Waldbesetzern liegt jeder Baum am Herzen

Die Waldbesetzer leben seit Sommer 2019 im Osterholz, einem Wald am Rande Gruitens. Sie wollen ihn vor der Rodung zu schützen. Symbolfoto: David Young/dpa
+
Die Waldbesetzer leben seit Sommer 2019 im Osterholz, einem Wald am Rande Gruitens. Sie wollen ihn vor der Rodung zu schützen. Symbolfoto: David Young/dpa

Protestaktion läuft seit Sommer 2019 in Haan-Gruiten

Von Karlotta Schirmer, 8e, Friedrich-Albert-Lange-Schule

Schon eine Weile laufe ich durch den nebligen Wald, als ich plötzlich Gänsegeschnatter höre und ahne, dass ich angekommen sein muss im Baumhauslager im Osterholz. Kautz, einer der Waldbesetzer, ist nun auch wachgeworden und begrüßt mich von oben aus seinem Baumhaus. Auch hier im Wald beginnt der Tag mit einem heißen Kaffee. Und schon sitze ich mit Kautz in der Waldküche am Gaskocher, umgeben von vielen Essensvorräten und einem Wasserkanister.

Kalt ist es noch so früh am Morgen, und so erzählt Kautz mir gleich, wie er sich aufwärmt, wenn er nach einer regnerischen Dezember-Nacht im Baumhaus aus dem Schlafsack krabbelt. „Viel heißen Tee und Kaffee trinken und abends heiße Steine aus dem Lagerfeuer mit in den Schlafsack nehmen. Tagsüber hingegen ist die Kälte kein Problem, denn es gibt immer etwas zu tun“, sagt er. „Wir suchen passendes Bauholz, bauen neue Baumhäuser und spannen Klettersicherungen zwischen den Bäumen. Denn im Falle einer Räumung müssen wir uns oben sicher und schnell bewegen können, um der Polizei zu entkommen.“

Die Waldbesetzer leben seit Sommer 2019 im Osterholz, einem Wald am Rande Gruitens. Sie wollen ihn vor der Rodung zu schützen. Ein Kalkunternehmen will hier sein Abbaugebiet erweitern und den Kalk, der sich vor mehr als 200 Millionen Jahren gebildet hat, abbauen. „Hier ist es noch schlimmer“, berichtet Kautz. „Es geht nicht nur darum, Kalk zu gewinnen, sondern den Abraum, also alles Gestein, das keinen Kalk enthält, dort abzulagern, wo jetzt der Wald steht.“ Und da fallen mir auch wieder die großen Halden ein, die schon rings um das Osterholz herum zu sehen waren, als ich hergekommen bin. Ein Transport des Abraums kostet dem Unternehmen zu viel Geld. Nun läuft ein Genehmigungsverfahren zur Waldrodung. Die Waldbesetzer aber wollen hierbleiben, bis der Wald gerettet ist.

Auf die Frage, was denn der Waldbesitzer eigentlich von der Besetzung hält, antwortet Kautz: „Er findet es nicht gut, dass wir hier sind, duldet uns aber. Ab und zu besucht er uns und macht auf Friede, Freude, Eierkuchen.“ Apropos Eierkuchen: Was hat es eigentlich mit den Gänsen auf sich, die unter den Baumhäusern laufen? „Die haben wir vor der Schlachtung gerettet“, berichtet Kautz. „Sie sind jetzt unsere Wachgänse und eine Art Türglocke für Gäste. Wir freuen uns hier immer über Besuch und erklären gerne, warum uns jeder Baum so am Herzen liegt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Udo Stock ist für 90 Mitarbeiter zuständig
Udo Stock ist für 90 Mitarbeiter zuständig
Zu viele Hausaufgaben? Kinder haben kaum Freizeit!
Zu viele Hausaufgaben? Kinder haben kaum Freizeit!
Unterschied zwischen Terror und Krieg
Unterschied zwischen Terror und Krieg
Faktencheck: Wie realistisch ist eigentlich „Alarm für Cobra 11“?
Faktencheck: Wie realistisch ist eigentlich „Alarm für Cobra 11“?
Faktencheck: Wie realistisch ist eigentlich „Alarm für Cobra 11“?

Kommentare