Der Wolli unterhält sein Publikum im Comedy Punch Club

Machte auch auf die prekäre Lage der Kleinkunst aufmerksam: der Wolli.Foto:Kevin Roeper
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Machte auch auf die prekäre Lage der Kleinkunst aufmerksam: der Wolli.Foto:Kevin Roeper

Ohne Anspruch und gerade deswegen mit dem Anspruch bester Unterhaltung

Von Rainer Lange

Klamauk ist nach dem Duden ein lautes, lärmendes Treiben. Dies brachte „der Wolli“ am Mittwochabend vor 25 Zuschauern im Comedy Punch Club auch auf die Bühne. Der Komödiant aus Hamburg passt nicht so recht in die Schubladen, lässt sich nicht bei Stand-up-Comedian oder Kabarettist einordnen.

Mit seinem Programm „Hauptsache Klamauk“ unterhielt er sein Publikum prächtig. Schmunzeln, laut Loslachen und Mitsingen – die Gäste im Hitzefrei gingen mit. Mit seiner selbstgebauten Pan aus 23 mit Kabelbindern verbundenen Blockflöten erinnerte er ein wenig an den Großmeister des musikalischen Blödsinns Ingo Insterburg. Bei manchen Stücken unterbrach er den musikalischen Auftakt mehrfach und streute dann doch noch einen Wortbeitrag ein.

Am Anfang stand ein Rap und der begann durchaus selbstkritisch. Mitte 40 und nach frühzeitig beginnendem Haarausfall jetzt ohne Frisurprobleme stellte er sich selbstironisch dar: „Ich bin nackt auf dem Kopf, aber sexy.“ Seine Interpretation vom Song „Love is in the (h)air“ begeisterte dann auch die Zuschauer. Seine Geschichten wirkten authentisch, ob nun echt oder erdichtet. Authentisch kam rüber, wenn er sagte: Mein Arzt hat gesagt ich, sei zu dick und mir empfohlen über Sport nachzudenken. . . Ich wusste nicht, dass das hilft.“ Oder als auf seine Frage im Fitnessstudio, welches Gerät er nehmen soll, um Frauen zu beeindrucken der Rat lautete: „Den Geldautomaten.“

Ein wenig anzüglich darf es schon sein

Zwischen Salat und Steak störte es das Publikum nicht, wenn die Pointen tiefer rutschen. Der Wolli meinte: „Ach so, das gefällt Euch, na dann.“ Ja und so erzählte er von seiner Freundin. Die reiße ihm, wenn er nach Hause kommt, die Sachen vom Leib, . . . „weil Waschtag ist“. Er teilte auch seine Erfahrungen mit vegetarischem Fleisch. Da hält er nix von. Klar wird das, als er erzählt, wie er im Supermarkt Hack kaufte und daheim versuchte, daraus Sellerie zu machen. Auch meinte er, Tofu schmecke nicht so gut wie eine Fußmatte, die lecker gewürzt und in Öl angebraten werde.

Ohne Anspruch und gerade deswegen mit dem Anspruch bester Unterhaltung konnte der Wolli – 2013 Gewinner des NDR-Comedy-Contests – überzeugen. Häufige Auftritte in Nightwash und dem Quatsch Comedy Club sind allerdings derzeit Geschichte: Am Mittwoch war es für ihn seit fünf Monaten der erste Auftritt.

Am Ende wurde es ernst: Da er ohne Gage, bei freiem Eintritt auf der Bühne stehe, habe er sich entschlossen, den Hut rumgehen zu lassen, sagte der Comedian. Die prekäre Lage der Kunstszene in Corona-Zeiten trifft besonders die Kleinkunst.

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