Wirtschaft

Wirtschaft steuert auf wichtiges Halbjahr zu

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Creditreform legt Auswertung vor: Insolvenzen stagnieren, Gründungen steigen.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land Das nächste halbe Jahr ist entscheidend. In diesem Zeitraum wird sich bei vielen Unternehmen zeigen, wie sie die Corona-Krise tatsächlich überstanden haben. Davon ist Ole Kirschner überzeugt. Seine Creditreform Solingen Kirschner GmbH & Co. KG hat die Neugründungen, Löschungen und Insolvenzen in der Region erhoben. Das Fazit: „Die Zahlen spiegeln die wegen Corona getrübte Stimmung nicht wider.“

„Wir sind noch nicht an Schmitz Backes vorbei.“

Ole Kirschner, Creditreform

Beispiel Insolvenzen: Seit Anfang Mai gilt die Insolvenzantragspflicht wieder wie gewohnt. Bisher macht sich diese Änderung aber nicht bemerkbar. Zwischen dem 1. Januar und dem 15. Juni wurden laut Angaben der Creditreform 103 Insolvenzverfahren in der Region eröffnet. Aufs Jahr hochgerechnet ergibt sich der Wert 225 – 2020 gab es einen Fall mehr. Kirschner führt die stabilen Zahlen auf Maßnahmen wie die staatlichen Finanzhilfen zurück. „Wir sind aber noch nicht an Schmitz Backes vorbei“, prognostiziert der Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei.

Gut sei, dass die Region bislang von Großpleiten verschont geblieben ist. Auch der durchschnittliche Schaden, den eine einzelne Insolvenz verursacht, ist zurückgegangen. Bei den Insolvenzen im ersten Halbjahr 2021 sei bislang ein Gesamtschaden von rund 35 Millionen Euro entstanden, etwa 700 Arbeitsplätze seien betroffen.

61 Prozent der Unternehmen in der Region sind Dienstleister

Als verhältnismäßig anfällig erweisen sich momentan Betriebe mit elf bis 20 Mitarbeitern sowie Industrieunternehmen. Beides trifft auf die Solinger Schmitz Apparate- und Maschinenbau GmbH & Co. KG zu. Anfang Juni wurde das vorläufige Insolvenzverfahren für die 18 Beschäftigte zählende Firma eröffnet. Die Corona-Krise und die schwierige Auftragslage habe zu diesem Schritt geführt, erklärt Geschäftsführer Konstantin Althajmer. Und ergänzt: „Wir arbeiten an einer Lösung.“

Positiv bewertet Ole Kirschner die Gründungsaktivitäten in der Region: „Eine neue Zuversicht macht sich breit.“ Setzen sich die Trends des ersten Halbjahres fort, wird es Ende 2021 zwischen Monheim und Radevormwald 2100 mehr Gewerbebetriebe geben als vor der Jahresfrist. In allen elf Städten des Creditreform-Gebiets übersteigt die Zahl der Unternehmensanmeldungen die der -abmeldungen. Besonders hoch ist das Plus in Leverkusen und Monheim, die beide mit ihrer niedrigen Gewerbesteuer punkten. Doch auch in Solingen und Remscheid steht ein Saldo von 260 beziehungsweise 170 Betrieben. In Wermelskirchen liegt der Wert bei 200, in Burscheid bei 60, Radevormwald sowie Hückeswagen kommen auf 30 und 10.

„Ich war selbst überrascht, als ich die Zahlen gesehen habe“, gesteht Ole Kirschner. 15 Prozent der lokalen Neugründungen sind im Handel zu verzeichnen, neun im Baugewerbe, sechs in der Industrie. Den Löwenanteil mit 70 Prozent machen jedoch nach wie vor die Dienstleister aus. „Da fällt der Veranstaltungstechniker rein, der sich in der Pandemie mit einem Testzentrum selbstständig gemacht hat“, nennt Kurt Ludwigs von der Creditreform ein Beispiel. Der Wert lag in den vergangenen Jahren in einem ähnlichen Bereich. Dies hat zur Folge, dass inzwischen mehr als 61 Prozent aller Unternehmen in der Region im Dienstleistungssektor tätig sind.

Hintergrund

Das Gebiet der Creditreform Solingen Kirschner GmbH & Co. KG umfasst die Großstädte Remscheid, Solingen und Leverkusen sowie die umliegenden Orte Burscheid, Haan, Hückeswagen, Langenfeld, Leichlingen, Leverkusen, Monheim, Radevormwald und Wermelskirchen. In der Datenbank der Auskunftei sind 42 000 wirtschaftsaktive Unternehmen erfasst. Der Großteil hat weniger als fünf Mitarbeiter, nur 6000 Betriebe zählen mehr als zehn Beschäftigte.

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