Montagsinterview

100 Zuschriften für eine Wohnung in Ohligs

Sollten die Zinsen steigen, dann können auch viele Solinger Hausbesitzer ihre Kredite nicht mehr finanzieren, warnt Max Schunke, Vorsitzender der „Haus- und Grund-Gemeinschaft“ in Ohligs. Foto: Christian Beier
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Sollten die Zinsen steigen, dann können auch viele Solinger Hausbesitzer ihre Kredite nicht mehr finanzieren, warnt Max Schunke, Vorsitzender der „Haus- und Grund-Gemeinschaft“ in Ohligs.

Im aktuellen Solinger Bauboom sieht der Haus- & Grund-Vorsitzende Max Schunke Chancen und Gefahren für die Stadt.

Von Stefan Prinz 

Herr Schunke, in Solingen wird derzeit kräftig gebaut. Freut Sie das?

Schunke: Ja, als Haus- & Grundgemeinschaft freut uns das natürlich. Denn wir brauchen in Solingen dringend modernen Wohnraum.

Wie groß ist denn die Nachfrage nach Mietwohnungen in den Stadtteilen?

Schnunke: Wenn wir eine Mietwohnung in Ohligs anbieten, dann sind 100 Zuschriften keine Seltenheit mehr. Wenn wir dagegen eine Wohnung in der Stadtmitte inserieren, bekommen wir im Schnitt acht Zuschriften.

Was genau wird derzeit verstärkt gebaut?

Schunke: Derzeit werden besonders viele Eigentumswohnungen gebaut. Das bedeutet, es wird für eine Käuferschicht gebaut, die sich solche hochwertigen Wohnungen leisten können.

Ist das gut oder schlecht für den Wohnungsmarkt?

Schunke: Grundsätzlich ist das zunächst einmal gut. Denn mit dem Kauf einer Eigentumswohnung ist auch eine gewisse Sesshaftigkeit verbunden. Wer Eigentümer einer Immobilie ist, die er bewohnt, zieht nicht so schnell um.

Worin sehen Sie da einen Vorteil?

Schunke: Die Menschen sind mobiler geworden, sie wechseln auch öfter ihren Arbeitsplatz. Damit sind oft zahlreiche Umzüge verbunden. Das spüren wir als Immobilieneigentümer sehr nachteilig. Früher haben Mietverhältnisse oft 30 oder 40 Jahre gedauert. Heute dagegen werden die Mietverhältnisse dagegen immer kürzer. Die Eigentumswohnungen bewirken dagegen eher einen einen gegenteiligen Trend. Das bedeutet, diese Bewohner leben auch wieder stärker in der Stadt und nutzen sie nicht nur als Schlafort. Daraus erwachsen aber natürlich ganz andere Probleme.

Welche Probleme meinen Sie?

Schunke: Wer hier dauerhaft wohnt und seine Freizeit verbringt, erwartet auch ein entsprechendes Angebot. Da sehe ich die Stadt in der Pflicht, dieses zu ermöglichen.

Sie meinen damit, dass Solingen sein Kultur- und Freizeitangebot verbessern muss, damit die Menschen hier auch ihre Freizeit verbringen wollen?

Schunke: Ja, das kann man so sagen. Wobei ich das nicht pauschal für das ganze Stadtgebiet gelten lassen möchte.

Wo ist denn das Kultur- und Freizeitangebot so, wie Sie sich es wünschen?

Schunke: In Ohligs tut sich schon eine ganze Menge. Das kann man nicht anders sagen. Gerade in den vergangenen beiden Jahren ist hier viel Neues entstanden. Das ist aber auch dringend notwendig. Größere Probleme gibt es dagegen in der Solinger Innenstadt, besonders in der Fußgängerzone. Da muss sich noch einiges tun.

Viele der neuen Wohnungen sind ziemlich teuer. Ist das problematisch?

Schunke: Ja, sicher ist das problematisch. Denn der staatlich geförderte Wohnungsbau, also der Bau günstiger Wohnungen, kommt derzeit zu kurz. Die öffentliche Hand müsste in diesem Bereich mehr Anreize setzen, damit Investoren auch günstige Wohnungen schaffen. Denn ansonsten bauen diese lieber hochpreisige Eigentumswohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt. Das ist für Investoren attraktiver.

Wo bleiben denn die Menschen, die sich diese neuen teuren Wohnungen nicht leisten können?

Schunke: Genau das ist das Problem. Entweder gehen die in den Altbestand, der noch auf dem Markt ist. Aber es darf doch nicht sein, dass eine Zweiklassengesellschaft der Mieter entsteht. Mit der Folge, dass diejenigen, die es sich leisten können, in Neubauwohnungen ziehen und die Ärmeren nur noch in Altbauten unterkommen.

Wie lässt sich das verhindern?

Schunke: Es wäre wünschenswert, dass der staatlich geförderter Wohnungsbau auch im eher hochpreisigen Bereich stattfindet.

Wie schätzen Sie denn die aktuelle Wohnungssituation ein?

Schunke: Derzeit würde ich in Solingen noch von einer gesunden Mischung zwischen Altbestand und neuen Wohnungen sprechen. Aber je mehr gebaut wird, desto stärker steigt der Anteil hochpreisiger Wohnungen.

Wann ist denn das Ende dieser Entwicklung erreicht?

Schunke: Derzeit kann ich da keine Trendwende erkennen. Die Preise für Neubauten werden weiter steigen. Wir sind derzeit in Solingen bei Neubaukosten in Höhe von 3000 bis 4000 Euro pro Quadratmeter. Selbst in der Solinger Innenstadt wird in diesem Preisrahmen gebaut.

Aber irgendwann wird sich das doch niemand mehr leisten können?

Schunke: Na ja, was auf jeden Fall nicht passieren darf ist, dass die Zinsen steigen. Dann geraten viele Finanzierungspläne ins Wackeln. Und wer dann nicht langfristig finanziert hat, wird sich das dann nicht mehr leisten können. Dann werden ganz viele Immobilien auf den Markt kommen.

Sie loben die Entwicklung in Ohligs. Welcher Solinger Stadtteil fällt denn dagegen ab?

Schunke: Ohligs und Aufderhöhe profitieren vom Zuzug aus Düsseldorf und Köln, weil sich viele die Preise dort nicht mehr leisten können. Der Vorteil von Ohligs ist auch die gute Verkehrsanbindung. Das macht den Stadtteil zusätzlich attraktiv.

ZUR PERSON

FUNKTION Max Schunke ist gebürtiger Solinger und seit 35 Jahren Rechtsanwalt. Der 67-Jährige ist Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentum. Seit 15 Jahren ist er Vorsitzender von Haus & Grund in Ohligs.

VERBAND Haus & Grund ist der Zentralverband der deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer. Deutschlandweit gibt es 900 Ortsverbände mit 900 000 Mitgliedern.

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