Jugendliche häufig straffälliger als Erwachsene

Seit 2005/2006 sind die Zahlen rückläufig

Von Elisa Behrens, 8b, Humboldtgymnasium

Sechs Jahre war der Polizist Sebastian Stein (Name geändert) im Bereich Jugendkriminalität in einer Großstadt in NRW tätig.

Wie hat sich die Jugendkriminalität von früher bis heute verändert?

Sebastian Stein: Das kann man so pauschal gar nicht sagen, da man dazu zunächst einige Dinge beachten muss. Statistisch gesehen kann man nur Aussagen zum sogenannten Hellfeld treffen. Das Hellfeld ist das, was die Polizei von der Jugendkriminalität wahrnimmt, also was im Hellen liegt. Dann gibt es auch noch das Dunkelfeld. Dies sind Taten, die die Polizei nicht zur Kenntnis bekommt, also die nicht angezeigt werden und in denen keine Ermittlungen laufen. Erst seit 1990 werden die Zahlen für Jugendkriminalität in der polizeilichen Kriminalstatistik erfasst. Dies wird wie folgt unterteilt: Von 10 bis 14 Jahren sind es Kinder, von 14 bis 18 Jahren sind es Jugendliche und von 18 bis 21 Jahren sind es Heranwachsende. Wenn man sich die Bereiche der Jugendkriminalität ansieht, stellt man fest, dass bis Mitte der 2000er Jahren die Zahlen immer weiter angestiegen sind und ab 2005/2006 gibt es wieder rückläufige Zahlen. Gründe dafür können mehr Aufklärungen in Schulen oder neue Konzepte sein.

Welche Altersgruppen sind besonders betroffen?

Stein: Interessanterweise werden Jugendliche deutlich häufiger straffällig als Erwachsene. Grund dafür ist, dass ein Reifeprozess stattfindet. Wir sprechen dann von einer Jugenddelinquenz. Das bedeutet, dass dies zum Erwachsenwerden dazugehört, denn jeder testet einmal seine Grenzen aus. Jedoch fällt ein kleiner Prozentsatz nicht in den Bereich der Jugenddelinquenz. Dies löst sich nicht mit dem Erwachsenwerden. Solche Jugendliche stehen meist am Anfang einer kriminellen Karriere.

Welche speziellen Taten werden oft von Jugendlichen begangen?

Stein: Auch hier kann man grundsätzlich nur vom Hellfeld sprechen. Jugendliche begehen eher leichte Delikte. Dazu gehören Eigentums- und Vermögensdelikte, z. B. einfache Diebstähle, sowie Gewaltkriminalität, aber auch einfache Körperverletzungen. Organisierte Kriminalität bis hin zu Wirtschaftskriminalität findet man im Jugendbereich eher nicht. Folglich gibt es nur wenige Jugendkriminalitätsfälle in der Schwerstkriminalität.

Passieren solche Taten von Jugendlichen eher an öffentlichen oder an privaten Orten?

Stein: Hier muss man genau hinsehen, um welche Delikte es sich handelt. Betrachtet man bei der Eigentumskriminalität das Beispiel Ladendiebstahl, so kann dieser logischerweise nur in einem Laden, also in einem öffentlichen Raum stattfinden. Folglich muss man das deliktspezifisch ansehen.

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