Corona erschwert Hilfe

Zenses: Brand in Flüchtlingscamp war vorhersehbar

Dr. Christoph Zenses kümmert sich um die medizinische Versorgung der Flüchtlinge in Camp Moria.Foto: Dr. Christoph Zenses
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Dr. Christoph Zenses kümmert sich um die medizinische Versorgung der Flüchtlinge in Camp Moria.

Coronavirus erschwert Solinger Hilfsprogramme im Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos.

Von Anna Lauterjung und Andreas Tews

Am Montagmittag ist ein Feuer im Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos ausgebrochen. Dabei ist ein sechsjähriges Kind gestorben. Ob noch weitere Menschen verletzt oder sogar getötet wurden, kann bisher noch nicht gesagt werden. Zurzeit wird vermutet, dass unbeaufsichtigte Kochutensilien den Brand ausgelöst hatten.

Der Solinger Arzt Dr. Christoph Zenses kennt die Situation vor Ort gut. Für ihn ist der Brand im Flüchtlingscamp Moria ganz klar eine Folge der Umstände dort. „Feuer ist das einzige, an dem die Menschen sich aufwärmen können“, erklärt der Mediziner. Insgesamt seien die Umstände menschenverachtend: Es gäbe keine Elektrizität, die Zelte seien nicht für die unter zehn Grad Celsius kalten Temperaturen ausgelegt. Überall würden kleine Feuer brennen. Dr. Zenses: „Sie verbrennen alles, was sie kriegen können. Auch Plastikflaschen.“

Der Arzt ist Vorsitzender des Vereins Solingen Hilft. Seit einiger Zeit unterstützt sie die Menschen in dem Flüchtlingscamp in Moria, unter anderem mit Medikamenten. Aber auch Solarlampen oder Heizlüfter finanziert der Verein. Zudem fährt Dr. Zenses selber regelmäßig nach Griechenland, um die Flüchtlinge medizinisch zu betreuen und seinen Kollegen zu helfen. Zuletzt war er im Februar dort.

Die einzige Lösung sei nun eine Evakuierung des Camps, plädiert Dr. Zenses. „Das Risiko für Brände bleibe bestehen“, warnt der Mediziner. Auch im Falle eines Coronavirus-Ausbruches gäbe es keine Schutzmaßnahmen wie Desinfektionsmittel, Seife oder Masken. Sollten die Reisebeschränkungen soweit wieder aufgehoben sein, plant Dr. Zenses, im Mai wieder in das Flüchtlingscamp Moria zu reisen. Falls eine Reise erst später möglich sein sollte, würde sich die medizinische Lage deutlich verschlechtern, befürchtet der Arzt.

Auch nach den Schilderungen der in der Flüchtlingshilfe tätigen Solingerin Ioannna Zacharaki sind die Zustände im Flüchtlingscamp Moria „unerträglich“. Die vor Ort tätigen Partner ihrer Flüchtlingshilfe Lesbos seien an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Die Bildungsprogramme ruhen. Derzeit gehe es darum, Essen zu verteilen und Gespräche mit den oft verunsicherten Flüchtlingen zu führen.

Hilfe vor Ort auf Lesbos aktuell nicht möglich

„Die Menschen dort dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, appelliert Zacharaki angesichts der Corona-Krise, die derzeit alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Hilfe und Spenden seien nach wie vor wichtig. Aktuell erreichen Zacharaki auch Anfragen von Menschen, die wissen wollen, wie sie helfen und ob sie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen können. Um zu helfen und um auf die Situation im Camp Moria aufmerksam zu machen, wollte Zacharaki Ende März nach Griechenland fliegen. Dies sei wegen der aktuellen Reisebeschränkungen aber nicht möglich.

Solidarität mit den Flüchtlingen, aber auch mit den griechischen Behörden sei nach wie vor geboten. Derzeit lassen die anderen europäischen Staaten Griechenland nach Zacharakis Einschätzung mit der Flüchtlingsmisere alleine. Diese Meinung teilt Dr. Zenses. „Es ist eine humanitäre Entscheidung, keine politische“, betont der Mediziner.

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