Akkreditierung entzogen

EM-Skandal: ARD-Journalist darf nicht von Turnier berichten

Dem ARD-Journalisten Robert Kempe wurde die Akkreditierung von den russischen Behörden entzogen.
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Dem ARD-Journalisten Robert Kempe wurde die Akkreditierung von den russischen Behörden entzogen.

Kurz vor dem Start der EM 2021 wurde eine ARD-Journalisten die Akkreditierung entzogen. Dieser hatte zuvor kritisch über die UEFA und Russland berichtet.

Köln - Wie schon bei der vergangenen Weltmeisterschaft in Russland wurde einem deutschen Journalisten die Akkreditierung verweigert. Die russischen Behörden wiesen den Antrag des ARD-Journalisten Robert Kempe ab, obwohl die Europäische Fußball-Union (UEFA) die Akkreditierung zuvor bestätigt hatte. Grund dafür ist ein „Hintergrund-Screening“, wie ihm schriftlich mitgeteilt wurde. Das berichtet die Sportschau. Die Ostsee-Stadt St. Petersburg ist einer der elf Austragungsorte der paneuropäischen Fußball-EM*.

EM 2021: ARD-Journalist wird Akkreditierung entzogen - „Sehen Einschränkung der Pressefreiheit“

Die Reaktionen aus Deutschland folgten prompt. „Wir sehen darin eine Einschränkung der Pressefreiheit, die für uns nicht akzeptabel ist“, urteilte WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni. Kempe sei „ein exzellenter und unbescholtener Journalist“, fügte sie hinzu und appellierte an die Behörden. „Wir fordern Russland dazu auf, für Aufklärung zu sorgen und unserem Kollegen freien Zugang zu den russischen Venues zu gewähren, damit er seiner Arbeit als Journalist vor Ort nachgehen kann.“ Der Berichterstatter war an einer Vielzahl von Dokumentationen und Magazin-Beiträgen beteiligt, unter anderem für die Sportschau oder das investigative Format Sport inside.

Speziell an Kempes Recherchen zu den komplexen Verbindungen zwischen dem russischen Staatskonzern Gazprom* und der UEFA könnte sich Russland stören. Das größte Erdgasförderunternehmen der Welt ist nicht nur Anteilseigner bei Zenit St. Petersburg, sondern auch einer der Sponsoren der Europameisterschaft. „Die Verbindung zwischen Gazprom und der UEFA sind eng, sie gehen aus meiner Sicht auch über ein ganz normales Sponsorenverhältnis hinaus“, wird Kempe im Sport-inside-Podcast zitiert.

EM 2021: Kempe recherchierte zu Gazprom-Verbindungen in der UEFA - WDR prüft Einreisemöglichkeiten

Aufgrund seiner Recherchen gilt Kempe als äußerst kritischer Beobachter, im Podcast legte er die zahlreichen Verbindungen wischen Konzern und UEFA dar. „Die letzten russischen Funktionäre in der UEFA hatten alle eine Gazprom-Verbindung: Sergej Fursenko war bis Mitte der 2010er-Jahre in der UEFA-Exekutive und Direktor einer Gazprom-Tochter. Danach Witali Mutko, der russische Sportminister und ehemalige Präsident von Zenit St. Petersburg. Und nun Aleksander Dyukov, der seit diesem Jahr in der UEFA-Exekutive sitzt und - überraschenderweise - Vorstandsvorsitzender einer Gazprom-Tochter ist“, erläuterte Kempe die Verwicklungen.

Der Otto-Brenner-Preisträger berichtete außerdem über Themen wie die Annexion der Krim und war bei der letzten Weltmeisterschaft als Teil eines Autorenteams an einer Enthüllungsstory beteiligt. So deckte er mit seinen Kollegen auf, dass nordkoreanische Arbeiter am Bau des Moskauer Luschniki-Stadion - dem WM-Endspielort 2018 - beteiligt waren. Der Einsatz der Arbeiter wurde auch von den Vereinten Nationen heftig kritisiert.

Eine Akkreditierung für Pressevertreter bei der WM vereinfachen das Visum-Verfahren. Nun setzt sich der WDR für eine alternative Einreisemöglichkeit nach Russland* für seinen Journalisten ein. (ajr) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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