Folge von Miet- und Energiekostenschulden

Wohnungsnot bedroht Familien und Senioren

Von Obdachlosigkeit Betroffene können sich im Haus Bethlehem der Caritas an der Bahnstraße in Ohligs melden. Archivfotos: Christian Beier
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Von Obdachlosigkeit Betroffene können sich im Haus Bethlehem der Caritas an der Bahnstraße in Ohligs melden.

Zentrale Fachstelle der Stadt berichtet über Folgen von Miet- und Energiekostenschulden.

Von Andreas Tews und Manuel Böhnke

Solingen. Zwei Bevölkerungsgruppen sind besonders häufig auf Hilfe angewiesen, weil ihnen wegen Zahlungsschwierigkeiten der Verlust der Wohnung droht. Dies sind Familien mit Kindern und Migranten. Aus dem aktuellen Bericht der städtischen Zentralen Fachstelle für Wohnungsnotfallhilfen (ZFS) geht außerdem hervor, dass die Corona-Krise die Beratung der Betroffenen erschwert.

Fabian Kesseler sieht die Beratungsarbeit als Erfolg.

Die Zahl der Ratsuchenden ist laut Bericht gegenüber dem Höchststand aus dem Jahr 2017 (1273 Fälle) zwar um fast ein Viertel auf 980 im Jahr 2020 zurückgegangen. Allerdings führen die Fachleute die niedrige Zahl des vergangenen Jahres auch auf die Folgen der Pandemie zurück. Einerseits ruhten Beratungsangebote zeitweise. Zum anderen seien Vermieter wegen der Krise oft zurückhaltend mit Wohnungskündigungen umgegangen. Die Zahl der Haushalte, denen wegen ausbleibender Zahlung eine Sperrung der Energieversorgung drohe, sei hingegen bei etwa 330 konstant geblieben. Die größte Gruppe unter den Ratsuchenden stellten die Alleinlebenden mit 49 Prozent. Das entspricht in etwa ihrem Anteil an der Bevölkerung.

Dass Familien mit Kindern besonders häufig von existenziellen Notlagen betroffen sind, belegen auch die Zahlen der ZFS. Während diese Gruppe nur 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, stellte sie 2020 unter den von Wohnungsverlust oder Energiesperrung Bedrohten einen Anteil von 41 Prozent.

Einen deutlichen Anstieg verzeichneten die Fachleute in der Statistik bei den Menschen mit ausländischem Pass. 2020 kamen 43,8 Prozent der Beratenen aus dieser Gruppe, 2019 waren es noch 40,3 Prozent – bei einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von nur 17 Prozent. „Hierbei handelt es sich mehrheitlich um Menschen mit einem geringen Einkommen, niedrigen Bildungsstandard, geringen Deutschkenntnissen und häufig auch mangelnden Systemkenntnissen“, heißt es in dem Bericht. Diese Faktoren seien infolge der Schließung von Beratungsstellen in der Corona-Zeit noch verstärkt worden.

Bei den Personen, die trotz Beratung notfallmäßig untergebracht werden mussten, fiel in der Fachstelle auf, dass besonders stark die Zahl der über 60-Jährigen stieg, die gesundheitlich eingeschränkt waren, kein stützendes soziales Netzwerk und häufig einen Pflegebedarf hatten.

Insgesamt wurde der Verlust der Wohnung laut Fachstelle in etwa der Hälfte der Fälle durch eine Beratung abgewendet. Fabian Kesseler, Leiter des Stadtdienstes Wohnen, bezeichnete die Arbeit der ZFS darum im städtischen Sozialausschuss als „Erfolgsgeschichte“.

Politiker kritisieren Vorgehen der Solinger Stadtwerke

Kathrin Menzel von der Beratungsstelle bestätigte auf Anfrage, dass die Stadtwerke im vergangenen Jahr nur im April und Mai auf Strom- und Gassperrungen verzichtet hätten. Daran übten Uli Preuss (SPD) und Frank Knoche (Grüne) Kritik. Knoche: „In der aktuellen Zeit zu sperren, ist absolut unverantwortlich.“

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