Beim 1:1 gegen Ungarn

Skandal bei Frankreich-Spiel: Reporter deckt grässliche Details auf

Unschöne Szenen in Budapest: Beim EM-Spiel Ungarn gegen Frankreich sollen französische Spieler rassistisch beleidigt worden sein - vom Hooligan- und Neonazi-Block „Carpathian Brigade“?

Budapest - Am Samstag (19. Juni) sorgte die ungarische Fußballnationalmannschaft für eine Sensation bei dieser Europameisterschaft*. Gegen Weltmeister Frankreich erkämpfte sich der Underdog ein 1:1. Einen Tag nach dem packenden wie stimmungsvollen Spiel werden nun aber unrühmliche Begleiterscheinungen laut.

EM 2021: Rassismus im Stadion? Frankreich-Profis offenbar übel angefeindet

Französische Fußballer* sind von einigen Fans in der Budapester Puskas-Arena teils wüst beschimpft worden. Wenn Stürmer Kylian Mbappé am Ball war, ertönten immer wieder Affenlaute von den Rängen. Dies berichtete ein dpa-Reporter aus dem Stadion. Angreifer Karim Benzema, der algerische Wurzeln hat, wurde demnach ebenfalls vereinzelt verbal angepöbelt. Wie die französische Sportzeitung L‘Équipe schreibt, sei es auch zu Affenlauten gekommen, wenn die Mittelfeldspieler N‘Golo Kanté und Paul Pogba am Ball waren.

Bereits beim ersten Gruppenspiel in Budapest hatten portugiesische Medien berichtet, dass Superstar Cristiano Ronaldo* von manchen Zuschauern in der Puskas Arena übel angefeindet wurde. Jeweils mehr als 55.000 Besucher, mehrheitlich ungarische Fans*, waren bei den beiden Spielen im Stadion*.

EM 2021: „Carpathian Brigade“ im Fokus - „Eine paramilitärische Gruppe aus Neonazis“

Ein französischer Fotograf schilderte der L‘Équipe, die Affenrufe kämen vom Block hinter dem Tor. In der ungarischen Hauptstadt ist insbesondere dieser schwarz gekleidete Mob für die Stimmung im Stadion verantwortlich. Dabei handelt es sich um die „Carpathian Brigade“, einem Zusammenschluss eigentlich verfeindeter Ultragruppierungen, die bei der Nationalmannschaft „gemeinsam für Ungarn“ im Stadion stehen und sich die alten Territorien von Großungarn zurückwünschen. Die teilweise aus gewalttätigen Hooligans bestehende Gruppe sah sich in der Vergangenheit immer wieder mit dem Vorwurf rechtsextremer Einstellungen konfrontiert.

„Das ist eine paramilitärische Gruppe, die aus Neonazis besteht“, erklärte Bálint Josá, Gründer der ungarischen Organisation „Szubjektív Értékek Alapítvány“ („Stiftung für subjektive Werte“) 2016 dem Vice-Magazin. „Sie sind die gewalttätigste und auch einflussreichste Gruppe in der Kurve.“ Die Mehrheit der Menschen im Stadion seien keine Neonazis, erklärt der Experte, „aber das große Problem ist, dass die lautesten, die stärksten und die sichtbarsten Hooligans und Ultras alle Neonazis sind.“

EM 2021: Prügeleien und Hitlergruß - „Carpathian Brigade“ fällt schon 2016 negativ auf

Schon bei der letzten Europameisterschaft 2016 war die „Carpathian Brigade“ negativ aufgefallen. In Frankreich prügelten sich die Hooligans auf offener Straße und zeigten während der Spiele den Hitler-Gruß. Vor dem ersten EM-Spiel gegen Portugal kam es darüber hinaus zu einem organisierten Fanmarsch. Im Internet kursieren Bilder, die rassistische Banner zeigen.

Interessant ist derweil, dass die Tickets bei EM-Spielen eigentlich kontingentiert und verlost werden. Der „Carpathian Brigade“ gelang es aber sowohl gegen Portugal* als auch Frankreich, sich gemeinsam hinter dem Tor zu positionieren. Die Hardcore-Fans haben im Stadion einen großen Einfluss. Wohl auch deshalb werden ihre Aktionen von der Mehrheit der Stadionbesucher toleriert.

Die „Carpathian Brigade“ im EM-Auftaktspiel gegen Portugal.

EM 2021: Volles Stadion dank Orban - nur in Ungarn sind die Spiele ausverkauft

Budapest ist der einzige Austragungsort* dieser EM*, wo vor ausverkauftem Publikum gespielt wird. Das liegt neben der mittlerweile vergleichsweise entspannten Corona-Lage insbesondere auch an Machthaber Viktor Orban, der in jüngere Vergangenheit immer wieder den Schulterschluss mit der Uefa gesucht und die Puskas Arena für Champions-League-Spiele oder den Uefa-Supercup zur Verfügung gestellt hatte.

Der Ministerpräsident inszeniert sich gerne als Mann des Volkes und versucht, seine Macht durch den organisierten Sport zu sichern. „Er ist der festen Überzeugung, dass Sport im Besonderen den Gemeinschaftsgeist und den Nationalstolz stärkt“, zitiert die Zeit den regierungskritischen Journalisten János Kele. „Zudem sollte man wissen, dass ein Eckpfeiler der Politik der Fidesz-Partei (Regierungspartei, dessen Vorsitzender Orban ist, d. Red.) darin besteht, ständig herauszuheben, dass die Ungarn dazu bestimmt sind, Großartiges im Leben zu leisten – beispielsweise bei der Ausrichtung großer Turniere.“ (as) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Anthony Bibard via imago-images

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