ST vor Ort

Zebrastreifen am Altenheim ist nach fünf Jahren Wirklichkeit

Mit 220 Grad heißem Thermoplast entstand auf der Friedrichstraße der Zebrastreifen an der Seniorenresidenz. Foto: Christian Beier
+
Mit 220 Grad heißem Thermoplast entstand auf der Friedrichstraße der Zebrastreifen an der Seniorenresidenz.

Vor der Residenz „Am Kirschbaumer Hof“ endet eine lange Geschichte – sie hatte im ST ihren Ursprung.

Von Philipp Müller

Solingen. Mit ein wenig Druck auf seinen Finger prüft am Montagmittag ein Mitarbeiter den neuen, gerade aufgebrachten Zebrastreifen vor der Seniorenresidenz „Am Kirschbaumer Hof“. Ein zweiter Griff auf den weißen Belag folgt. „Der braucht noch was“, sagt der Fachmann.“ Die Handgriffe gehören zu den letzten, die seit gestern das Ende einer langen Geschichte bedeuten.

Im Juli 2015 riefen die Bewohner beim Solinger Tageblatt an. Es sei ein Unding, dass sie die Friedrichstraße vor der Haustüre des Altenheims nicht sicher überqueren könnten. Man solle nicht glauben, alle lebten nur auf ihren Zimmern. 30 seien so mobil, dass sie mehrfach am Tag die Straße überqueren wollten. Das sei aber ein Hindernislauf, erfuhr das Tageblatt beim Ortstermin. „Ein Zebrastreifen wäre schön“, sagte damals einer der Bewohner.

„Ein Zebrastreifen wäre schön.“

Wunsch der Altenheimbewohner schon im Jahr 2015

Doch die kleine Senioren-Bürgerinitiative unter Leitung von Sozialarbeiterin Vera Schmitz-Urban aus der Residenz blieb skeptisch, ob ihr Wunsch je Wirklichkeit werden würde. Die Stadt habe stets auf den nahen, mit einer Ampel ausgestatteten Überweg an der Katternberger Straße verwiesen.

Erneut überprüft der Mitarbeiter der Fachfirma die drei frischen Streifen. „Sie trocknen so in fünf bis zehn Minuten“, erklärt er. Er hebt die Hand, zwei Mitarbeiter der Stadt wuchten die Sperrbake der Straße Richtung Weyersberg fort. Gleich soll die Gegenspur auch als Zebrastreifen markiert werden.

Das schauen sich von der Bezirksvertretung Mitte Hansjörg Schweikart und Waldemar Gluch vom Verkehrsausschuss an. Nicht ohne Grund machen das die beiden Christdemokraten. Die Politik griff den Wunsch der Senioren früh auf . Es folgte eine lange Debatte und Auseinandersetzung zum Thema. 2015 war Solingen eine zebrastreifen-freie Zone. Eine Ampelanlage komme aber nicht infrage. Das Hin und Her endete mit einstimmigen Beschlüssen über alle Gremien hinweg, dann doch einen Zebrastreifen zu errichten.

220 Grad heiße Thermoplastik läuft in den Eimer. Mit einer Latte und einer Schablone warten die Kollegen auf den Mitarbeiter mit dem flüssigen Streifenmaterial. Mit einem gekonnten Zug ist in gut 30 Sekunden der nächste der vier Meter langen Markierungen aufgetragen. Gleichzeitig wird ein Anti-Rutschmittel, vermengt mit Glasperlen für eine Reflexion der Scheinwerferlichter, wie Saatgut über die frische Linie gestreut.

Ende vergangenen Jahres meldete das Rathaus dann, dass zunächst die kleinen Verkehrsinseln in der Mitte der Straße gebaut würden. Zügig sollten auch die Zebrastreifen folgen. Es dauerte wieder einige Monate. Doch jetzt ist alles fertig. Noch werden Abbiegespuren aufgetragen.

Ein Bewohner der Seniorenresidenz kommt mit seinem Rollator aus der Stadt, die Autos halten und er kommt sicher über die Straße. So soll es sein. Eine Polizistin auf Fußstreife kommt vorbei. Der Überweg sei sinnvoll, erklärt sie. Nur müssten ihn auch alle annehmen – einige Minuten später geht eine ältere Dame keine 20 Meter weiter durch die wartende Autoschlange. Die Polizistin glaubt nicht, dass der neue Überweg den Verkehrsfluss stark einschränke.

Die Erfolgsgeschichte wird jetzt viele Mütter und Väter haben. Doch ihren Ursprung nahm sie im ersten Stock des Altenheims mit einem lautstark geäußerten Wunsch.

Die Geschichte zum Zebrastreifen

2015: Die SPD greift den Wunsch der Bewohner der Seniorenresidenz auf.

2016: Eine Ampel als Lösung wird von Verwaltung und Politik verworfen.

2017: Die Bezirksvertretung Mitte und der Verkehrsausschuss des Stadtrats sprechen sich für die Errichtung eines Zebrastreifens mit Verkehrsinseln aus.

2018: Die Ausschreibung der Arbeiten erfolgt.

2019: Ende des Jahres kündigt die Stadtverwaltung den Beginn der eigentlichen Bauarbeiten an.

2020: Zunächst werden zwei Verkehrsinseln gebaut. Ende Juni erfolgt das Aufbringen der weißen Zebrastreifen und die Errichtung von Abbiegespuren.

Serie

Im ersten Teil zum Stadtteil Mitte ging es um die Wochenmärkte. Rudolf Jacobs investiert in ein neues Marktangebot. Die Kunden kaufen offenbar derzeit lieber im Freien ein.

Acht Wochen lang widmet sich das Tageblatt den Zentren der Stadt. ST vor Ort beleuchtet Solingens Stadtteile.

Das könnte Sie auch interessieren

Top-Links

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona: Inzidenz sinkt in Solingen weiter
Corona: Inzidenz sinkt in Solingen weiter
Corona: Inzidenz sinkt in Solingen weiter
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke
Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein

Kommentare