Konzert

Zuhörer erleben ein bewegendes Konzert

Für die Musiker um Sopranistin Anna Graf (l.) gab es im Meistermannsaal kräftigen Beifall. Foto: Christian Beier
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Für die Musiker um Sopranistin Anna Graf (l.) gab es im Meistermannsaal kräftigen Beifall.

Das Echospore Ensemble präsentierte im Zentrum für verfolgte Künste Werke bedrohter Komponisten.

Von Jutta Schreiber-Lenz und Philipp Müller

Schon zur Pause spendete das Publikum im Meistermannsaal des Zentrums für verfolgte Künste nicht enden wollenden Beifall. Am Schluss, nach nahezu drei Stunden bewegender Klangfülle, gab es erst recht begeisterten Applaus für das Echospore Ensemble der Hochschule für Musik und Tanz Köln/Wuppertal.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Florence Millet, die beim Klavierquartett Es-Dur op. 87 von Antonín Dvorák selbst die Tasten anschlug, präsentierte die internationale Gruppe ausgesuchte Werke von Komponisten, die im Dritten Reich von den Nationalsozialisten geächtet, verfolgt oder gar ermordet wurden. Viele der am Samstag mit ihren Stücken vorgestellten Musikschaffenden starben in NS-Konzentrationslagern.

Mit dabei waren neben bekannten Namen auch weniger berühmte, die sich als regelrechte Kleinodien entfalteten. Ilse Weber etwa arbeitete im Lager Theresienstadt als Kinderkrankenschwester und hatte ihren Sohn vor Beginn des Krieges mit einem Zug alleine ins sichere Ausland geschickt. Die von ihr im Lager verfassten Lieder „Und der Regen rinnt“ und „Wiegala“ sind in wehmütiger Sehnsucht an ihn entstanden und stachen den Zuhörern regelrecht in Herz, wie Florence Millet richtig vorausgesagt hatte.

Aber nicht alle Klänge des musikalischen Abends waren traurig. Trotz ihrer schweren Schicksale schienen viele der vorgestellten Komponisten, das Leben mit ihrer Musik zu feiern. Intensiv, voller Energie und impulsiv etwa waren die beiden Sätze der „April Preludes“ von Vítezslava Kaprálová für Klavier, mit denen das Echospore sein Publikum zu Beginn auf das Weitere einstimmte. Zum Schmunzeln veranlasste Alexander Breitenbach mit zwei aus fünf Pittoresken für Klavier von Erwin Schulhoff, der die Verzweiflung beim Komponieren pantomimisch darstellte. Gebannt und fasziniert ließ sich das Auditorium in die Klangwelt der Moderne entführen und genoss virtuoses und souveränes Spiel und die bemerkenswert starke und sensible Stimme von Sopranistin Anna Graf.

“7Places.org“ ist für das Zentrum als Erfolgsgeschichte anzusehen

Das Konzert im Meistermann-saal wird Teil der Ausstellung „7Places.org“, erklärte Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter. Die Ausstellung wurde zunächst für das Internet konzipiert und orientiert sich am Gedenkjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Auf einem Zeitstrahl wird die Geschichte der jüdisch glaubenden Bevölkerung in Deutschland seit dem Jahr 321 erzählt. Damals wurde die jüdische Gemeinde in Köln durch die römische Regierung offiziell anerkannt.

Natürlich geht der Zeitstrahl bis in die Neuzeit und setze einen Schwerpunkt bei der Vernichtung der Juden durch die Nazis. Hier knüpft die aktuelle Entwicklung der Ausstellung an. Am 10. November zeigt das Goethe-Institut in Hongkong einige Tafeln mit Abbildungen des digitalen Zeitstrahls. „Sie wollten die Ausstellung unbedingt real erlebbar machen“, erklärte Kaumkötter. Deshalb gibt es in der Metropole im Goethe-Institut auch Video-Installationen zu sehen, die die Interviews aus der digitalen Ausstellung aufgreifen.

Zugleich werde die Schau um Schicksale jüdischer Emigranten erweitertet, die in Hongkong Schutz fanden. Das deutsche Generalkonsulat hat zur Eröffnung eingeladen. Die Schau werde auch in Schulen und der Universität in Hongkong gezeigt. Eine weitere Station könnte Shanghai sein.

„7Places.org“ ist für das Zentrum als Erfolgsgeschichte anzusehen. Das Museum konzipierte nicht nur die Schau und organisierte die Veröffentlichung. Mit den Vereinten Nationen wurde auch ein Partner gefunden, der weltweit für das Projekt warb. Bis heute besuchten 500 000 Menschen die Seite der Ausstellung. Das Konzert findet sich folglich als Aufzeichnung ab dem 10. November auf der Seite von „7Places.org“ wieder.

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