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Wohnen in Gräfrath: Viel Nachfrage, kaum Angebote

Wohnen rund um den historischen Ortskern in Gräfrath ist sehr gefragt. Die Preise könnten noch weiter steigen. Foto: Christian Beier
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Wohnen rund um den historischen Ortskern in Gräfrath ist sehr gefragt. Die Preise könnten noch weiter steigen.

Der Stadtteil gehört zu den beliebtesten in Solingen: Grund ist auch die gute Anbindung an die Autobahn.

Von Björn Boch

Solingen. Angesichts der steigenden Immobilienpreise in Solingen kommt das Gespräch oft und rasch auf Gräfrath. Der idyllische Ortskern, seine nähere und weitere Umgebung sind besonders beliebt. In kaum einem Teil der Stadt sind die Preise so hoch wie hier. Das hat einen einfachen Grund: „Es gibt eine riesige Nachfrage und kaum Angebote“, sagt Hans Buch von M-Quadrat Immobilien. Er hat sein Büro direkt am Gräfrather Markt. Es fehle an Wohnungen in allen Qualitätsbereichen – von klein bis exklusiv. Es fehle an Häusern. Es fehle an Baugrund.

Ein Beispiel: An der Nümmener Straße entstehen auf dem ehemaligen Firmengelände von Lüttgens & Engels 22 Eigentumswohnungen im gehobenen Preisniveau. Auch das drei- bis fünffache sei problemlos an den Käufer zu bringen, ist sich Hans Buch sicher. 100 Eigentumswohnungen in Gräfrath vermarkten? Kein Problem.

Das gilt auch für den Häuserbereich. „Gräfrath hat eine sehr gute Sozialstruktur. Wenn Makler zum Beispiel an der Katharinenstraße oder der Melanchthonstraße ein Haus anbieten können, wird ihnen das förmlich aus den Händen gerissen“, berichtet Makler Dirk Isenburg, der lange ein Büro in Gräfrath hatte und in der inzwischen aufgelösten Arbeitsgemeinschaft „Hallo Gräfrath“ engagiert war. Auch wenn die Gegend um den Ortskern wenig Nahversorgung biete: Die Möglichkeit, abends schön ins Städtchen zu gehen, kombiniert mit der guten Autobahn-Anbindung, besorge die Nachfrage fast von selbst. Anbindung und Mobilität, beides werde immer wichtiger.

Viele Interessenten für Wohnungen und Häuser in Gräfrath kommen aus Düsseldorf oder dem Kreis Mettmann. „Gräfrath ist schon arg beliebt“, berichtet Makler Olaf Koppenhagen und belegt das mit einer Anekdote: „Wenn nur ein Auto mit Werbung dort steht, auf dem die Nummer des Maklers zu sehen ist, gibt es direkt Anrufe, ob etwas verfügbar ist.“ Bei einer gepflegten Immobilie, die nicht zu alt ist, könne die Zahl der Interessenten schon mal dreistellig sein.

Auch Stefan Jäger, Geschäftsführer und Gesellschafter der Olaf Jansen GmbH, berichtet von starker Nachfrage in Gräfrath. „Wir haben eine erfolgreiche Baumaßnahme und zwei Immobilien in der Nähe des Ortskerns verkauft. Viele Düsseldorfer springen darauf an, die sich die Preise dort nicht mehr leisten können oder wollen.“

„Wahrscheinlich steigen die Preise an der Rheinschiene weiter. Dann zieht Solingen nach.“
Stefan Jäger, Olaf Jansen GmbH

Ein Beispiel: Wer sich im Jahr 2018 eine Wohnung kaufen wollte, zahlte im Schnitt pro Quadratmeter Wohnfläche bei einem „Erstverkauf in mittlerer Wohnlage“ in Düsseldorf 5051 Euro. In Solingen – der Durchschnitt gilt für das gesamte Stadtgebiet – kam der Käufer mit 3110 Euro wesentlich günstiger weg. Auch Langenfeld, Mettmann und Haan lagen mit Preisen zwischen 3700 und 3880 Euro wesentlich über Solinger Verhältnissen.

„Die Rheinschiene liegt noch mindestens 20 bis 30 Prozent über den Preisen in Solingen. Mittel- bis langfristig gibt es Potenzial nach oben, wir dürfen aber nicht die gleichen Preise erreichen“, erklärt Stefan Jäger. Er vermutet: „Wahrscheinlich steigen die Preise an der Rheinschiene weiter. Dann zieht Solingen nach.“

Eine Entwicklung, die vor allem auch Gräfrath betreffen dürfte.

Acht Wochen lang widmet sich das Tageblatt den Zentren der Stadt. ST vor Ort beleuchtet Solingens Stadtteile.

Woher die Käufer kommen

Verträge: Die Gesamtzahl der Kaufverträge im Immobilienbereich lag in Solingen im vorigen Jahr bei 1487, 516 Käufer kamen nicht aus der Klingenstadt – mehr als jeder Dritte.

Herkunft: Von den Käufern außerhalb Solingens kamen aus dem Raum Düsseldorf 38 Prozent, aus dem Raum Köln 31 Prozent und 12 Prozent aus dem Raum „Wuppertal und Ruhrgebiet“. 6 Prozent entfallen auf den Oberbergischen Kreis, 13 Prozent auf „Sonstige“.

Quelle: Die Angaben sind Teil des Grundstücksmarktberichtes 2020 für die Klingenstadt Solingen. Der Bericht ist online verfügbar.

https://t1p.de/dzpu

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