Videokameras sind in China fast überall

Videokameras sollen das Volk in China rund um die Uhr, teils sogar mit Gesichtserkennung, überwachen. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa
+
Videokameras sollen das Volk in China rund um die Uhr, teils sogar mit Gesichtserkennung, überwachen. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Zwei Solinger berichten von ihrer Zeit im „Reich der Mitte“

Von Paula Wacker, 8b, Humboldtgymnasium

Läuft man über eine rote Ampel, erscheint auf einem Monitor ein Bild des Gesichtes und darüber steht: Dieser Mensch ist über Rot gegangen. Was in Deutschland unvorstellbar scheint, ist in China Alltag.

„Ich musste den chinesischen Behörden schon vor meiner Einreise zahlreiche Angaben machen, von meiner Grundschulzeit bis hin zu Kontaktpersonen“, erklärt Tom B., der in einem lichtdurchfluteten Raum sitzt und ernst wird, als er per Videokonferenz über das Einholen eines Visums in China erzählt. Er studierte ein halbes Jahr in Shanghai. „Ich musste mich nach der Ankunft bei der Polizei melden“, erzählt auch die telefonisch interviewte Lia S., die drei Monate ihres Rechtsreferendariats beim Konsulat verbrachte.

„Man merkt sofort, dass in den Straßen sehr viel Überwachung stattfindet“, berichtet Tom B. und macht eine Pause. Laut offiziellen Medienberichten hat China bis zum Jahr 2020 mehr als 600 Millionen Kameras im ganzen Land installiert, die das Volk rund um die Uhr, teils sogar mit Gesichtserkennung, überwachen sollen. Allein Shanghai besitzt eine Million Videoüberwachungsanlagen. Lia S. erinnert sich, dass „manche Ampeln die Autos fotografierten“, um alle Bewegungen der Menschen genau nachzuverfolgen.

Soziale Netzwerke sind größtenteils verboten. Nur WeChat, das von den chinesischen Behörden streng überwacht wird, ist erlaubt. Diese dürfen auf Chats zugreifen und Gespräche abhören.

Jeder Bürger soll Punkte für sein Verhalten bekommen

Regelverstöße können fatale Folgen haben, denn China arbeitet an einem System, das jedem Bewohner einen bestimmten Wert an Punkten auf ein digitales Konto hinterlegt. Dort werden dann Pluspunkte für „gutes“ und Minuspunkte für „schlechtes Verhalten“ vergeben. Was gut und was schlecht ist, entscheidet die Regierung.

Hat ein Bürger zu viele Negativpunkte kassiert, wird er auf eine „schwarze Liste“ gesetzt. Derjenige wird dann in seinem Leben eingeschränkt, darf zum Beispiel „nicht mehr mit der Bahn fahren“ oder „mit dem Flugzeug fliegen“, erklärt Tom B. Zurzeit sind es nur Versuche in einzelnen Städten, die aber bald für das ganze Land gelten sollen.

In diesen Einschränkungen spiegelt sich auch das Verhalten der chinesischen Bevölkerung wider. „Fast niemand nimmt ein Wort in den Mund, das negativ gegenüber staatlichen Autoritäten wäre“, bemerkte Tom B. während seines Aufenthaltes. „Es gibt selten kritische Chinesen. Die meisten gehen Diskussionen aus dem Weg“, fiel auch Lia S. auf.

Vier Studenten wehrten sich an einer Universität in Shanghai dagegen, dass die Uni-Leitung das Motto „Streben nach Freiheit“ aus der Uni-Satzung streichen wollte, worauf sie noch am selben Tag der Uni verwiesen wurden. Dieser und viele weitere Fälle von Unterdrückung lassen nachvollziehen, warum so wenige Chinesen sich trauen, eine abweichende Meinung gegenüber der Regierung zu äußern.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Träume, die wirklich wahr werden?
Träume, die wirklich wahr werden?
Die Erfolgsgeschichte von Haribo – und wie alles begann
Die Erfolgsgeschichte von Haribo – und wie alles begann
Die Erfolgsgeschichte von Haribo – und wie alles begann
„Wuselig“ schaffte es bis Brasilien
„Wuselig“ schaffte es bis Brasilien
Die Entwicklung der Bedwarsszene
Die Entwicklung der Bedwarsszene

Kommentare