Teilnahme ist Pflicht

Zensus: Stadt Solingen befragt ab Mai rund 9500 Bürger

Ab Mitte Mai findet auch in Solingen der Zensus 2022 statt.
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Ab Mitte Mai findet auch in Solingen der Zensus 2022 statt.

Eine höhere Einwohnerzahl könnte für Solingen mehr Geld bedeuten.

Von Björn Boch

Solingen. Ab Mitte Mai findet der Zensus 2022 statt: Bei der Volkszählung, die in Deutschland alle zehn Jahre durchgeführt wird – sie wurde pandemiebedingt um ein Jahr verschoben – werden laut Stadtverwaltung rund 9500 Solingerinnen und Solinger befragt. Ziel des Zensus ist unter anderem, die Einwohnerzahlen statistisch verlässlich hochrechnen zu können. Das hat Auswirkungen auf die Stadtfinanzen.

Der Hintergrund: Seit dem Zensus 2011 gibt es Differenzen zwischen dem Land und der Stadtverwaltung über die tatsächliche Einwohnerzahl in der Klingenstadt. „Derzeit liegt unsere Melderegisterzahl rund 3750 über der amtlichen Einwohnerzahl“, sagt Thomas Groos, Leiter der Statistik beim Stadtdienst Einwohnerwesen.

Solingen erhält aktuell pro gemeldeter Person rund 730 Euro an Schlüsselzuweisung vom Land. Die aktuelle Lücke beträgt also 2,75 Millionen Euro pro Jahr. „Da die Differenzen aus dem Zensus bis zum nächsten Zensus fortgeschrieben werden, kommt eine enorme Summe zusammen. Deshalb hat der Zensus so eine große finanzielle Bedeutung für die Kommunen“, erklärt Thomas Groos.

Solingen: Viele Kommunen in NRW haben mehr Einwohner

Man müsse allerdings berücksichtigen, dass viele Kommunen in NRW mehr Einwohner hätten, als die amtlichen Zahlen des Landes nahelegen. Zudem sei die Summe der Zuweisungen fix. Sollten also alle Kommunen beispielsweise zehn Prozent mehr Einwohner haben, würde Solingen unterm Strich nicht mehr Geld haben.

Der Stadtdienst Einwohnerwesen beobachtet die Zahlen aber fortlaufend und konnte Fehler nachweisen. Der Unterschied sei so zumindest um einige hundert Einwohner korrigiert worden: „Sonst lägen wir schon bei mehr als 4000 Personen Abweichung“, erklärt Thomas Groos.

Hintergrund seien doppelte Abzüge von Einwohnern aufgrund von fehlerhaften Übermittlungen durch das Meldeprogramm gewesen – „ein bundesweites Problem, das wir aufgedeckt haben.“ Durch den Zensus werde es Ende 2023 eine neue, amtliche Einwohnerzahl geben. „Die wird dann hoffentlich für Solingen günstiger ausfallen. Wir geben jedenfalls alles dafür.“

Erhebungen und Befragungen für den Zensus 2022 starten Mitte Mai und dauern bis August, erklärt Stadtsprecher Daniel Hadrys. Wer ausgewählt wurde, erhält ab Ende April/Anfang Mai eine Karte mit einem Terminvorschlag sowie den Kontaktdaten des Erhebungsbeauftragten (| Kasten).

„Im Prinzip läuft man da immer der Realität hinterher.“

Thomas Groos, Statistiker, über die Erhebung der Einwohnerzahl

Der Zensus ist eine Stichprobe – es werde, grob gesagt, überprüft, ob die Personen, die an einer Anschrift gemeldet sind, tatsächlich dort wohnen, wie Thomas Groos erklärt: „Ist das der Fall, ist alles gut. Ist das nicht der Fall, spricht man von einer Karteileiche. Findet man Einwohner, die nicht gemeldet sind, von einem Fehlbestand.“ Diese Karteileichen und Fehlbestände werden hochgerechnet – im Zensus 2011 aufgrund einer kleinen Stichprobe in Solingen mit dem Faktor 30. „Beim Zensus 2022 wird der Faktor nur noch 17 sein, weil die Stichprobe deutlich größer ist“ – Thomas Groos hofft daher auf genauere Ergebnisse.

Gleichzeitig finde eine bundesweite Mehrfachfallprüfung statt. So werde geprüft, ob zum Beispiel Personen, die in Solingen gemeldet sind, in Köln in einem Studentenwohnheim von einem Erhebungsbeauftragten gefunden werden. Ist das der Fall, wird die Person in Solingen nicht als Einwohner gezählt.

Laut Thomas Groos ist es auch für den Zensus 2022 unrealistisch, dass die Lücke zwischen dem Melderegister und der amtlichen Einwohnerzahl vollständig geschlossen werde. Gerade über die Mehrfachfallprüfung werde Solingen Einwohner verlieren. Ebenso sei davon auszugehen, dass weiterhin Personen in Solingen gemeldet sind, die aber nicht mehr hier wohnen. „Dieses Phänomen ist bei jeder Wahl festzustellen, wenn Wahlbenachrichtigungskarten nicht zustellbar sind.“ Das Melderegister werde soweit möglich immer aktuell gehalten. Groos: „Aber im Prinzip läuft man da immer der Realität hinterher.“

Zensus

Ablauf: Aktuell bereiten Mitarbeitende der Erhebungsstelle Solingen den Zensus 2022 vor. Ab Anfang Mai können sich dann Erhebungsbeauftragte zu Interviewterminen ankündigen.

Teilnahme: Der Zensus 2022 ist eine Bundesstatistik, für die eine Auskunftspflicht besteht. Bei einer Auskunftsverweigerung wird ein Mahnverfahren eingeleitet. Im Höchstfall kann ein Bußgeld bis zu 5000 Euro verhängt werden, so die Stadt.

Auswahl: Welche Haushalte befragt werden, basiert auf einer Zufallsstichprobe, die das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Die Stadt hat darauf keinen Einfluss.

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