Wirtschaft

Gebäudereiniger haben weniger Aufträge, aber höhere Kosten

Gebäudereiniger Heiko Radtke (vorne) und sein Objektleiter Danny Gambuto bei ihrer Arbeit – trotz der erhöhten Hygieneanforderungen wegen Corona hat die Branche im Moment weniger zu tun als vor der Krise. Foto: Tim Oelbermann
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Gebäudereiniger Heiko Radtke (vorne) und sein Objektleiter Danny Gambuto bei ihrer Arbeit – trotz der erhöhten Hygieneanforderungen wegen Corona hat die Branche im Moment weniger zu tun als vor der Krise.

Hygiene ist in Corona-Zeiten ein heißes Thema, die Gebäudereiniger profitieren davon aber kaum.

Von Sven Schlickowey

BERGISCHES LAND Hygiene gehört seit Corona sicherlich zu den meistbenutzten Wörtern. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Gebäudereiniger-Branche davon profitieren würde. „Da, wo wir noch im Einsatz sind, haben wir tatsächlich mehr zu tun“, berichtet Oliver Knedlich, Geschäftsführer der Remscheider Paul Schulten GmbH. Firmen würden zum Beispiel Handläufe, Türklinken und Lichtschalter häufiger reinigen. Hinzu kämen sogenannte Sonderreinigungen, zum Beispiel Desinfektionen von Flächen. Das Problem ist nur: Die Zahl der Aufträge hat durch das Virus zuletzt deutlich abgenommen.

„Die Schulen waren geschlossen, die Turnhallen und Hallenbäder sind es noch“, zählt Knedlich Beispiele für weggebrochene Auftraggeber auf. Aber auch bei den Firmen-Kunden sei häufig weniger zu tun: „Viele Unternehmen haben Kurzarbeit oder Homeoffice.“ Entsprechend seltener müsse dort gereinigt werden. „Wir haben mehr verloren als dazugewonnen.“

Wie viel, das hänge bei jedem Unternehmen vom jeweiligen Kundenstamm ab, sagt Knedlich, der sich auch in der Innung und im Verband der Gebäudereiniger engagiert: „In der Summe werden das in NRW so 20 bis 30 Prozent sein“, schätzt er. Firmen, die sich auf bestimmte Branchen spezialisiert haben, könnte es aber auch heftiger treffen: „Unternehmen, die vor allem Einkaufszentren als Kunden haben, hatten lange nichts zu tun.“ Kollegen, die auf Hotels und Gaststätten spezialisiert sind, gehe es weiterhin so.

Ein Eindruck, den Heiko Radtke nur bestätigen kann: „Die Frage ist, welche Kunden man hat“, sagt er. „Kleinere Putz-Firmen, die vor allem bei Privatleuten arbeiten, kommen vielleicht ganz gut durch die Krise“, so der Inhaber einer Solinger Gebäudereinigungsfirma mit rund 25 Mitarbeitern. Sein Unternehmen hingegen habe unter anderem eine ganze Reisebüro-Kette in der Kundschaft. Und einen großen Automobilzulieferer. Beide hatten die Arbeit nahezu komplett eingestellt.

„Der Kunde glaubt das ja nicht, dass das alles so viel teurer geworden ist.“
Heiko Radtke über die Preise für Desinfektionsmittel und Klopapier

„In kleineren Firmen ist es auch so, dass die Mitarbeiter zurzeit selber putzen“, vermutet Radtke. Zeit dafür hätten die ja durch die Krise oftmals genug. „Und viele möchten auch keine Fremden mehr im Unternehmen.“ Das summiere sich in seinem Fall auf Umsatzeinbrüche von rund 50 Prozent. Aber nicht nur das: „Die Frage ist ja auch, welche unserer Kunden es nach der Krise überhaupt noch gibt.“

Das führe in vielen Fällen zu Kurzarbeit, berichten Heiko Radtke und Oliver Knedlich übereinstimmend. „In NRW haben rund zwei Drittel der Gebäudereiniger Kurzarbeit angemeldet“, schätzt Knedlich. „Und bisher hat rund die Hälfte sie auch eingeführt.“

Derweil steigen für viele Verbrauchsmaterialien die Preise. Und der Aufwand, sie zu bekommen. „Wir hatten zum Teil viel Mühe, Desinfektionsmittel, Spender und Toilettenpapier für unsere Kunden zu beschaffen“, berichtet Heiko Radtke. „Das war manchmal ein harter Kampf.“ Zusätzliche Arbeit, von der die Kunden nichts mitbekommen. Und sie auch nicht bezahlen.

Ein Problem, das Schulten nicht habe, berichtet Geschäftsführer Knedlich: „Wir sind bundesweit gut vernetzt.“ Doch auch hier schlagen die deutlich gestiegenen Beschaffungspreise durch. Der Preis für Desinfektionsmittel habe sich mehr als verdoppelt, so Knedlich. Der für Schutzmasken sei geradezu explodiert.

Heiko Radtke hat sich trotzdem entschieden, diese Steigerungen wenn möglich nicht an seine Kunden weiterzugeben. Um gar nicht erst den Eindruck zu erwecken, dass man von der Krise profitieren wolle. „Der Kunde glaubt das ja nicht, dass das alles so viel teurer geworden ist“, sagt Radtke. „Der glaubt doch, ich will ihn über den Tisch ziehen.“ Also zahle er die Differenz derzeit aus eigener Tasche, um keinen Kunden zu verlieren. „Wie lange das noch geht, weiß ich aber nicht.“

Hintergrund

Das Gebäudereiniger-Handwerk gilt als das beschäftigungsstärkste Handwerk Deutschlands. Mehr als 22.000 Betriebe mit über 600.000 Mitarbeitern zählt der eigene Verband. Zusammen sollen sie etwa 17 Milliarden Euro Umsatz machen, schätzt man. Dabei ist der Markt überwiegend klein- und mittelständisch strukturiert. Rund 80 Prozent der Firmen haben einen Umsatz bis 500.000 Euro.

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