Mit dem ST wandern

Unterwegs auf dem Heimatweg: Wo die Wälder noch rauschen, die Nachtigall singt. . .

Nach einem verwunschenen Waldstück kommt die Neye-Talsperre in Sicht, auf deren Staumauer sich eine kleine Rast anbietet.
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Nach einem verwunschenen Waldstück kommt die Neye-Talsperre in Sicht, auf deren Staumauer sich eine kleine Rast anbietet.

Der Heimatweg in Wipperfürth orientiert sich an den sechs Strophen des Bergischen Heimatliedes.

Von Daniel Juhr

Wipperfürth. Entstanden ist es Ende des 19. Jahrhunderts in Solingen. Heute ist es die Hymne der Region – das Bergische Heimatlied. Sogar eine komplette Wanderrunde ist dem Lied gewidmet und bringt Land, Leute und bergische Besonderheiten näher. Sie führt aber nicht durch die Klingenstadt, sondern durchs oberbergische Wipperfürth. Entlang des gut elf Kilometer langen Weges stehen Infotafeln. Die erste Zeile dürfte jeder kennen: Wo die Wälder noch rauschen . . .

Am Start auf dem Marktplatz der über 800 Jahre alten Hansestadt, direkt vor dem Rathaus, rauscht aber erst einmal gar nix. Denn bevor es dem Schild mit der weißen 3 auf rotem Untergrund folgend zur Wupper geht, lernt der Wanderer die Stadt und ihre beschaulichen Gässchen kennen. Er marschiert hoch zum Klosterberg und noch einmal am Marktplatz vorbei.

Eine kleine Brücke führt über die Neye, an der der Wanderweg eine Weile entlang führt.

Wer sich diesen Schlenker schenken möchte, läuft vom Rathaus aus direkt Richtung Lüdenscheider Straße und gelangt in ein paar Minuten an die Wupper. Dort kehrt sofort eine angenehme Stille ein, obwohl links oben auf der Nordtangente Autos fahren. Rechts plätschert der Fluss dahin, dahinter breiten sich die Ohler Wiesen aus, und die nächsten Infoschilder erzählen von früher. Natur pur mitten in der Stadt.

Und dann Natur pur jenseits davon, denn in der Ortschaft Voßkuhle mündet der Heimatweg in den Bergischen Panoramasteig, der auf insgesamt über 244 Kilometern bis hinunter nach Waldbröl und über Wiehl und Kürten bis Radevormwald führt. So viel sei gesagt: Wer gerne viel und lange wandert, für den sind die zwölf Tagesetappen des Steigs ein absolutes Muss.

Bevor es auf dem Heimatweg stetig bergauf in die Nähe der Neye-Talsperre geht, fängt die nächste Infotafel den Blick. „Bäche, Tradition und Bergischer Dreiklang“ lautet eine Überschrift. Es geht um die ersten Siedler, um die Grafen von Berg und um die Burg, die dem Land seinen Namen gab – und auf einem Felssporn am Hang des Dhünntals beim heutigen Altenberg stand. Denn dort residierte einst eine gewisse Grafenfamilie von Berg. Bevor sie im 12. Jahrhundert nach Schloss Burg an der Wupper umsiedelte.

Ach, und davon wird jetzt ausgerechnet in Wipperfürth berichtet? Ja, und das hat durchaus seinen Sinn, denn immerhin hat Engelbert von Berg Wipperfürth Anfang des 13. Jahrhunderts die Stadtrechte verliehen. Das städtische Gymnasium trägt sogar seinen Namen.

Warum das Wasser für die Region so bedeutsam ist (auch davon berichten die Infotafeln), wird kurz danach deutlich: Die Neye-Talsperre kommt nach einem Abstecher durch ein verwunschenes Waldstück in Sicht und folgt ihr ein kurzes Stück bis über die Sperrmauer. Wer sie von hier aus umrunden möchte, ist noch einmal weitere elf Kilometer unterwegs, so weit verzweigen sich ihre Arme.

Der Heimatweg indes biegt links Richtung Großblumberg ab, wo mit dem Gasthaus zur Neye-Talsperre das einzige Restaurant direkt an der Strecke liegt.

Später folgt er dem Fluss Neye, vorbei an der Ortschaft Kitzhaufe. Wer kurz dahinter das siebte und letzte Infoschild, das sehr schön am Neyeufer an einer Brücke steht, passiert hat, weiß jetzt einiges über die regionale Fachwerkbauweise, die Lindlarer Steinbrüche und die Obstkammer des Bergischen Landes in Leichlingen.

Informationstafeln informieren den Wanderer über die Geschichte und Besonderheiten des Bergischen Landes.

Denn auf dem Heimatweg trifft Naturerlebnis auf bergische Geschichte. Und wer die letzten knapp zwei Stunden gedacht hat: Mensch, das ist aber eine leichte Wegstrecke, der wird zum Ende eines Besseren belehrt. Denn über einen schmalen und knackigen Anstieg geht es noch einmal auf die Höhen.

Moment, hier waren wir doch schon mal? Fast. Der Heimatweg trifft kurz vor der Hofschaft Sonnenschein beinahe sich selbst, bevor es sanft bergab zurück in die Stadt geht. Wer zwischendurch keine Pause eingelegt hat, kann das – normalerweise – in einem der Cafés rund um den Marktplatz tun – und dort ja einfach mal das Bergische Heimatlied anstimmen. Es singen bestimmt ein paar Leute mit.

Tour 16

Heimatweg: Länge 11,1 Kilometer, Dauer ca. 2,5 bis 3 Stunden. Verläuft in Teilen auf dem Bergischen Panoramasteig.

Einkehren: Unterwegs: Gasthaus zur Neye-Talsperre. Am Ende der Tour: Zahlreiche Cafés und Kneipen rund um den Marktplatz in Wipperfürth (derzeit nicht möglich).

Pause machen: Auf der Brücke der Neye-Talsperre.

Parken: Parkplatz Ohler Wiesen in Wipperfürth. Von dort kann man starten.

Offizieller Beginn: Marktplatz.

Gut zu wissen: Meist breite Forstwege, hier und da ein verschlungener Pfad, ein knackiger Anstieg gegen Ende der Etappe.

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX-Track Heimatweg

Alle Folgen unserer Serie „Wandern mit dem ST“ haben wir hier für Sie aufgelistet: Wandern rund um Solingen mit unseren Entdeckungstouren.

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