Eskalation auf neuer Stufe

Eberl verzichtet trotz Hass-Plakaten auf DFB-Verfahren: Kölner Chaoten schwurbeln vom „Bolzenschuss“

Beim Spiel von RB Leipzig in Köln zeigten Chaoten herabwürdigende Plakate gegen Max Eberl. Der zeigt sich schockiert, verzichtet aber auf eine Anklage.

Update vom 6. Februar, 16.30 Uhr: Nachdem in der Kölner Fankurve beim Gastspiel von RB Leipzig von Hass triefende und beleidigende Spruchbänder an RB-Sportdirektor Max Eberl gerichtet wurden, verzichtet dieser nun auf eine Anzeige. Der Verantwortliche der Leipziger war nach dem Spiel deutlich geschockt von den teils heftigen Worten. Die Kölner zielten vor allem auf dessen öffentlich gemachten und überstandenen Burnout.

Eberl verzichtet auf Anzeige beim DFB - 1. FC Köln im Glück

Obwohl der Vorfall von Schiedsrichter Martin Petersen in den Spielbericht aufgenommen war, kommt es nun doch zu keinem Ermittlungsverfahren gegen den 1. FC Köln. Nach SID-Informationen verzichtet Max Eberl auf eine Anzeige beim DFB. Verfahren werden nämlich nur dann eingeleitet, „wenn die von der Kundgabe betroffene Person einen schriftlichen Antrag beim DFB auf Eröffnung eines sportgerichtlichen Verfahrens gestellt hat“, so die Mitteilung.

Damit kann der 1. FCK aufatmen, dem wohl eine empfindliche Strafe ins Haus gestanden hätte. Ob die Schmähungen allerdings zivilrechtliche Schritte nach sich ziehen werden und ob Eberl auf diesem Weg Anzeige gegen Einzelpersonen erstatten wird, ist noch nicht bekannt. Ziemlich sicher ist, dass es Video- und Fotoaufnahmen gibt, auf denen diejenigen zu identifizieren sein werden, die die Banner hochgehalten haben.

Kölner Fankurve mit Beleidigungen Richtung Max Eberl

Erstmeldung vom 6. Februar, 15.30 Uhr: Köln - Der seit Dezember bei RB Leipzig als Sportdirektor tätige Max Eberl wird beim Auswärtsspiel seiner Mannschaft in Köln von den Heimfans mittels Spruchbänder beleidigt. Einige der Plakate überschritten bei weitem die Grenzen des guten Geschmacks und könnten nun für den 1. FC Köln ein empfindliches Nachspiel haben. Der Angegriffene selbst zeigt sich aufgrund des ausufernden Hasses schockiert.

Max Eberl
Geboren am 21. September 1973 in Bogen
Stationen als Funktionär: Borussia Mönchengladbach (Jan. 2005 - Jan. 2022), RB Leipzig (seit Dez. 2022)
Stationen als Spieler: Bayern München, VfL Bochum, Greuther Fürth, Borussia Mönchengladbach

Eberls Burnout Zielscheibe für Kölner Beleidigungen

Als sich Max Eberl im Januar 2022 unter der Angabe von dauerhafter Erschöpfung frühzeitig von seinem Posten als Geschäftsführer Sport in Gladbach zurückgezogen hatte, schwappte eine Welle des Mitgefühls über Fußball-Deutschland hinweg. Ganz anders hingegen die Stimmungslage, als der Funktionär im Dezember seinen neuen Job als Sportdirektor in Leipzig antrat. Dabei spielte vor allem die Auswahl seines neuen Arbeitgebers eine Rolle. Das Projekt RB Leipzig stößt gerade unter den organisierten Fans auf vehementen Widerstand, ruft bisweilen Hass hervor.

Doch die Abneigung gegen einen einzelnen Verein rechtfertigt nicht die persönlichen Angriffe auf Eberl, die am 19. Spieltag im Kölner Fanblock sichtbar wurden. Bezugnehmend auf den überstandenen Burnout des Sportdirektors zeigten die Chaoten mehrere Spruchbänder. „Red Bull heilt Burnout!“, und „Von Burnout-Max zu Alzheimer-Eberl – Scheiss RB“ waren nur zwei der geschmacklosen Botschaften. Eine Rolle im so entfesselt zur Schau gestellten Hass spielte dabei sicherlich auch die erfolgreiche Vergangenheit Eberls beim Kölner Rhein-Rivalen Borussia Mönchengladbach.

Max Eberl sah schon während des Spiels die an ihn gerichteten Schmähplakate.

Eberl schockiert über „Bolzenschuss“-Drohung

Als ob die bis dahin gezeigten Plakate noch nicht genug gewesen wären, zeigten die Kölner noch ein weiteres, weitaus geschmackloseres, Spruchband. „Ein lahmendes Fohlen ist jedem Bauern bewusst, bekommt statt Aufputschmittel den Bolzenschuss“, verpackten die sogenannten Fußball-Fans ihre verqueren Gewaltfantasien in Reimform.

Max Eberl, der die Botschaften schon während des Spiels wahrnahm, zeigte sich nach dem Spiel schockiert. Sich dessen bewusst, dass seine Rückkehr in das Fußballgeschäft durchaus kritisch beäugt wird, hat auch für ihn diese Art der sprachlichen Eskalation ein neues Level erreicht. „Bisher noch gar nicht“ erfahren hätte er ein solches Maß an Hass auf seine Person, nachdem er in den aktiven Betrieb zurückgekehrt sei. „Mich würde interessieren, ob diese Menschen wissen, was Burnout genau bedeutet“, stellte er eine Frage in den Raum, auf welche die Adressaten wohl nicht antworten werden.

„Bolzenschuss“-Hassplakat gegen Max Eberl.

Vermerk im Spielbericht könnte harte Konsequenzen für Köln haben

Es steht zur Diskussion, ob Schiedsrichter Martin Petersen das Spiel bei den gezeigten Sprüchen hätte unterbrechen müssen, ähnlich dem Vorgehen als Bayern-Fans Dietmar Hopp im Februar 2020 beleidigten (in diesem Fall bekam der Skandal eine Wende). Allerdings hätte Petersen dazu die Beleidigungen in Köln lesen können müssen. „Wir haben zwar wahrgenommen, dass Plakate gezeigt wurden, konnten aber vom Spielfeld aus nicht lesen, was dort geschrieben war“, so der Unparteiische.

Und so griff der Schiedsrichter nach dem Abpfiff zum einzigen ihn verbliebenen Mittel und vermerkte den Vorfall im Spielbericht. Damit gelangt der Vorfall auch offiziell auf die Tagesordnung des DFB, der nun wohl in einem Verfahren das angemessene Strafmaß bestimmen wird. Für den 1. FC Köln, deren Geschäftsführer Christian Keller sich für die Aktion entschuldigte, steht die Befürchtung im Raum, dass es nicht bei einer Geldstrafe bleiben wird. Möglicherweise droht ein (Teil)Ausschluss des Publikums über mehrere Spiele hinweg. (dpa/sch)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Joerg Niebergall/Eibner-Pressefo und Imago/Herbert Bucco

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