Trauernde müssen am Sarg Abstand halten

Der Sarg wird im Freien vor der Kapelle aufgebahrt. Wegen des Kontaktverbots sind maximal zehn Trauergäste zur Trauerfeier zugelassen. Foto: Bernd Reinzhagen
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Der Sarg wird im Freien vor der Kapelle aufgebahrt. Wegen des Kontaktverbots sind maximal zehn Trauergäste zur Trauerfeier zugelassen. Foto: Bernd Reinzhagen

Dach: Nur noch der engste Familienkreis darf zur Feier unter freiem Himmel kommen. Zwei Pfarrer berichten.

Von Anja Kriskofski

Der Sarg steht vor der Kapelle, die Trauernden stehen in gebührendem Abstand voneinander entfernt: Seit zwei Wochen gelten wegen der Corona-Pandemie auch für Trauerfeiern besondere Regeln. Diese dürfen nur noch im Freien und im engsten Familienkreis mit maximal zehn Trauergästen stattfinden. „Am Sarg eines lieben Menschens zu stehen, ist schwer“, sagt der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Wald, Bernd Reinzhagen. Durch die Einschränkungen werde es noch schwerer. Wo sonst mitunter 50, 70 oder 100 und mehr Menschen zu einer Beerdigung kämen, gebe es nun nur eine kleine Gruppe, ergänzt der katholische Stadtdechant Pfarrer Michael Mohr. „Die körperliche Nähe fällt weg. Das ist fast gespenstisch.“

Das fängt schon beim Trauergespräch an. Pfarrer Reinzhagen hat sechs Beisetzungen nach den neuen Regeln gehalten. Beim Besuch im Trauerhaus muss strikt auf Abstand geachtet werden. Es gibt keinen Handschlag, am Tisch sitzen Pfarrer und Trauernde voneinander entfernt: „Aber ich empfinde es als wichtig, sich in dieser Ausnahmesituation zu sehen.“Am Telefon sei es schwerer, zwischen den Zeilen zu lesen. Auch Pfarrer Mohr ist der Besuch zum Kondolenzgespräch wichtig, „wenn es die Angehörigen wünschen“.

Das Verständnis für die Maßnahmen sei da, sagt Bernd Reinzhagen. Dennoch seien gerade die ersten Beisetzungen schwierig gewesen, als die Regeln noch neu waren. Der Sarg werde im Eingangsbereich der Kapelle aufgebahrt oder davor im Freien. „Die Trauernden stehen darum herum. Das ist ein sehr intimer Kreis“, beschreibt der Walder Pfarrer. Die Ansprache sei direkter, die Atmosphäre persönlicher als bei „normalen“ Trauerfeiern.

Gleichzeitig sei es für die Angehörigen schwer, allein zu stehen, wenn man eigentlich körperliche Nähe brauche. So hätten bei einer Beerdigung die angereisten Enkel weit entfernt von der Großmutter gestanden, erzählt Reinzhagen. In einem anderen Fall sei der älteste Freund des Verstorbenen gekommen: „Er hielt 30 Meter Abstand. Das sind ganz schmerzliche Augenblicke.“

„Das sind ganz schmerzliche Augenblicke.“ Bernd Reinzhagen Evangelischer Pfarrer

„Es ist sonst eine Selbstverständlichkeit, dass man als Nachbar oder Bekannter zur Beerdigung geht“, sagt Pfarrer Mohr. „Jetzt sage ich den Leuten: Bleiben Sie zuhause, auch wenn es weh tut.“ Er rate stattdessen, nach der Trauerfeier allein zum Grab zu gehen. Auch auf diese Weise könne man innere Verbundenheit zum Ausdruck bringen.

Einige Familien filmten die Trauerfeier, damit Verwandte und Freunde wenigstens auf diesem Wege dabei sein könnten, berichtet Pfarrer Reinzhagen. „Ich habe nichts dagegen.“

Für den Stadtdechanten und Pfarrer der Gemeinde St. Clemens sind Perspektiven wichtig: „Wir versuchen Brücken zu bauen, über die Beerdigung hinaus. Wenn die Angehörigen das möchten, können wir zu einem späteren Zeitpunkt einen Gedächtnisgottesdienst feiern.“ Auch die evangelischen Gemeinden weisen auf die Möglichkeit hin, später im größeren Rahmen noch einmal Abschied zu nehmen. Bereits im vergangenen Jahr habe die Gemeinde St. Clemens jeden, der einen Angehörigen zu Grabe getragen habe, zu einer Messe in der Adventszeit eingeladen. „Ich kann mir vorstellen, dass das in diesem Jahr noch einmal anders wichtig wird“, sagt Pfarrer Michael Mohr.

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