Die Woche von Björn Boch

Zumindest eine Welle ist bislang ausgeblieben

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de
+
bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Manchmal ist es gut, wenn bestimmte Dinge mit Verspätung eintreten – oder am besten gar nicht.

Die Rede ist von düsteren Prognosen. Schon Mitte des vergangenen Jahres erwarteten Experten – auch im Bergischen – für die Wirtschaft einen schwierigen Herbst und Winter mit bedrohten Unternehmen. Sicher, nicht alle haben es geschafft, aber die große Pleitewelle ist – im Gegensatz zur zweiten und dritten Coronawelle – bislang ausgeblieben. Und vorerst scheint es so weiterzugehen: Obwohl die Lockerungen im Insolvenzrecht vor zwei Monaten zurückgenommen wurden, gab es keinen starken Anstieg.

Diese frohe Botschaft verbreitete in dieser Woche die Creditreform – und war selbst überrascht über die guten Zahlen. Einen Anstieg gab es gar bei den Firmengründungen, wobei hier noch abzuwarten ist, wie nachhaltig das sein wird. Bereits bewiesen wäre aber: Die bergischen Firmen sind widerstandsfähig. Diese derzeit so vielzitierte Resilienz brauchen Unternehmerinnen und Unternehmer ohnehin immer, nicht nur in Krisenzeiten. Doch nun zeigt sich: Wer vor einer Krise eine gesunde Firma hatte, der kann da durchkommen – zumindest meist ohne akute Existenzgefährdung.

Wesentlich geholfen hat dabei ein sonst gar nicht so beliebter Akteur: der Staat. Oft gescholten für Regulierungswut, Bürokratie und hohe Steuerlast, haben die staatlichen – und in einigen Fällen auch stattlichen – Hilfen häufig das Schlimmste verhindert. Und damit Firmen neben Geld auch Zeit verschafft. Ja, längst nicht alles lief dabei rund, Anträge hätten einfacher gestaltet sein müssen, manche kamen gar nicht zum Zug. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Regeln oft gemacht werden müssen, weil zu wenig Kontrolle sofort ausgenutzt wird. Die Coronahilfen waren auch ein Fest für Betrüger.

Der Staat hat sich in der Pandemie weiter verschuldet. Auch Solingen sitzt auf einem Schuldenberg, der noch einmal deutlich angewachsen ist. Den nominellen Überschuss im Haushalt kann man wörtlich nehmen: „nur dem Namen nach bestehend“, ein vom Land gewünschter Trick in der Bilanz. Die gute Nachricht: Es war schon schlimmer. Schon auf die Finanzkrise 2008 folgten schmerzhafte Sparpläne – zum Glück wurden längst nicht alle umgesetzt. Bis zur Coronakrise folgte eine kontinuierliche Verbesserung der Haushaltszahlen, die sogar der Bund der Steuerzahler wohlwollend zur Kenntnis nahm.

Das alles soll nicht heißen, dass die Lage nicht ernst sei. Aber sie ist nicht hoffnungslos. Unter den richtigen Rahmenbedingungen ist schnelle Erholung möglich – ohne Kaputtsparen. Zu viel zu tun gibt es zum Beispiel noch bei der Digitalisierung. Deren Wichtigkeit wurde auch vielen Unternehmerinnen und Unternehmern erst in der Krise so richtig bewusst. Vieles, was eigentlich schon längst zusammenhängt, muss dennoch erst miteinander vernetzt werden. Und sollten tatsächlich schon in einigen Jahren smarte Mobilität und selbstfahrende Autos unser Leben prägen, dann können die Glasfaserleitungen, die verlegt werden, gar nicht dick genug sein.

TOP Computer für bedürftige Kinder und Jugendliche: Daniel Marks erhält den Bürgerpreis

FLOP Schlechte Finanzen, noch schlechtere Radreifen: Abellios „Müngstener“ droht der Totalausfall

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Weinverkauf für Opfer der Flutkatastrophe
Weinverkauf für Opfer der Flutkatastrophe
Weinverkauf für Opfer der Flutkatastrophe
Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Impfaktion für Jugendliche schon am Freitag ein Erfolg
Impfaktion für Jugendliche schon am Freitag ein Erfolg
Impfaktion für Jugendliche schon am Freitag ein Erfolg
Solinger Dezernentin will mehr Rechte für Geimpfte
Solinger Dezernentin will mehr Rechte für Geimpfte
Solinger Dezernentin will mehr Rechte für Geimpfte

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare