Hohe Kosten für Unternehmen

Wegen Energiekrise: Gießerei erwägt Verlagerung ins Ausland

gas
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Die Energiekrise erwischt die Bögra Technologie GmbH mit voller Wucht.

Firmen suchen nach Möglichkeiten, mit steigenden Kosten umzugehen.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Die Energiekrise erwischt die Bögra Technologie GmbH mit voller Wucht. Das Unternehmen fertigt in Solingen Metallbauteile, vorwiegend für die Automobilindustrie. Fünf Millionen Kilowattstunden Strom und 3,8 Millionen Kilowattstunden Gas verbraucht die Produktion – jährlich bedeutet das Ausgaben in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro. Bis jetzt. Denn für Bögra zeichnet sich eine Versechsfachung der Kosten ab, berichtet Geschäftsführer Tobias Linser. Als Reaktion auf die Entwicklung haben die Verantwortlichen auf Blockfertigung umgestellt, um Energie zu sparen. Für die rund 35 Kräfte in der Gießerei geht das mit Kurzarbeit einher. Sogar eine Verlagerung der Produktion steht im Raum.

In dieser Woche fährt Linser nach Tschechien. Dort befindet sich ein Partnerunternehmen Bögras. Der Geschäftsführer möchte ausloten, inwieweit im Nachbarland Fertigungskapazitäten zur Verfügung stehen. Auch nach Indien unterhält Bögra Kontakte. „Bedauerlicherweise müssen wir uns nach Alternativen umschauen“, sagt der Geschäftsführer.

Bögras-Geschäftsführer für Deckelung der Energiepreise

Die europäischen Energiepreise seien im globalen Wettbewerb bereits vor Beginn der Krise hoch gewesen. Nun habe sich die Situation zugespitzt, vor allem in Deutschland. Linser bemängelt, dass die Politik hierzulande zu behäbig reagiere, die Wirtschaft nicht ausreichend unterstütze. „Der Staat muss eingreifen, damit der Standort international bestehen kann“, betont er und spricht sich für eine Deckelung der Energiepreise aus.

Die Verunsicherung der Wirtschaftv durch die hohen Energiepreise ist allerorten spürbar. Trotzdem ist Kurzarbeit bislang in wenigen Betrieben Thema. „Im Augenblick haben wir keine Hinweise darauf, dass die Unternehmen im Städtedreieck verstärkt auf das Mittel setzen“, erklärt die Bergische Industrie- und Handelskammer auf Nachfrage.

Hohe Energiepreise: Unternehmen machen keinen Gebrauch von Kurzarbeit

Diesen Eindruck bestätigen Daten der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Demnach haben im September 18 Betriebe im Städtedreieck Kurzarbeit angezeigt. Für Oktober – die Möglichkeit besteht noch bis Ende des Monats – sind es bislang fünf. Zum Vergleich: Zu Corona-Hochzeiten waren es bisweilen mehrere Hundert pro Tag.

Angesichts der trüben Stimmung in der Wirtschaft hätte man andere Daten erwarten können, bestätigt Kerstin Dette. Die Pressesprecherin der Agentur für Arbeit sagt aber: „Das kann in ein paar Wochen schon anders aussehen.“

Die kommenden Wochen sind auch für Tobias Linser und das Team bei Bögra entscheidend. Die Produktion zu verlagern, sei weder Wunsch noch Ziel. Man müsse sich allerdings alle Optionen offenhalten. Seit 1913 existiert das Unternehmen. In der Klingenstadt beschäftigt es rund 120 Menschen, davon mehr als 80 in der Produktion.

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