Kriminalitätsstatistik 2020

Zahl der Straftaten erreicht in Solingen Tiefstand

Die Polizei stellte am Montag in Wuppertal die Kriminalitätsstatistik 2020 für Solingen vor.
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Die Polizei stellte am Montag in Wuppertal die Kriminalitätsstatistik 2020 für Solingen vor.

Rückgang der Kriminalität zeichnet sich im gesamten Städtedreieck ab – Kinderpornografie beschäftigt Polizei stark.

Solingen. „Wir können mit der Kriminalitätsentwicklung insgesamt zufrieden sein“, befand Polizeipräsident Markus Röhrl am Montag bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik in Wuppertal über die Situation im Bergischen Städtedreieck. So ist die Zahl der gemeldeten Straftaten im Präsidialbereich im Vergleich zum Vorjahr erneut gesunken – von 46 933 Delikten im Jahr 2019 auf 44 343 im vergangenen Jahr, was einem Rückgang von 5,5 Prozent entspricht. Nur leicht verschlechtert hat sich die Aufklärungsquote von zuletzt 53,8 Prozent in 2019 auf nunmehr 52,6 Prozent. Der Abwärtstrend bei den Straftaten im Bergischen setzt sich seit 2016 kontinuierlich fort.

Anlass für Optimismus geben auch die Solinger Zahlen, die 2020 mit 9449 gemeldeten Straftaten in der Klingenstadt, bei einem Rückgang von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, ihren niedrigsten Stand seit fünf Jahren erreicht haben. Leicht verbessert hat sich für Solingen auch die Aufklärungsquote auf 48,9 Prozent im vergangenen Jahr gegenüber 48,6 Prozent im Jahr 2019.

Die Entwicklung der Kriminalität in Solingen.

Insgesamt stand 2020 auch bei der Polizei ganz im Zeichen der Coronapandemie, erinnerte Röhrl. So seien die Beamten zum einen stark mit den Kontrollen der Corona-Schutzmaßnahmen eingespannt gewesen, zum anderen habe die Polizei auch intern Veränderungen vornehmen müssen. So sei etwa ein Schichtsystem eingeführt und Lizenzen für die Arbeit im Homeoffice beschafft worden. Auch auf die Kriminalität habe sich die Pandemie ausgewirkt. In Solingen teilweise positiv: Dort ist bei der Straßenkriminalität mit 2373 Fällen und bei der Gewaltkriminalität mit 353 Fällen jeweils ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Eine mögliche Begleiterscheinung des Lockdowns, wobei sich der Schauplatz der Straftaten teilweise von der Straße ins Internet verlagerte: 1559 Fälle von Cyberkriminalität verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr im Präsidialbereich – 390 mehr als im Vorjahr. Dabei geht es um unterschiedlichste Betrugsmaschen wie Computersabotage, Datenveränderung, Softwarepiraterie oder das Ausspähen von Daten.

Ein gewaltiges Problem sei gerade in Zeiten von Corona der Kindesmissbrauch und damit einhergehend der Konsum von Kinderpornografie, berichtete der Polizeipräsident weiter.

Solingen: 167 Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Auch vor dem Hintergrund der Missbrauchsskandale in Münster und Bergisch Gladbach sei die Polizei landesweit zur Bekämpfung dieses Deliktbereichs aufgestockt worden. „Das Dunkelfeld ist hier sicherlich hoch, da es insbesondere während des Lockdowns weniger Sozialkontrolle etwa durch Lehrer, Erzieherinnen oder Kinderärzte gab, die die Kinder länger nicht gesehen haben“, so Röhrl. Andererseits seien die hohen Zahlen – in Solingen gab es im vergangenen Jahr 167 Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, 59 mehr als im Vorjahr – auch das Ergebnis intensiver Ermittlungsarbeit. In Solingen, Remscheid und Wuppertal habe es jeweils einen größeren Missbrauchsfall gegeben, in Solingen wurde kürzlich ein 39-jähriger Familienvater zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, der sich an seinen beiden Kindern vergangen hatte. „Ich hoffe, dass die Urteile auch eine abschreckende Wirkung haben“, so Röhrl.

Zahlenmäßige Aussagen über die Kriminalitätsentwicklung in der Innenstadt seien nicht möglich, bedauert er im Nachgang zu der Debatte im vergangenen Jahr. Die Situation sei aber nicht schlimmer als in vergleichbaren Großstädten. Derweil will die Polizei das Programm „Sicheres Solingen“ auf den Weg bringen, bei dem sie sich auf die Innenstadt, insbesondere auf den Graf-Wilhelm-Platz und den Mühlenplatz, fokussieren will.

Standpunkt: Tatort Kinderzimmer

Von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

So erfreulich der Abwärtstrend bei der Kriminalitätsentwicklung insgesamt ist, so besorgniserregend ist der neuerliche Anstieg der „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Denn nur selten verbirgt sich hinter diesen Zahlen der Überfall auf offener Straße oder die Vergewaltigung durch einen fremden Täter. Vielmehr findet sexualisierte Gewalt im sozialen Nahfeld der Opfer statt – oft in der eigenen Familie, wie der Fall eines 38-jährigen Solingers gezeigt hat, der kürzlich wegen zahlreicher Missbrauchstaten an seinen Kindern zu einer langen Haftstrafe verurteilt wurde.

Kindesmissbrauch und der Konsum von Kinderpornografie haben gerade in der Pandemie Hochkonjunktur und machen das Kinderzimmer zum Tatort. Die Zahlen zeigen auf alarmierende Weise, dass die Politik weiter ihre Bemühungen verstärken muss, die Kinder als die Schwächsten der Gesellschaft bestmöglich vor Übergriffen zu schützen. Dafür braucht die Polizei nicht nur zusätzliches Personal mit entsprechenden IT-Kenntnissen, sondern auch die technische Ausstattung, um mit den Tätern Schritt halten zu können. Dies bleibt eine große Herausforderung.

Polizeiliche Kriminalstatistik 2020

Polizeiliche Kriminalstatistik 2020 Präsentation

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