Wohnstätte

Zusammenhalt ist jetzt besonders groß

Lena Tofahrn (l.) betreut gemeinsam mit Kim Leithäuser (r.) unter anderem die Bewohner Slim Haupt und Yesim Özen. Foto: Christian Beier
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Lena Tofahrn (l.) betreut gemeinsam mit Kim Leithäuser (r.) unter anderem die Bewohner Slim Haupt und Yesim Özen.

Bewohner der Behinderten-Heimstätte berichten aus ihrem Alltag.

Von Stephanie Licciardi

Solingen. Der Zusammenhalt unter den Bewohnern und Betreuern sei sehr gewachsen. Da sind sich Slim Haupt und Yesim Özen einig. Beide leben im Wohnhaus der Behinderten Heimstätte Solingen (BHS) an der Friedrich-Ebert-Straße und sind seit dem 15. März zu Hause. „Am Anfang war es sehr schwierig für mich zu verstehen, dass ich jetzt zu Hause bleiben muss. Dass ich nicht mehr zur Arbeit kann, nicht mehr raus darf und meine Familie nicht sehe“, erzählt Yesim Özen.

Betreuerin Lena Tofahrn ist im Rahmen der Kooperation mit der Lebenshilfe Solingen e.V. in der Wohnstätte an der Friedrich-Ebert-Straße seit Anfang April für die Bewohner zuständig. Sie arbeite sonst in der Lebenshilfe-Werkstatt an der Freiheitstraße, berichtet sie. „Nun bin ich hier, um das Personal zu unterstützen und um die Bewohnerinnen und Bewohner zu betreuen.“ Es sei eine gänzlich andere Erfahrung für sie, die Bewohner nun im häuslichen Umfeld zu erleben.

„Der Zusammenhalt hier ist enorm.“

Lena Tofahrn, Betreuerin

Lena Tofahrn spendet ihren Schützlingen Trost in Zeiten von Besuchsstopps für Familien und Angehörige, erledigt Einkäufe und versucht, das auf das Wohnheim beschränkte Alltagsleben abwechslungsreich zu gestalten. „Gestartet sind wir mit einer Aufräum- und Plakataktion“, erzählt Tofahrn weiter. Auch Musik und Tanz, hausinterne Konzerte, Spieleabende, Müllsammel-Aktionen in der nahe gelegenen Parkanlage und sportive Angebote kommen nicht zu kurz. Auch kleinere Reparaturen erledigt sie. Die „familiäre Stimmung im Haus“ schätzt sie sehr. „Ich hatte anfangs die Befürchtung, dass die Stimmung hier eher schlecht sei“, gesteht die Lebenshilfe-Mitarbeiterin. „Dem war aber nicht so, ganz im Gegenteil. Der Zusammenhalt hier ist enorm.“

Dennoch treibt Personal wie Besucher die Angst um, sich und andere mit dem Virus anzustecken. „Das ist meine größte Angst“, schildert Slim Haupt. „Dass ich andere mit dem Coronavirus anstecken und dadurch gefährden könnte.“ Ihm fehlen der Arbeitsalltag und Freizeitaktivitäten mit seiner Freundin.

Beide Bewohner seien viel und gerne draußen unterwegs. Ihre Familien können sie durch erste Lockerungen treffen. Hausleiterin Kim Nicole Leithäuser: „Wir haben seit einiger Zeit Möglichkeiten geschaffen, dass sich Familienangehörige für einen Besuch zwischen 30 und 45 Minuten anmelden können. Sitzgelegenheiten dafür gibt es im Garten oder in der Rollstuhl-Garage.“ Betreuerin Lena Tofahrn weiß aus ihrem Alltag: „Es ist schwer für das Personal und die Bewohner. Dennoch ist es, schön zu sehen, wie sehr wir alle an einem Strang ziehen, dass Regeln eingehalten werden.“

Im Außenbereich müssen Bewohner der Einrichtung einen Mundschutz tragen; auch Hygieneregeln seien selbstverständlich geworden. „Unsere Betreuer geben sich wirklich große Mühe, den Alltag hier abwechslungsreich zu gestalten“, loben die Bewohner. Sie sind schon jetzt traurig, weil Lena sie irgendwann wieder verlassen wird.

BHS Solingen e.V.

1967 gegründet, ist die Behinderten-Heimstätte Solingen e.V. eine Selbsthilfeorganisation für Menschen mit geistiger oder Mehrfachbehinderung. Rund 120 Menschen werden derzeit betreut. Das Wohnheim an der Friedrich-Ebert-Straße ist eines von sechs Wohneinheiten und hat aktuell 24 Wohnplätze.

behinderten-heimstaette.de

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