Fußball-WM

Iran zwiespältig nach dramatischem WM-Sieg gegen Wales

Iranische Fans
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Iraner protestieren vor dem Spiel und halten eine Flagge mit der Aufschrift "Women Life Freedom".

Der WM-Sieg gegen Wales sorgt im Iran nicht für ungeteilte Freude. Kritiker fürchten eine Instrumentalisierung durch die Führung des Landes.

Teheran – Nach dem Last-Minute-Sieg gegen Wales herrscht im Iran eine zwiespältige Stimmung.

Einerseits freut sich das fußballverrückte Land über das 2:0 bei der WM in Katar gegen einen europäischen Gegner und die realistische Chance, erstmals in die K.o.-Runde zu kommen. Andererseits tobt im Iran seit über zwei Monaten ein Aufstand gegen das islamische System. Die Kritiker befürchten, dass ein Erfolg der Nationalmannschaft von der politischen Führung instrumentalisiert werden könnte, um von den landesweiten Protesten und den bislang Hunderten von Toten abzulenken.

Wenige Minuten nach dem Schlusspfiff meldete sich Irans umstrittenerer Präsident Ebrahim Raisi zu Wort. „Ich bedanke mich für euren unermüdlichen Einsatz, der für so viel Freude beim Volk gesorgt hat. (...) Unsere Gebete werden euch auch auf eurem weiteren Weg begleiten“, verkündete der Präsident. Die Opposition antwortete unmittelbar. „Es wäre schön, wenn wir heute alle diesen Sieg ausgiebig feiern könnten, wenn wir nicht um unsere Toten trauern würden“, sagte die Oppositionspolitikern Asar Mansuri.

Während des Spiels gegen Wales kam es laut Aktivisten erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen im Südosten des Landes. In der Stadt Sahedan soll es auch wieder Tote gegeben haben. Auf den Titelseiten der iranischen Tageszeitungen am Samstag dominierte jedoch der Fußball. „Willkommen zurück zur WM“, schrieb die Tageszeitung „Shargh“. „Iran ist wieder da“, meinte „Shahrvand“, und für die „Etemad“ war es „der beste Sieg nach der schlimmsten Niederlage“.

Der Iran hatte sein Auftaktspiel gegen England mit 2:6 verloren. Das Team braucht im nächsten Spiel am Dienstag nur ein Remis gegen die USA für das Weiterkommen. Aber das Spiel gegen den politischen Rivalen – laut islamischer Politführung im Iran der „große Satan“ - ist kein normales Spiel und wird wieder zu einem Politikum. dpa

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