Für 90 Tage

FIFA-Skandal: Sepp Blatter und Michel Platini suspendiert

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Die FIFA-Ethikkommission hat Präsident Sepp Blatter suspendiert.

Zürich - Die FIFA-Ethikkommission hat Fußball-Weltverbandspräsident Joseph Blatter und UEFA-Chef Michel Platini für jeweils 90 Tage vorläufig gesperrt.

Im größten Beben der Fußball-Geschichte hat es nun auch Joseph Blatter und Michel Platini erwischt. Die FIFA-Ethikkommission sperrte den Fußball-Weltverbandspräsidenten und den UEFA-Chef vorläufig für jeweils 90 Tage. Dieser Bann könne noch um maximal 45 Tage ausgedehnt werden, während dieser Zeit seien beide Top-Funktionäre von allen Fußball-Aktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene ausgeschlossen, teilte die rechtsprechende Kammer unter Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert am Donnerstag mit. 

Nach Angaben seines Berates wird Blatter keinen Einspruch gegen die Sperre einlegen. „Nein, es hat gar keinen Sinn das zu strecken“, sagte Klaus J. Stöhlker der Deutschen Presse-Agentur. „Er wurde jetzt fußballerisch gesagt an die Seitenlinie gestellt und er wird in 90 Tagen wieder da sein, denn er muss den großen FIFA-Kongress vorbereiten. Es spricht nichts dagegen, die Sperre kann 45 Tage verlängert werden, aber das ändert nichts.“

So reagieren Funktionäre, Sportler und Experten auf die Suspendierung von Sepp Blatter.

Angeblich wurde Blatter vor seiner Sperre durch die FIFA-Ethikkommission nicht angehört. „Präsident Blatter war enttäuscht, dass die Ethikkommission nicht dem Ethik- und Disziplinarcode gefolgt ist, welche die Möglichkeit einer Anhörung beinhalten“, teilten seine Anwälte Lorenz Erni (Schweiz) und Richard Cullen (USA) mit. Im Ethikcode (Artikel 84.2) steht allerdings ausdrücklich, das eine erste Entscheidung auch ohne Anhörung der Parteien fallen kann.

Außerdem habe die Kommission ihre Entscheidung auf einem „Missverständnis“ der Aktionen der Schweizer Bundesanwaltschaft begründet, die „ein Ermittlungsverfahren eröffnet, aber keine Anklage erhoben haben“, schrieben die Anwälte. Blatter sei zuversichtlich, „Beweise“ präsentieren zu können, die „demonstrieren, dass er in keinerlei Fehlverhalten und Verbrechen involviert“ sei.

FIFA-Skandal: Neben Blatter und Platini müssen Valcke und Chung gehen

Zudem wurde FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke für 90 Tage suspendiert, teilte die Ethik-Kammer am Donnerstag mit. Der ehemalige südkoreanische FIFA-Vize-Präsident Chung Mong-Joon wurde für sechs Jahre aus dem Verkehr gezogen und muss 100 000 Schweizer Franken zahlen. 

Die Kammer begründete ihre Entscheidung mit dem Verdacht auf Verstöße des 79-jährigen Blatter gegen den FIFA-Ethikcode. Detaillierte Gründe darf das Gremium nicht veröffentlichen. 

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte vor zwei Wochen ein Strafverfahren gegen Blatter unter anderem wegen des Verdachts der „ungetreuen Geschäftsbesorgung“ eingeleitet. Im Kern geht es um eine Millionen-Zahlung an Platini und TV-Geschäfte mit dem früheren FIFA-Vize Jack Warner, der WM-Rechte für die Karibik für 600 000 Dollar und damit deutlich unter dem Marktwert erhalten haben soll.

Platini hatte für Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002 erst knapp neun Jahre später von Blatter zwei Millionen Schweizer Franken erhalten. 2011 unterstützten die UEFA-Verbände unter der Führung von Platini den Schweizer im Wahlkampf gegen den Katarer Mohamed bin Hammam. Platini wurde von der Schweizer Bundesanwaltschaft als Auskunftsperson vernommen.

Auswirkungen auf die nächste Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland hat die Suspendierung nach der Einschätzung der Verantwortlichen in Moskau nicht. Andere FIFA-Funktionäre würden Blatters Aufgaben übernehmen, sagte der russische Sportminister Witali Mutko der Agentur Tass zufolge. Die Entscheidung der FIFA-Ethikkommission schaffe aber eine „sehr schlechte Situation“, räumte Mutko ein.

FIFA-Skandal: Hayatou als Interimspräsident bestätigt

Wie die FIFA in einer offiziellen Erklärung bestätigte, übernimmt Vizepräsident Issa Hayatou (Kamerun) interimsweise Blatters Amtsgeschäfte. Der afrikanische Funktionär musste sich in der Vergangenheit allerdings selbst immer wieder mit Korruptionsvorwürfen auseinandersetzen. Zuletzt berichtete die ARD über eine Millionen-Zahlung an den Kameruner, damit dieser im Dezember 2010 für Katar als Ausrichter der WM 2022 stimmt. Dafür gebe es Zeugen. 

Der 69 Jahre alte Hayatou bestätigte dann wenig später auch, dass er „nur interimsweise“ das Amt bekleiden und für den außerordentlichen Kongress am 26. Februar 2016 „nicht als Kandidat zur Verfügung stehen“ werde. Bis zu diesem Zeitpunkt, versicherte Hayatou, wird er sich „für das Wohl der Organisation, der Mitgliedsverbände, der Mitarbeiter, der Partner und der Fußball-Fans weltweit einsetzen“. Die FIFA werde den eingeschlagenen Reformprozess weiterführen und mit den Behörden kooperieren, „weil das wichtig ist, um das öffentliche Vertrauen wieder zu gewinnen“.

FIFA-Skandal: Was wird aus Platinis Bewerbung?   

Für Platini bedeutet die Strafe das fast sichere Aus in seinen Ambitionen auf die Nachfolge von Blatter. Der Franzose wird satzungsgemäß vorläufig vom Spanier Ángel María Villar als Chef der Europäischen Fußball-Union vertreten. Trotzdem will er um seine Kandidatur als Chef des Fußball-Weltverbands kämpfen. Er habe am Donnerstagmorgen die nötigen Unterstützerstimmen für eine Bewerbung eingereicht, teilte der Franzose in einem schriftlichen Statement mit. Mit der Sanktion ist der 60-Jährige noch nicht automatisch aus dem Rennen als FIFA-Chef. Allerdings müsste er eine Prüfung durch die Wahlkommission überstehen - schwer vorstellbar, dass dies als suspendierter Präsident der Europäischen Fußball-Union gelingen würde.

Platini machte deutlich, er würde „sich nicht aufhalten lassen, dass die Wahrheit bekannt“ werde. Blatter hatte am Mittwoch ein kurioses Interview gegeben und daran festgehalten, in jedem Fall bis zum 26. Februar 2016 im Amt bleiben zu wollen. Für ihn und für die FIFA. Der Weltverband aber lässt ihn nicht mehr.

dpa/SID

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