt Rassismus gibt, gibt es ihn auch im Fußball.“

Özil lädt Erdogan zu seiner Hochzeit ein: Botschaftsmitarbeiter meldet sich zu Wort

Update vom 20. März, 10.25 Uhr: Die Hochzeitseinladung von Mesut Özil an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan schlägt weiter hohe Wellen. Nachdem die Bild Özil in einem Kommentar heftig kritisiert hatte, flatterte ihr nun ein Brief aus der türkischen Botschaft ins Haus. Dieser enthielt eine harte Replik auf den Artikel.

„In dem Kommentar wird einer Person das Recht abgesprochen, anders zu denken und anders zu sein“, schreibt Botschaftsrat Refik Sogukoglu aus Berlin. Der Text der Bild sei außerdem „nicht nur polarisierend, sondern auch manipulierend“ und wirke „hasserfüllt“.

Auch die Bezeichnung Erdogans als Diktator schmeckt ihm überhaupt nicht. Dadurch werde „ein Feindbild“ geschaffen. „Eine derartige Manipulation möchte ich aufs Schärfste verurteilen“, so der Botschaftsmitarbeiter.

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SPD-Politikerin attackiert Mesut Özil: „Verantwortungslos“ - Auch Kanzleramt reagiert 

10.55 Uhr:Der Fall Özil zieht immer weitere Kreise. Jetzt gibt es auch eine Stellungnahme aus dem Kanzleramt. „Das macht einen natürlich schon traurig, (...) dass das jetzt so weitergeht“, sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) „Bild“ am Montag. Özil habe so lange im deutschen Nationaltrikot Fußball gespielt und schon nach seinem ersten Zusammentreffen mit dem türkischen Präsidenten eine solche Reaktion aus der deutschen Bevölkerung bekommen. „Ich glaube, das enttäuscht viele Fußballfans, mich natürlich auch. Fassungslos ist nicht meine Kategorie, ich hätte mir das aber anders gewünscht.“ Fußballer seien schließlich „Symbolfiguren, mit denen sich Menschen identifizieren“.

Sawsan Chebli kritisiert Mesut Özil scharf

Update vom 18. März, 6.40 Uhr: Die Hochzeitseinladung von Mesut Özil an Erdogan sorgt weiter für Aufregung. Jetzt hat SPD-Politikerin und Staatssekretärin Sawsan Chebli den Sportler scharf kritisiert. „Hab Özil damals verteidigt. Sein Satz: 'Ich bin Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren', hat mich so getroffen", schreibt sie auf Twitter. "Was er nun macht, ist enttäuschend. Er ist Vorbild für Millionen junger Menschen. Finde es verantwortungslos", so Chebli.

CDU-Generalsekretär kritisiert Özil wegen Erdogan - und blamiert sich selbst

Update vom 17. März 2019: Mal wieder sorgt Mesut Özil für politische Diskussionen. Grund ist die medienwirksam inszenierte Einladung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu seiner Hochzeit. Wie die Zeitung Hürriyet berichtet, soll Özil Erdogan gar gebeten haben, sein Trauzeuge zu werden. Eine Rolle, die der türkische Präsident zuvor schon bei anderen Sportlern gerne übernommen hatte. 

Wegen seiner abermaligen Erdogan-Inszenierung schlägt Özil Gegenwind von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak entgegen. Beim „Deutschlandtag“ (also dem Bundes-Kongress) der Jungen Union kritisierte er am Samstag die seiner Meinung nach zu unterwürfige Haltung Özils gegenüber dem Machthaber Erdogan. Bei seiner Kritik scheint Ziemiak allerdings entgangen zu sein, dass Özil schon vor über einem halben Jahr aus Protest aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist.  

Auf dem Deutschlandtag meinte CDU-Generalsekretär Ziemiak über Özils Hochzeits-Pläne, dass ein deutscher Nationalspieler gegenüber Erdogan die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei hätte anprangern müssen. Ziemiak wörtlich: 

„Mesut Özil ist Brückenbauer. Mesut Özil hat Verständnis für das Zusammenwirken von Deutschland und der Türkei, wie vielleicht andere es nicht haben. Aber, liebe Freundinnen und Freunde: Wer den türkischen Präsidenten als Ehrengast zu seiner Hochzeit einlädt, der für unser Land spielt, von dem erwarte ich schon, dass er, wenn die Rechte der Staatsangehörigen des Landes für das er spielt, in anderen Ländern nicht beachtet werden, dass man auch für das Land, für das man spielt und auch für seine Staatsangehörigen die Stimme erhebt, wenn man ein gutes Beispiel sein möchte.“

Die Delegierten auf dem JU-Deutschlandtag störten sich nicht an Ziemiaks Appell an den Nationalspieler, der schon lange keiner mehr sein will. Für seine Özil-Kritik erntete der CDU-Generalsekretär kräftigen Applaus.

CDU-Generalsekretär attackiert Özil und erntet kräftigen Applaus

Özil lädt Erdogan zur Hochzeit ein - der soll dort Trauzeuge werden

London - Um Ex-Nationalspieler Mesut Özil ist es in den vergangenen Wochen ruhiger geworden. Sportlich war beim 30-Jährigen in Diensten des FC Arsenal zuletzt ein klarer Aufwärtstrend erkennbar. In den letzten drei Partien der „Gunners“ stand der Mittelfeldspieler wieder in der Startelf, nachdem er zuvor nicht immer erste Wahl war.

Auch privat läuft es für Özil rund. Im Januar postete er ein Bild mit seiner Freundin Amine Gülse in den sozialen Netzwerken, das Spekulationen um eine mögliche Verlobung des Paares anheizte. Wenige Tage später plauderte dann Unai Emery, Özils Trainer beim FC Arsenal, dessen Hochzeitspläne aus. „Ja, ich habe im Sommer mit ihm gesprochen und er hat mit gesagt, dass er dieses Jahr heiraten wird“, sagte der 47 Jahre alte Spanier und fügte hinzu: „Ich glaube, nach dieser Saison.“

Mesut Özil heiratet Amine Gülse im Sommer - Erdogan sorgt für Wirbel

Bei der Hochzeit von Mesut Özil und Amine Gülse im Sommer soll es türkischen Medienberichten zufolge einen Ehrengast geben. Wie die Zeitung Hürriyet berichtet, handelt sich dabei wohl um den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler und seine Freundin sollen sich am Freitag auf dem Istanbuler Flughafen im Regierungsterminal mit dem 65-jährigen Staatschef getroffen haben.

Am Ende des Gesprächs soll Mesut Özil dann die Hochzeitseinladung ausgesprochen haben. Zudem soll er Erdogan gebeten haben, sein Trauzeuge zu werden. Ob der AKP-Politiker das Angebot angenommen hat, ist nicht überliefert.

Mesut Özil: Erdogan-Affäre und Rücktritt aus Nationalmannschaft

Nach der Erdogan-Affäre vor dem Fußball-WM 2018 nun also neuer Wirbel um Mesut Özil. Der in Gelsenkirchen geborene Star mit türkischen Wurzeln hatte sich wie Mitspieler Ilkay Gündogan (Manchester City) kurz vor Beginn des Turniers in Russland mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ablichten lassen und sich nie öffentlich dazu erklärt.

Özil wurde daraufhin nach dem blamablen Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft zum Sündenbock, wobei nicht nur er in den Partien gegen Mexiko (0:1), Schweden (2:1) und Südkorea (0:2) unter seinen Möglichkeiten blieb.

Am 22. Juli erklärte Mesut Özil nach Wochen des Schweigens seinen Rücktritt aus dem DFB-Team, mit dem er 2014 Weltmeister geworden war. Er kritisierte „Rassismus und fehlenden Respekt“. Bundestrainer Jogi Löw versuchte auch danach vergeblich, Kontakt zu ihm herzustellen.

sk/SID/dpa

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