Gesundheit

Zentrum behandelt seltene Fehlbildungen

Lina entwickelt sich zur Freude von Chefarzt Dr. Dr. Markus Martini und Oberärztin Dr. Sarah Neering gut.
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Lina entwickelt sich zur Freude von Chefarzt Dr. Dr. Markus Martini und Oberärztin Dr. Sarah Neering gut.

In der St. Lukas Klinik werden auch Kleinkinder versorgt, die an Erkrankungen von Mund, Kiefer oder Gesicht leiden.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Dass die kleine Lina im vergangenen Sommer eine schwere Operation hinter sich gebracht hat, merkt man dem aufgeweckten, anderthalb Jahre alten Mädchen nicht an. Aufmerksam greift sie nach dem Kreisel, der sich auf dem Boden dreht. Im Juli 2021 wurde ihr in einem mehrstündigen Eingriff der Unterkiefer gebrochen. Sogenannte Distraktoren wurden eingesetzt, um den Knochen und die Weichteile schrittweise nach vorne zu ziehen. Lina hat eine angeborene Erkrankung, das Pierre-Robin-Syndrom, mit dem jedes Jahr rund 80 Kinder in Deutschland zur Welt kommen. Behandelt wird das Mädchen im Zentrum für seltene Zahn-, Mund-, Kiefer- und Gesichtsfehlbildungen Bergisches Land an der St. Lukas Klinik. Chefarzt Dr. Dr. Markus Martini und Oberärztin Dr. Sarah Neering versorgen dort unter anderem Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und komplexe Schädeldeformitäten.

Schon früh hätten sie gewusst, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmt, erzählt Linas Mutter Claudia Winterberg-Gierling. Der Unterkiefer des Babys war weit zurückgelagert, es hatte ein fliehendes Kinn. Dadurch sei die Zunge immer nach hinten gefallen. Die Folge: Lina hatte im Schlaf Atemaussetzer. Durch die Fehlbildung des Kiefers sei auch die Nahrungsaufnahme beeinträchtigt gewesen. „Lina hatte Untergewicht, das Wachstum war verzögert.“ Nach Besuchen bei vielen Ärzten kam die Leverkusener Familie schließlich in die St. Lukas Klinik. Dort wurde bei Lina das Pierre-Robin-Syndrom diagnostiziert.

„Es ist wichtig, die Erkrankung früh zu behandeln, um Spätschäden zu verhindern“, erklärt Dr. Dr. Martini. Denn das Zurückfallen der Zunge und die Atemaussetzer drohen die Sauerstoffversorgung des Gehirns zu beeinträchtigen. Bei Lina wurde zunächst eine Gaumenplatte ausprobiert, die wie eine Zahnspange eingesetzt wird und hinter die Zunge greift. Das habe aber nicht funktioniert. Also wurde die Operation notwendig, bei der jeweils ein Distraktor auf jeder Seite des Unterkiefers eingefügt wurde. Auf Fotos sind die mechanischen Stifte aus Titan zu sehen, die aus Linas Wange herausragen.

Kooperation mit anderenKrankenhäusern

Drei Monate lang musste Claudia Winterberg-Gierling die Distraktoren jeden Tag mit einem speziellen Gerät einen Millimeter weiterdrehen. Auf diese Weise sei der Unterkiefer schrittweise nach vorne gezogen worden, erklärt Oberärztin Dr. Neering. „Das ist ein Druckgefühl, das die Weichteile gut mittragen“, ergänzt Martini. Der Knochen wachse später wieder zusammen.

Tatsächlich habe Lina die Prozedur gut mitgemacht, erzählt Claudia Winterberg-Gierling. „Und ich selbst fand es schlimmer, vorher die Aussetzer im Schlaf zu sehen.“ Diese hätten bereits kurz nach dem Eingriff aufgehört. Anfang Oktober wurden die Distraktoren entfernt. Auf Linas Wange ist von der OP keine Narbe zurückgeblieben. Auch ihr Kinn sieht heute ganz normal aus. Ihre Tochter bekomme jedoch dauerhaft Therapien, um die Entwicklungsverzögerung aufzuholen, erklärt die Leverkusenerin. Mit dem Pierre-Robin-Syndrom können zudem Hör- und Sehprobleme einhergehen. „Aber wir sind auf einem guten Weg.“

St. Lukas Klinik gibt Ohligser Standort auf - Wechsel nach Hilden

Bei der Behandlung der seltenen Fehlbildungen kooperiert das Zentrum an der St. Lukas Klinik mit anderen Krankenhäusern, darunter das Klinikum Solingen und die Kinderklinik St. Augustin, wo Lina von Dr. Dr. Martini operiert wurde. „Wir fahren in die Kinderkliniken, da wir an der St. Lukas Klinik keine haben.“

Der Chefarzt der Mund-, Kiefer- und Plastischen Gesichtschirurgie behandelt auch andere seltene Erkrankungen wie das Apert-Syndrom, das zu multiplen Fehlbildungen führt, das Parry-Romberg-Syndrom, das Gewebeverlust im Gesicht verursacht, oder Fehlbildungen des Schädels. Zu den regelmäßigen Sprechstunden an der Schwanenstraße kämen Patienten aus ganz Deutschland.

St. Lukas Klinik

Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie: Die St. Lukas Klinik ist mit ihrem Integrierten Zentrum für seltene Zahn-, Mund-, Kiefer- und Gesichtsfehlbildungen an
die Uniklinik Köln angeschlossen.

Seltene Erkrankungen: 15 Prozent aller seltenen Erkrankungen treten im Zahn-, Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich auf.

Siegel: Chefarzt Dr. Dr. Markus Martini hat 2022 das Focus Empfehlungssiegel für Rekonstruktive Chirurgie der Zeitschrift Focus erhalten.

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