Klopps Abschieds-Tour: "Muss einen Schutzpanzer tragen"

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BVB-Trainer Jürgen Klopp bedankt sich nach dem Spiel bei den Fans. Foto: Maja Hitij

Beim 3:0 über Paderborn stand Jürgen Klopp erneut im Mittelpunkt. Nur drei Tage nach seiner Ankündigung, den BVB am Saisonende zu verlassen, zeigte seine Mannschaft eine positive Reaktion. Trauerstimmung hält der Coach für verfrüht.

Dortmund (dpa) - Es war ein Moment für große Gefühle, doch Jürgen Klopp ließ sie nicht an sich heran. Obwohl ihn die Fans beim 3:0 (0:0) über den SC Paderborn in den letzten Spielminuten mit Sprechchören feierten, reagierte der zum Saisonende scheidende Dortmunder Coach verblüffend unsentimental.

"Das will doch niemand sehen, wenn ein 47 Jahre alter Mann jede Woche wild flennend im TV rumsteht", kommentierte er seine kühle Reaktion und verwies auf sein letztes Heimspiel beim BVB im Mai gegen Bremen: "Es wird noch einmal richtig emotional. Aber bis dahin muss ich einen Schutzpanzer tragen und kann mich als Mensch nicht jedes Mal darauf einlassen."

Immerhin erhöhte seine Mannschaft mit dem Sieg über den nur in der ersten Halbzeit bundesligatauglichen Aufsteiger die Chance auf ein standesgemäßes Lebewohl. Dank der Tore von Henrich Mchitarjan (48. Minute), Pierre-Emerick Aubameyang (55.) und Shinji Kagawa (80.) liegt die noch zu Rückrundenbeginn vom Abstieg bedrohte Borussia erstmals seit sieben Monaten wieder auf einem einstelligen Tabellenplatz. Das machbare Restprogramm schürt Hoffnungen auf die Europa League. Kapitän Mats Hummels stellte weitere Siege in Aussicht: "Alle im Team haben das Bedürfnis, den Trainer so zu verabschieden, wie er es verdient hat."

Vor dem Anpfiff der Partie waren Aktionen für Klopp weitgehend ausgeblieben. Nur auf wenigen Spruchbändern brachten die Fans ihre Dankbarkeit für sieben ereignisreiche Jahre zum Ausdruck. Doch als der Sieg unter Dach und Fach war, rückte das sportliche Geschehen auf dem Rasen mehr und mehr in den Hintergrund. Selbst die Zuschauer auf den teuren Plätzen erhoben sich von ihren Sitzen und stimmten in die Gesänge der Südtribüne ein.

Ganz so cool wie er tat, war der Hauptdarsteller des Tages dann doch nicht. Auf die Frage eines Sky-Reporters, ob eine Rückkehr zum BVB denkbar sei, antwortete Klopp. "Neben ganz wenigen positiven Dingen, die mir in den letzten Tagen rund um diese Entscheidung durch den Kopf gegangen sind, war dieser Gedanke einer der positiven, dass das möglich sein könnte."

Sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Trennung sahen sich bestätigt. In der dürftigen ersten Halbzeit wurde deutlich, warum der Abschied von Klopp Sinn macht. Die zweite Halbzeit lieferte all jenen Argumente, die sich einen Verbleib von Klopp gewünscht hätten. Phasenweise kombinierte das Team wie in glorreichen Tagen. "Für uns war es super wichtig. Schließlich war es ein Sechs-Punkte-Spiel", sagte Klopp, "hätten wir heute verloren, würden wir jetzt über ganz andere Dinge sprechen."

Der zweite Saisontreffer von Mchitarjan ebnete den Weg ins Glück. "Danach war der BVB-Express nicht mehr aufzuhalten. Dann ging es zu schnell für uns", bekannte André Breitenreiter. Trotz der vierten Auswärtsschlappe der Gäste in Serie ohne eigenes Tor demonstrierte der SC-Coach vor dem finalen Kampf um den Klassenverbleib Zuversicht: "Es ist noch lange nicht vorbei."

Sein Ärger über einen nicht gegebenen Elfmeter in der ersten Halbzeit nach einem Foul von Sokratis an Kapitän Uwe Hünemeier hielt sich angesichts der großen Dortmunder Überlegenheit in Grenzen: "Letztendlich ging es für uns heute nur um Bonuspunkte, von daher müssen wir mit diesem Ergebnis leben."

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