Zukunft der Innenstadt

Wohnen und Handel brauchen neue Formen

Ein Kernbereich der City mit den Clemens-Galerien (links), Kaufhof, P&C und dem Fronhof: Die Investoren wollen sich zur Zukunft der Handelsflächen im Januar äußern. Foto: Christian Beier
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Ein Kernbereich der City mit den Clemens-Galerien (links), Kaufhof, P&C und dem Fronhof: Die Investoren wollen sich zur Zukunft der Handelsflächen im Januar äußern.

Fehler der Vergangenheit müssen korrigiert werden – Ideen für „City 2030“ gibt es viele, das Interesse ist groß.

Von Philipp Müller

Solingen. Die Innenstadt soll mit dem Konzept „City 2030“ ein neues Gesicht bekommen. Im Video-Gespräch mit dem Tageblatt bekräftigte Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (parteilos), dass dies im kommenden Jahr geschehen soll. Ein Wunsch, den alle teilen, mit denen das ST gesprochen hat. Viele weitere Video-Interviews und Hintergründe rund um die Innenstadt stehen seit gestern hier zur Verfügung.

Hoferichter konkretisierte, worum es 2021 gehen wird: Ab Januar werde das neue Innenstadtmanagement als Schnittstelle zwischen Bürgern und Rathaus seine Arbeit aufnehmen. Im kommenden Jahr will die Stadt leere Ladenlokale anmieten und mit einem Mietkostenzuschuss an Jungunternehmer weiterreichen. Das erfolge befristet, das Rathaus sei dazu mit Mietern und Vermietern im Gespräch. „Mietverträge gibt es aber noch nicht“, sagte der Stadtdirektor.

Das liegt auch daran, dass die Maßnahmen noch mit Geld vom Land ausgestattet werden müssen. Dazu laufe das Antragsverfahren. Auch 2021 will sich die Stadt „Schlüsselimmobilien“ anschauen, die auf dem freien Markt keine Chance mehr hätten. Diese will die Stadt erwerben und umbauen, um sie marktgerecht zum Weiterverkauf anbieten zu können.

Für einen weiteren wichtigen Baustein wolle das Land erste Pilotprojekte genehmigen, erklärte Hoferichter. Dabei geht es darum, mit einer Umwandlungspauschale Untergeschosse leerstehender Ladenlokale umzubauen und ihnen eine neue Widmung zu geben. Impulsgeber könnten dabei Modelle wie die „Gläserne Werkstatt“ und der Coworking-Space an der Linkgasse sein.

Stadtentwicklung sei eine Gemeinschaftsaufgabe, erklärte Miriam Macdonald im Video-Interview. Die Stadtentwicklerin geht die kommenden Bausteine mit viel Zuversicht an, weil sie auf eine hohe Akzeptanz der Ideen setzt: „Wir erleben ein großes Interesse aller Beteiligten.“

Die Kette der Fehler in der Innenstadt sei lang. So erklärte Goldschmiedemeister Berthold Hloschek, dass mit dem Bachtorzentrum und den Clemens-Galerien zu kleine Einkaufszentren geschaffen worden seien. So habe es nur mehr, nicht aber sinnvoll nutzbare Verkaufsflächen gegeben.

Aus diesem Grund sieht der neue Vorsitzende des Initiativkreises Solingen, der Fotofachhändler Waldemar Gluch, in der Konzentration des Handels auf ein kleineres Gebiet mit weniger Fläche die Zukunft. „Es ist mit wichtig, dass die City funktioniert. Das ist der Mittelpunkt der Stadt“, erklärte Gluch, der seit 20 Jahren in verschiedenen Gremien für die Innenstadt kämpft.

Ralf Reichwein warnt vor einer trügerischen Hoffnung. Er und sieben weitere Fachhändler hatten mit der Eröffnung des Hofgartens 2014 das Hofgarten-Karree gegründet. Am Ende habe sich gezeigt, dass alle zu stark in den eigenen Geschäften eingebunden waren. „Das muss man professionell machen“, ist seine Bilanz und sein Rat für die Zukunft.

Die Zukunft wird neue Handelsformen brauchen. Sportartikelhändler Michael Borgmann macht rund 20 Prozent seines Umsatzes mit dem Online-Shop. Der habe einen positiven Effekt für den Laden in den Clemens-Galerien: „80 Prozent der Kunden, die kommen, sind bereits informiert darüber, was wir haben und was sie sich wünschen.“

Das bestätigt der Unterhaltungselektronik-Händler Ralf Kohns. Und doch könne man als Solist nicht überleben. „Wir haben mit ,City 2030‘ ein Programm, um das uns andere Städte beneiden.“ Er wünschte sich, die Innenstadt größer zu denken. Sie müsse vom Mühlenplatz aus besser Richtung Rathaus und Theater geöffnet werden. Dass mehr Wohnen gefordert werde, sei der richtige Schritt. „Früher gab es 80 Prozent Handel“, sagte er, aber so könne das nicht bleiben.

Eine große Rolle für die Innenstadt spielen auch die Pläne für die Clemens-Galerien samt des Gebäudekomplexes Kaufhof/P & C. Die Investoren wollen sich im Januar äußern.

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